„Goldene Kartoffel“ für SWR-Doku über Russlanddeutsche

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Die Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) verliehen am 12. November 2022 die „Goldene Kartoffel“ 2022 an den SWR und die Dokumentation „Russlanddeutsche – unsere fremden Nachbarn? Bilanz einer schwierigen Integration“ – stellvertretend für die unterirdische Berichterstattung deutscher Medien über Russlanddeutsche und andere Zugewanderte aus dem postsowjetischen Raum.

Seit 2018 vergeben die NdM die „Goldene Kartoffel“ an Medien oder Journalist*innen, die ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zeichnen, oder an Sendungen und Formate, die Probleme und Konflikte immer wieder grob überzeichnen, Vorurteile verfestigen und gegen journalistische Standards verstoßen.

So begründete die Jury ihre Entscheidung 

Russlanddeutsche und andere Gruppen aus dem postsowjetischen Raum stehen seit der russischen Invasion der Ukraine unter besonderer medialer Beobachtung, vor allem bezüglich der Frage: Wie stehen sie zum russischen Präsidenten Putin, seiner Ideologie und seinem Vorgehen? 

Die Dokumentation „Russlanddeutsche – unsere fremden Nachbarn?“ erhebt den Anspruch, einen differenzierteren Blick auf die Gruppe zu werfen – löst dies aber nicht ein. Die Doku zeichnet ein tendenziöses, stigmatisierendes und verzerrtes Bild. Das beginnt schon mit dem ersten Satz: „Russlanddeutsche. Sie wohnen bei uns. Sie arbeiten bei uns. Aber gehören sie wirklich dazu?“  

Russlanddeutsche werden im Verlauf als Problemfall dargestellt, als Parallelgesellschaft, beeinflusst und gesteuert von Kreml-Propaganda. Der SWR verpasst die Chance, ein differenziertes Bild russlanddeutscher Einwander*innen sowie deren Migrations- und Integrationsgeschichte zu vermitteln. 

Die Dokumentation wird stellvertretend für die Berichterstattung anderer Medienhäuser in diesem Jahr ausgezeichnet. Dazu gehören die FAZ, das RedaktionsNetzwerk Deutschland, der Merkur oder die Stuttgarter Zeitung. 

Der Vielfalt und Heterogenität dieser Einwanderungsgruppe wurden viele journalistische Beiträge in diesem Jahr nicht gerecht. Medienschaffende gingen klischeegetrieben und einfallslos vor: Sie interviewten Menschen vor russischen Supermärkten und bei pro-russländischen Autokorsos. Reporter*innen wurden nach „Klein-Moskau“ in Pforzheim geschickt, um „den Russen mal auf den Zahn zu fühlen“. Zurück brachten sie Reportagen über „das Leben zwischen Gartenzwerg und ,Aussiedlerbote‘“. Einige bebilderten ihre Artikel mit Putin-Konterfeis auf T-Shirts von Demonstrierenden oder auch Panzern. 

So entsteht der Eindruck, Menschen aus postsowjetischen Ländern seien nicht integriert, grundsätzlich Putin-affin und womöglich eine Gefahr für die Demokratie und das Zusammenleben in Deutschland.  

Auch in der Berichterstattung über Geflüchtete wiederholten sich Muster und Framings. Wurde syrischen Geflüchteten angekreidet, Smartphones zu besitzen, werden Ukrainer*innen wegen SUVs geneidet. Und wieder ist vom Sozialtourismus die Rede. 

In der Sprache der Berichterstattung zeigt sich, dass Redaktionen nicht genügend über die Menschen wissen, über die sie berichten. Die Bezeichnungen Russen, russischstämmige oder russischsprachige Menschen, Russlanddeutsche, Deutsch-Russen werden synonym verwendet. Dabei benennen sie ganz unterschiedliche Gruppen.  

Insbesondere in Zeiten geopolitischer und ideologischer Konflikte muss Berichterstattung differenziert und journalistisch sauber sein. Stattdessen wird über in Deutschland lebende Gruppen leichtfertig als feindlich beeinflusste Fremdkörper berichtet.  

Zum Preis und zur Jury

Vorschläge zur Nominierung für den Preis können Mitglieder aus dem bundesweiten Netzwerk der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) einreichen. Die Jury besteht aus dem ehrenamtlichen Vorstand des Vereins. Sie wählt nach den oben genannten Kriterien den*die Preisträger*innen aus. 

Quelle: Pressemitteilung der NdM vom 10.11.2022

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