Es wird Zeit für eine US-Präsidentin

15 Bewertungen

Wir erleben gerade den demokratischen Tiefpunkt einer Nation, die einst groß war und sich immer noch groß fühlt. Aus der unglaublichen Satire einer Präsidentschaft Trump ist das unfassbare Trauerspiel einer Präsidentschaftswahl geworden.

Liebe Leserin, liebe Leser,

selbst die Berichte zur Corona-Pandemie konnten die immer verrückter anmutenden Nachrichten zum US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und seinen Nachwehen nicht toppen. Frei nach Asterix möchte ich sagen: „Die spinnen, die Amerikaner!“. Und dennoch sieht es letztendlich so aus, als sei die Demokratie in der Lage, die Szene zu bereinigen. Wie vielen Europäer/inne/n und mir fällt es schwer, die gesamten Umstände amerikanischer Wahlen überhaupt als demokratisch zu verstehen. Ähnlich geht es mir mit dem dortigen Rechtssystem, das sehr politisiert und kommerzialisiert zu sein scheint.

Aber hier sollten wir nicht nur tolerant gegenüber Fremden, sondern auch selbstkritisch gegen uns selbst sein. Wie demokratisch und gerecht ist es denn, wenn in der Europäischen Union Länder wie Ungarn oder Polen durch Verhindern des EU-Gesamthaushalts versuchen, Maßnahmen zur Verbesserung der Demokratie auszubremsen.

Verstehen Sie in einer klassischen Demokratie wie England die Gerechtigkeit des dortigen Wahlsystems, auf dem die Legitimität einer Regierung beruht, die den Brexit betrieben hat?

Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier wird der Schein demokratischer Verhältnisse aufrechterhalten, indem das Parlament immer weiter aufgebläht wird und die Parteien sich aus purem Egoismus nicht auf eine Wahlrechtsreform verständigen können.

Oder waren die Verhältnisse in der Wiege der Demokratie im antiken Athen wirklich demokratisch? Dort waren nur etwa 12% der Bevölkerung wahlberechtigt, sogenannte männliche Vollbürger.

Demokratie ohne Frauen scheint heute undenkbar. EU-Präsidentin, Kanzlerin, Ministerpräsidentinnen oder Verteidigungsministerinnen sind selbstverständlich geworden. Eine Bundespräsidentin allerdings fehlt in Deutschland noch. Und so ist es auch in den Vereinigten Staaten: Es fehlt (bisher noch) eine US-Präsidentin als Zeichen, dass auch die USA nicht vom demokratischen und/oder emanzipatorischen Prozess abgehängt wurden.

Mit Hillary Clinton war es 2016/17 fast so weit. Dann kam mit Donald Trump der größte Rückschlag aller Zeiten. Aber jetzt steht mit Kamala Harris, der designierten Vizepräsidentin, eine neue Frau in den Startlöchern, die es schaffen könnte.

Nach ihrem politischen Werdegang zu urteilen, ist sie eine äußerst gewiefte und geschickte Politikerin. Auch der Zeitpunkt und die Umstände sprechen für sie – ganz gleich, ob sie Joe Biden noch im Amt ablösen oder ihm nachfolgen will.

Politische Entwicklungen sind kaum vorhersehbar und ich kann nicht sagen, ob Kamala Harris eine gute Präsidentin sein würde oder was dies für die amerikanischen Frauen konkret bedeuten würde.

Sie hat in ihrer Karriere schon mal Meinungen oder Richtungen geändert. Sie hat sich auch schon von früheren Entscheidungen distanzieren müssen, wie Geld- oder Haftstrafen für Eltern von Schulschwänzern und einer Klage gegen einen Richter, der sich weigerte, gegen einen Polizistenmörder die Todesstrafe zu verhängen.

Aber eine Frau als US-Präsidentin wäre das richtige Zeichen und von Trump als liberal, sozialistisch oder gar kommunistisch (Krankenversicherung für alle!!!) bezeichnet zu werden, ist geradezu ein Ritterinnenschlag. Außerdem wäre jemand, die ihre früheren Entscheidungen auch einmal hinterfragt oder als falsch erkennt und das zugibt, ziemlich neu in dieser Position, zumindest ein Paradigmenwechsel zum selbsterklärt unfehlbaren Präsidenten Trump. Es wäre sicher nicht das schlechteste angesichts bisheriger Erfahrungen.

Daher hoffe ich in nicht allzu ferner Zukunft auf eine Frau als Präsidentin für die USA. Es wäre ein Zeichen über das Land hinaus. Wer den Anspruch erhebt, die freie Welt zu führen, kann auf die Frauen dabei nicht verzichten.

In diesem Sinne: Schauen wir erwartungsvoll in die Zukunft und streiten weiter für die Gleichstellung von Frauen mit Männern bis in die höchsten Führungspositionen.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen trotz Corona und allem anderen, das uns belastet eine besinnliche Adventszeit.

Ihre Kristin Rose-Möhring

Weitere Artikel zu folgenden Schlagworten:
Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.
Ihr Kommentar erscheint unter Verwendung Ihres Namens. Weitere Einzelheiten zur Speicherung und Nutzung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag
Konjunkturpaket_Banner_Detailbeitragsseite_355pxbreitpsd-min.jpg
Banner_Corona-bedingte_Rechtsänderungen_Detailbeitrag_355px-min.jpg

Twitter-IconFolgen Sie uns auch auf Twitter!
Wir informieren Sie rund um das Thema Gleichstellungrecht.
https://twitter.com/GleichstellungR

banner-gleichstellungs-und-gleichbehandlungsrecht.png

Wählen Sie unter 14 kostenlosen Newslettern!

Mit den rehm Newslettern zu vielen Fachbereichen sind Sie immer auf dem Laufenden.

Login
 
Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Kostenlose Hotline: 0800-2183-333
Kontaktformular

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular benutzen und wir melden uns bei Ihnen.

Kontaktformular
Beste Antworten. Mit den kostenlosen rehm Newslettern.
Jetzt aus zahlreichen Themen wählen und gratis abonnieren  

Kundenservice

  • +49 0800-2183-333
  • Montag - Donnerstag:    8-17 Uhr
  • Freitag:                           8-15 Uhr
  • Sie können uns auch über unser Kontaktformular Ihre Fragen und Anregungen mitteilen.

Verlag und Marken



Unsere Themen und Produkte

 

Service

 

Rechtliches

Ihre Vorteile

Folgen Sie uns

       

Zahlungsarten 

Rechnung Bankeinzug   MastercardVisa

PayPal Giropay Sofortüberweisung