Gender Award – Kommune mit Zukunft 2019

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Am 9. Dezember wurden im Bundesfamilienministerium in Berlin im Beisein von Ministerin Franziska Giffey drei Kommunen für ihre vorbildliche Gleichstellungsarbeit ausgezeichnet. Ausgelobt wurde der Preis von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG).

Der Gender Award würdigt die strategischen Konzepte der Kommunen für die Gleichstellung von Frauen und Männern und zeichnet alle zwei Jahre Kommunen aus, die gleichstellungspolitische Maßnahmen, Programme und Aktivitäten zum dauerhaften Bestandteil kommunalen Handelns entwickelt haben. Alle Preisträgerkommunen erhalten eine Stele, eine Urkunde sowie das Label „Preisträgerin des Gender Award – Kommune mit Zukunft“, das sie in ihrer Korrespondenz und für ihre Öffentlichkeitsarbeit verwenden können.

Nominiert waren in diesem Jahr Bochum, Braunschweig, Brühl, Gießen, München und Würselen. Die Entscheidung der Jury:


München, Platz 1

Die Stadt hat es geschafft, eine Struktur für Gleichstellungsarbeit aufzubauen, so die einhellige Meinung der Jury. Die Bewerbung macht deutlich, dass München schon vor vielen Jahren entschieden hat, Gleichstellung als Querschnittsthema zu fördern und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.

Beispiel politische Repräsentanz:
Der Stadtrat hat 2018 eine freiwillige Selbstverpflichtung für eine Geschlechterquote bei der Besetzung von Gremien mit Stadtratsmitgliedern beschlossen. Das gilt für den Aufsichtsrat der Stadtwerke genauso wie für die Kommission für Stadtgestaltung und die Hauptversammlung des Deutschen Städtetags. Aktuell geht es um 123 Gremien. In 81 sind die Vorgaben bereits erfüllt. München nutzt in vollem Maße Spielräume zur praktischen Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern.

Beispiel kreatives Verwaltungshandeln:
Das bayrische Gleichstellungsgesetz ermöglicht Kommunen, eigene Satzungen zu erlassen. Davon hat München in vorbildlicher Art und Weise Gebrauch gemacht und die Beteiligungsrechte der Gleich-stellungsstelle erheblich erweitert. Damit wurde die Voraussetzung für eine umfassende strategische Gleichstellungsarbeit innerhalb der Verwaltung mit Personal in allen Verwaltungseinheiten gelegt.

Bei allen städtischen Vorhaben werden die qualitativen und quantitativen Auswirkungen auf Frauen und Männer, Mädchen und Jungen geprüft, um Benachteiligung zu vermeiden. Die Gleichstellungsstelle ist jährlich an 100 Beschlussvorlagen für die politischen Gremien beteiligt und setzt so konkrete Impulse in allen kommunalen Handlungsfeldern.

Mit einem Monitoring wird der Stand der Gleichstellung u.a. in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeit und Kultur analysiert, Lücken aufgedeckt, um daran zu arbeiten.

Praktische Aktionen deuten auf eine große Akzeptanz der Gleichstellungsarbeit hin.

Beispiel Schutz vor Sexismus:
Verbot sexistischer Werbung auf allen städtischen Werbeanlagen. Ab 2020 soll es per App möglich sein, Beschwerden einzureichen.

Der Jury gefiel es auch, dass München eine Stelle für Frauenkultur eingerichtet hat und dass an allen städtischen Schulen sowohl Mädchen-, als auch Jungenbeauftragte eingesetzt werden. Außerdem sollen Spielplätze und Sportflächen gendergerecht geplant werden.

„Die Rolle der Gleichstellungsstelle für Frauen hat sich von der Funktion einer Reformagentur zur zentralen Steuerungsinstanz gewandelt“. Dieses Zitat aus der Bewerbung bringt die strategische Ausrichtung auf den Punkt.

München hat durch seine Bewerbung ein Bild seiner Gleichstellungsarbeit entworfen, anhand dessen man konkret merkt, wie die einzelnen Themen der Gleichstellungsarbeit in der Verwaltung strukturell verankert sind und wie durchdacht ihre Arbeit aufeinander aufbaut. „Hinreißend“, so ein Jurymitglied.

Auch beim Thema Frauen in Führungspositionen steht München mit insgesamt 48,8 Prozent und einem Frauenanteil im höheren Dienst mit knapp 40 Prozent gut da. Der Anteil der Politikerinnen im Kommunalparlament liegt bei 45 Prozent. Das ist im bundesweiten Vergleich ein hoher Prozentsatz.


Bochum, Platz 2

Auch die Stadt Bochum hat in Sachen Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern viel zu bieten, befand die Jury. So verankert sie gleichstellungspolitische Themen in der „Bochum Strategie 2030“ und führt damit das Gender Mainstreaming auf beeindruckende Weise weiter.

Gleichstellungsarbeit ist in Bochum in den Prozess strategischer Organisations- und Führungskräfteentwicklung eingebunden.

Beispiel Change-Team:
Die Gleichstellungsbeauftragte ist Teil des „Change-Teams“, das grundlegende Veränderungen zum Beispiel durch Digitalisierung begleitet. Bochum nimmt in diesem Feld die Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Blick und gestaltet den Prozess aktiv mit.

Der Frauenbeirat, ein freiwilliges politisches Gremium, erarbeitet u.a. Empfehlungen und Stellungnahmen zu geschlechterrelevanten Fragen, berät u.a. Ausschüsse und den Oberbürgermeister. Die vom Rat bestellten 11 Fachfrauen kommen aus bedeutenden gesellschaftlichen Bereichen und sind ein wichtiger Teil im Engagement der Stadt um Geschlechtergerechtigkeit. Der Jury hat besonders gefallen, dass der Frauenbeirat externe Expertisen in Auftrag gibt, um seine Arbeit evaluieren zu lassen.

Einen weiteren Pluspunkt sah die die Jury darin, dass Bochum eine der wenigen Städte ist, die Gender und Diversity gut miteinander verbindet. Hierbei ist die Kategorie „Gender“ die Basis, von der aus die weitere Differenzierung erfolgt. Ziel ist es „dass Frauen und Männer in Bochum unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Religion, ihrem Alter, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer finanziellen Möglichkeiten gleichberechtigt leben.“

Obwohl Bochum eine Stadt mit relativ wenig Geld ist, wird Diversity und Gleichstellung kreativ und strategisch in alle Planungsschritten aufgenommen.

Beispiel Kinderbetreuung:
Bochum bietet seinen alleinerziehenden Mitarbeiter*innen Eltern- Kind Büros und ein mobiles Eltern-Kind-Zimmer. Im Notfall dürfen die Kinder mit zur Arbeit gebracht werden. Junge Väter werden außerdem motiviert, Familienaufgaben zu übernehmen.

Der Anteil der Politikerinnen im Kommunalparlament beträgt 32 Prozent. Der Anteil der weiblichen Führungskräfte liegt bei 40 Prozent, davon 13 Prozent im höheren Dienst.


Brühl, Platz 3

Die kleine Stadt Brühl hat die Jury dadurch überzeugt, dass sie mit relativ geringen Ressourcen ein Maximum an Gleichstellungspolitik umsetzt. Als strategisches Element bietet sie Fortbildungen für weibliche Beschäftigte an.

Beispiel:
Innerhalb von vier Jahren wurden fast 400 Kolleginnen zu Themen wie Karriereplanung, Konfliktmanagement, Sprache und Macht, Karriereplanung und Schlagfertigkeit geschult. Die Jury vergab dafür einen Extrapunkt.

Mit einer besonderen Gedenkkultur bringt Brühl die Geschichte und die Leistungen von Frauen in das aktuelle Bewusstsein. Zum Beispiel wird bei der Verlegung von Stolpersteinen darauf geachtet, dass Frauen und Männer paritätisch vertreten sind. Auch mit der Straßenbenennung nach Frauen schafft die Stadt immer wieder eine öffentliche politische Diskussion. Die Jury bewertete das als eine interessante und originelle Strategie zur Öffentlichkeitsarbeit für die Leistungen von Frauen.

Beispiel Führungskräfte:
Für Führungskräfte gibt es verbindliche Fortbildungen zu gleichstellungsrelevanten Themen. Durch Quotenregelungen konnte die Zahl von Frauen in Leitungspositionen innerhalb von acht Jahren von fünf auf 14 gesteigert werden, der Anteil von Frauen in Führungspositionen stieg von 31 auf 38 Prozent.

Beispiel Personal:
Unbürokratisch werden kurzfristig Lehrgänge für quereingestiegene Beschäftigte als Instrument der Personalentwicklung angeboten, ebenso wie Wiedereingliederungsseminare für Frauen über 50, außerdem wird Ausbildung in Teilzeit angeboten.

Beispiel Frauenwoche:
Sie wird als strategisches Instrument genutzt, um gleichstellungspolitische Themen zu platzieren, sich zu vernetzen, innovative Ansätze zu finden und Menschen zu aktivieren. 1.300 Besucher*innen kommen zur Frauenwoche, bei der darüber hinaus immer Spenden für das Frauenhaus gesammelt werden. Auch das war der Jury einen Zusatzpunkt wert.

Beispiel ÖPNV:
Im Rahmen einer Studie wurde die Verkehrsmittelnutzung geschlechterdifferenziert untersucht. Dabei wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sichtbar gemacht und in der Verkehrsplanung berücksichtigt.

Beispiel geflüchtete Frauen:
Die Stadt hat Kinderbetreuungsangebote eingerichtet, damit Mütter Deutschkurse besuchen können. Dadurch wurde ihnen gleichberechtigt mit männlichen Geflüchteten Zugang zum Spracherwerb ermöglicht. Im Vergleich zu anderen Kommunen eine vorbildliche Leistung

Der Anteil von Politikerinnen im Kommunalparlament liegt bei 37,5 Prozent, der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 38 Prozent.

All das zeigt, dass Brühl eine Kommune mit Zukunft ist.


Quelle: Pressemitteilung der BAG vom 2.12.2019

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