Berühmt durch eine Frau: Vincent van Gogh

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1890 ist nicht nur das Geburtsjahr von Agatha Christie (s. Blog „Schwestern von gestern (12)“ vom 24.08.2015), sondern auch das Sterbejahr von Vincent van Gogh.
Am 29. Juli erschoss er sich in Frankreich – unbekannt und völlig verarmt. Er hat nie eine Einzelausstellung seiner Bilder erlebt und angeblich ist nur ein einziger Bildverkauf historisch belegt. Berühmt machte ihn allein eine Frau: seine Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Johanna Bonger, 1862 in Amsterdam geboren, war die Frau von Theo van Gogh, der seinen Bruder Vincent viele Jahre lang finanziell unterstützte. Theo starb nur ein Jahr nach seinem Bruder und ließ seine Frau mit ihrem kleinen Sohn Vincent Willem 1891 fast mittellos in Paris zurück.

Johanna Bonger war Lehrerin für Englisch und Französisch und hatte bei einem Studienaufenthalt in Paris Theo van Gogh kennengelernt. 1889 heirateten die beiden. Theo erhielt als Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung seines Bruders zahllose Bilder von ihm und anderen Malern, u.a. Gauguin. Mit dem Tod ihres Mannes erbte Johanna van Gogh daher viele Hundert Bilder ihres Schwagers. Sein Gesamtwerk wird auf mindestens 864 Bilder und über 1.000 Zeichnungen geschätzt.

Johanna erkannte wie nur wenige vor ihr den einzigartigen Malstil Vincent van Goghs und damit den künstlerischen Wert der Bilder. Sie wehrte sich gegen Vorschläge, die ganze Sammlung einfach wegzugeben oder billig zu verkaufen. Obwohl sie kaum Geld hatte, erwirtschaftete sie sich ihren Lebensunterhalt lieber mit Übersetzungen und dem Betreiben einer Pension in Bussum, in der sie viele Bilder van Goghs aufhängte. Einige verkaufte sie, andere – viele der besonders guten Gemälde – behielt sie. Dieser Familienbesitz bildete später den Grundstock für die Sammlung, die das van Gogh-Museum in Amsterdam heute zeigt.

Ganz allmählich begann Johanna über frühere Kontakte, kleine Ausstellungen sorgfältig ausgesuchter Bilder zu organisieren. Die Rahmungen und Ausstellungskosten musste sie meist selber bezahlen, aber sie machte Vincent van Gogh so allmählich bekannt. 1905 fand die erste wirklich große van Gogh-Ausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam statt, in der 457 Werke gezeigt wurden. Bis in die 1920er Jahre wurde der Ausstellungsradius immer größer: München, Berlin, Köln, 1913 die USA, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Paris, New York und London.

Johanna Bonger kontrollierte die Verkäufe und kümmerte sich zudem um den umfangreichen Briefwechsel der Brüder Theo und Vincent. Sie ordnete, kürzte und editierte die Briefe, die ab 1906 veröffentlicht und auch ins Englische übersetzt wurden. Dieser umfangreiche und sehr persönliche Austausch zwischen den beiden Brüdern mit vielen Details zu Vincents Malerei, seinen Motiven und seinen Lebensumständen trugen sehr zu seinem Bekanntwerden und Ruhm bei und verfestigten das Bild vom zu Lebzeiten verkannten Genie.

Johanna van Gogh-Bonger starb 1925. Sie hat den Ruhm van Goghs begründet* und erlebt, wie er ein gefragter, ein viel und teuer verkaufter Maler wurde. Die Explosion der Preise für seine Bilder aber hat sie nicht mehr erlebt. Im April 1987 wurde sein Gemälde „Sonnenblumen“ für fast 40 Millionen Dollar, im Mai 1990 das „Porträt des Dr. Gachet“ für über 80 Millionen Dollar versteigert. Das ist eine irrwitzige Entwicklung.

Den Grundstein für die Anerkennung Vincent van Goghs als Künstler aber hat sie gelegt. Dem Engagement und der Klugheit von Johanna van Gogh-Bonger verdanken wir, dass wir ihn überhaupt kennen. Und das begann vor 125 Jahren.



Mit historischen Grüßen

Ihre Kristin Rose-Möhring

P.S. Nach einer kurzen Ferienpause treffen wir uns an dieser Stelle wieder am 9. November. Bis dahin wünsche ich allen eine gleichstellungsgerechte gute Zeit.

 



* Zum Nach- und Weiterlesen: „Die Witwe der Brüder van Gogh“ von Camilo Sanchez, 2014 und https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_van_Gogh-Bonger

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