Die Vertrauensfrau_en, 2. Teil

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Entlastung der Vertrauensfrauen (leider von vielen immer noch Freistellung genannt)

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe ja mit der Ihnen bereits bekannten Gleichstellungsbeauftragten einen Termin vereinbart zur Abarbeitung ihres Fragenkataloges zum Thema Vertrauensfrau. Diesmal war auch ihre Stellvertreterin dabei. Drei Fragen müsse sie heute unbedingt ansprechen, bei den anderen habe sie in der Zwischenzeit bereits mehr Wissen:

  • Entlastung! Was ist mit MEINER Arbeit?
  • Was tut eine Vertrauensfrau üblicherweise anderswo?
  • Teilnahme an Auswahlgesprächen?

Lassen sie uns anfangen. Die Entlastung der Vertrauensfrauen (leider von vielen immer noch Freistellung genannt) hat schon für Unruhe gesorgt. Ich erinnere, die Gleichstellungsbeauftragte hatte darauf bereits in ihrem Anschreiben an die Leitung hingewiesen. Das BGleiG sieht seit 2015 grundsätzlich eine 10 prozentige Entlastung vor. Das macht auch Sinn, da in der Vergangenheit (vor 2015) hier grundsätzlich argumentative Kämpfe angesagt waren. War häufig schwierig. Die meisten Vertrauensfrauen investieren mehr Zeit, als ihnen hierfür zugestanden wird – es ist das Interesse das da ist oder mit der Aufgabe kommt. Zurück zu den – bitte beachten – mindestens 10 Prozent bei Auge und Ohr und Erhöhung bis zu 25 Prozent der regelmäßigen Arbeitszeit einer Vollzeitkraft, wenn Gleichstellungsbeauftragte und Vertrauensfrau sich über die Übertragung von Aufgaben vor Ort verständigen. So kann es in § 28 Abs. 6 BGleiG auch nachgelesen werden. Mindestens bedeutet das, dass grundsätzlich Zeit für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen ist. Das ist der Gleichstellungsbeauftragten wichtig. Sie will einmal im Monat für ca. 1,5 Stunden ein Online-Treffen oder eine Telko verbindlich vereinbaren. Austausch ist für eine gute Zusammenarbeit unbedingt erforderlich.  Sie hat mit der Leitung vereinbart, dass in den ersten 4 Monaten mit der Mindestregelung entlastet wird. Anschließend wird ausgewertet und mal sehen, ob die Zeit reicht oder auch nicht. Ihre Zeit reicht eigentlich nie. Macht Sinn. Ich weise daraufhin, dass die neuen Kolleginnen ihrer Entlastung zustimmen müssen.

MEINE Arbeit (die eigentliche Arbeit der Kolleginnen) bleibt die liegen? Tja, eigentlich ist diese anders aufzuteilen, aber die Praxis ist anders – nicht selten on Top drauf. So sollte es nicht sein, aber nicht überall läuft das für alle gesetzmäßig und zufriedenstellend. Tipp: Anfangs die für die neue Aufgabe benötigte Zeit für „sich notieren“. Bitte nicht das Einarbeiten in die Thematik vergessen: Einlesen (z. B. GiP Kommentierung, Verlinkung BMFSFJ oder Vernetzungsstelle, evtl. Rechtsprechung), Online-Veranstaltung am späten Nachmittag. Und an die Gleichstellungsbeauftragte gerichtet, bitte auch nachfragen, wie es zeitlich läuft, denn sie muss es mit der Leitung klären. In der Verantwortung ist die Gleichstellungsbeauftragte!

Weiter: Was tut eine Vertrauensfrau üblicherweise anderswo? Klar, „Auge und Ohr“ und darüber hinaus. Die Beiden haben aufgelistet: Informationen aus dem Gb-Büro weiterleiten an die Mitarbeitenden, Broschüren etc. auslegen. Fragen der Beschäftigten sammeln zu Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Vereinbarkeit z. B. Teilzeit oder Organisation der Pflege. Stellenausschreibungen an Kolleginnen weiterleiten. Auf Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote hinweisen. Manche Vertrauensfrau ist auch zum Thema sexuelle Belästigung schon angesprochen worden. Planung und Unterstützung bei der Frauenversammlung. Statt der Gleichstellungsbeauftragten an Besprechungen teilnehmen, wie auch bei Vorstellungsgesprächen vor Ort zu vertreten. Dass die Liste nicht abschließend ist, ist für beide Frauen selbstverständlich. Die Stellvertreterin: „Da fällt uns bestimmt noch weiteres ein.“

Zu den Auswahl- (Vorstellungs-) Gesprächen haben beide Nachfragen. Das sei nämlich auch wieder so ein nicht einfach zu lesender Paragraph im BGleiG. (Sie meinen § 26 Abs. 4 S. 3). Ich erläutere ihnen, dass eine Vertrauensfrau statt ihrer an diesen Terminen teilnehmen kann (immer unter der Bedingung, sie ist einverstanden). Das kann nur einmal sein oder auch grundsätzlich. Aber: immer nur in der eigenen Dienststelle – keine Vertretung anderswo. Wie kann es ablaufen? Wie üblich bekommt die Gleichstellungsbeauftragte Unterlagen und Termin und verteilt dann weiter oder die Vertrauensfrau wird in cc genommen. Prozedere hat sich anderswo bewährt. Möglichst ein Austausch vorab und dann nimmt die Vertrauensfrau den Termin eigenständig wahr. Was heißt genau eigenständig?

Zum einen beobachtet sie das Gespräch und achtet auf die Einhaltung der Benachteiligungsgebote (z. B. keine unzulässigen Fragen); und zum anderen kann sie sich an dem Gespräch aktiv beteiligen. Wie eine Gleichstellungsbeauftragte oder die Stellvertreterin können Fragen an die eingeladene Person gestellt werden – natürlich immer unter Gleichstellungsaspekten. Sie kann auch Fragen, die sich aus der konkreten Situation ergeben, formulieren. An dem sich anschließenden Gespräch_en über die mögliche Auswahl kann sie ebenfalls teilnehmen. Anschließend Austausch mit der Gleichstellungsbeauftragten. In einigen Institutionen haben die Gb-Büros für das Auswahlverfahren einen Leitfaden erarbeitet, der eine Orientierung gibt und das Verfahren klärt. Kann ich empfehlen, denn bereits bei der Erarbeitung sieht frau, wo es läuft und wo Handlungsbedarf ist.

Die Stellvertreterin wird einen Leitfaden erarbeiten. Ein Muster-Protokoll für ihre eigene Teilnahme gibt es und soll für die Vertrauensfrauen angepasst werden. Was ist mit dem Votum?

Das Votum kann nur die Gleichstellungsbeauftragte oder die Stellvertreterin abgeben. Kommentar der Damen: Gut zu wissen.

Aus langjähriger Erfahrung rate ich, machen sie ihre Entscheidung Aufgabenübertragung transparent. Das BGleiG setzt kein Einverständnis der Leitung voraus, richtig. Das Gespräch vorab kann unterstützen, damit die Einbindung der Kollegin – nun mit Funktion – gelingt.  Nochmal: Die Gleichstellungsbeauftragte entscheidet allein und ist frei

  • ob sie Aufgaben übertragen möchte oder nicht,
  • welche,
  • wann, nur einmal oder dauerhaft
  • und sie kann auch einseitig sowohl die Aufgaben wie auch das Amt wieder zurücknehmen und das ohne einen Grund zu nennen.

Aber hier soll es jetzt erst einmal gemeinsam losgehen.

Wir sind durch – gute Stunde miteinander getagt. Ein bisschen konnten sie daran teilhaben.

Es geht übrigens noch weiter. Bitte noch einen Online-Termin (1,5-2 Stunden). Die Technik steht nun um alle „Neuen“ einzuladen und mich. Thema: Die Frauen sollen die Möglichkeit haben, ihre Fragen selbst zu stellen und sich auch schon mal ein bisschen kennenzulernen. Die Leitung hat zugestimmt, jetzt gehe es noch um die restlichen Bestellungen und die Terminfindung – vorausgesetzt, ich mache mit.

Zu Mir: Rund um den Weltfrauentag und Equal Pay Day ist es bei mir seit vielen Jahren

  • mal so gesagt – turbulent. Dieses Jahr war ja alles online und noch turbulenter. Frau musste oder durfte sich mit einer Vielzahl an Angeboten (Themen, Referentinnen, Formaten…) beschäftigen und dann entscheiden. Mir hat diverses gefallen, auch wenn ich manchmal nur für ein 1/4-Stündchen eingeloggt war – wegen terminlicher Überschneidung. Gute Angebote auch im TV, mit Blick nach Österreich und in die Schweiz. Einhellige Meinung trotzdem: Präsent ist anders!

Aktuelles aus aller Welt:

Die DB spricht jetzt von sich als Arbeitgeberin und bei Audi gibt es die Audianerin und den Audianer, Stand 8.3.2021.


Mit feministischen Grüßen

Ute Wellner


Der nächste Beitrag erscheint nach den Osterferien am 12.4.2021

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