Stellungnahme von TERRE DES FEMMES zur Eskalation in der Kopftuchdebatte

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Nach Turbulenzen und Anfeindungen, denen einige Frauen von Terre des Femmes aufgrund der Petition „Den Kopf frei haben“ oder der Podiumsdiskussion „Die Verschleierung: Modeaccessoire, ein religiöses Symbol oder politisches Instrument?“ an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.* ausgesetzt sind, hat der Verein einen Offenen Brief veröffentlicht.

„Die Proteste auf der von der TERRE DES FEMMES-Städtegruppe Rhein-Main mitorganisierten Veranstaltung, an der Frankfurter Universität, haben nur zu deutlich gemacht, wie wichtig es bleibt, sich nicht einschüchtern zu lassen. Eine Gruppe Studierender hat die fachlich kompetent, divers und antagonistisch besetzte Podiumsdiskussion sabotiert. Die Studierenden waren nicht bereit, sich die Diskussion anzuhören und anschließend in ein Streitgespräch zu gehen. Stattdessen stürmten sie die Veranstaltung innerhalb der ersten Minuten und waren zu keinerlei Gespräch bereit. Ihr Ziel war es, alle Anwesenden mundtot zu machen.

Wir sind bestürzt über das Maß an Aggressivität und der fehlenden Akzeptanz pluralistischer Diskussionsbereitschaft, die vonseiten dieser jungen Menschen ausgeht.

Wir sind solidarisch mit allen Frauen, die immer wieder Vorwürfen, Übergriffen, Ausgrenzungen und Mobbing ausgesetzt sind, weil sie sich trauen, Kritik an Weltanschauungen oder religiösen Traditionen zu äußern, die geschlechtsspezifische Gewalt, Verbote und Vorgaben mit sich bringen!

Wir verurteilen all diejenigen, die keinerlei Bereitschaft zeigen, diese Kritik auf einer demokratischen Basis und mit sachlichen Argumenten zu diskutieren. Wir begrüßen jede Kritik an ungerechten gesellschaftlichen Strukturen und freuen uns über junge Menschen, die bestehende ungleiche und menschenfeindliche Machtverhältnisse ändern wollen. Allerdings möchten wir als Verein mit langjähriger Erfahrung in Mädchen- und Frauenarbeit daran erinnern, dass ‚rechte Hetze‘ nicht nur innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft besteht. Extremismus ist in unseren Augen auch die jahrhundertelang bestehende Unterdrückung des weiblichen Geschlechts, die Reduzierung ihres Körpers auf die Rolle der Verführerin und Gebärerin, die mit religiösen oder traditionell männlichen Überlieferungen der verschiedenen Weltanschauungen zusammenhängt.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von TERRE DES FEMMES ist, den feministischen Finger in die Wunden unserer Gesellschaft zu legen. Eine demokratische Haltung und Vision sind dabei unerlässlich, um gegen Unterdrückung von Mädchen und Frauen und für Gleichberechtigung und Emanzipation zu streiten.

Wir danken allen mutigen Frauen, die sich im Kampf gegen Gewalt an Frauen und gegen patriarchale Strukturen nicht beirren lassen.

Wir danken allen, die TERRE DES FEMMES engagiert und ambitioniert unterstützen und humanistische Werte hochhalten.

Verabschiedet von der geschäftsführenden Vorstandsfrau Christa Stolle.


Berlin, den 27. Januar 2020“



* Siehe dazu den Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

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