Freiwillig tut sich nichts?

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Zur Frauenquote, erfolgloser Freiwilligkeit und dem neuen Führungspositionengesetz.

Liebe Leserin, lieber Leser,

freiwillig tut sich nichts? Fischquote: ja! – Frauenquote: (eher) nein!

Nicht nur beim Hering gibt es seit Jahren eine Fang-Quote, die regelmäßig zu Diskussionen weltweit führt, dann aber doch eingeführt UND, wie auch bei anderen Fischen, für die Zukunft an den Bestand angepasst wird. Mal wird sie erhöht, dann gesenkt oder manchmal auch wieder abgeschafft. Bestände erholen sich. Das zeigt doch, dass wir mit Quotierungsregelungen durchaus was erreichen können.

Damit sind wir beim Thema, wieder mal: Quote und die Frauen oder besser umgekehrt? Der Entwurf zum 2. Führungspositionengesetz ist am 6.1.2021 vom Bundeskabinett beschlossen worden. Er wurde und wird begleitet von den Hashtags #jetztreichts und #IchWill. Zukünftig soll eine 30%-Quote zugunsten von Frauen in Vorständen börsennotierter, paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei (Besonderheit mehr als zwei) Mitgliedern und Firmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes (2) gelten. Stand 1.1.2021: In den 160 Unternehmen der DAX-Familie sollen von insgesamt 681 Mitgliedern der Führungsgremien 78 weiblich sein, so gelesen in der FR vom 19.1.2021. Da muss sich was ändern. Freiwillige Selbstverpflichtung wirkt offensichtlich nicht, sonst sollten wir nach inzwischen 19 Jahren1 ein anderes Fazit ziehen.

Verbindliche Quoten wirken, so die Ministerinnen Giffey und Lambrecht bei der Vorstellung des Führungspositionengesetzes. Dass dem so ist, wissen wir seit Jahren aus anderen Ländern, die eine verpflichtende Frauenquote in Wirtschaft und Politik eingeführt haben. Und bei uns?

  • In den Aufsichtsräten hat sich ein (klein-) bisschen was getan, 13 Prozent Frauen aktuell.
  • Für einige andere und deren Vorstände gilt ja demnächst das neue Gesetz.
  • Wie sieht es im öffentlichen Dienst des Bundes aus, wo es seit langem gesetzliche Regelungen dazu gibt?

Gerade ist der aktuelle Bericht des Statistischen Bundesamtes mit den Zahlen aus dem Gleichstellungsindex 2020 veröffentlicht worden2. Was lesen wir dort: Auch im öffentlichen Dienst des Bundes haben wir in Führungspositionen weiterhin Luft bis zur 50-Prozent-Marke. Stagnation (Referatsleitungen wie im Vorjahr weiterhin bei weiblichen 38 Prozent), rückläufig (21 von 24 Behörden beschäftigen deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen) – ein Lichtblick bei den Staatssekretärinnen: ein Plus von sechs Prozentpunkten! Der letztgenannte Punkt sollte mich freuen, nun 25 Prozent Frauen. Ich erinnere mich an die Zeit, als wir nur 1 Staatssekretärin hatten (Exkurs: Brigitte Zypries, auch 1. Bundeswirtschaftsministerin, Justizministerin in 2 Kabinetten).

Das ist doch aber alles zu wenig, zu langsam… Keine Selbstverständlichkeit auch hier. Und selbstverständlich sollte es im 21. Jahrhundert endlich sein. In vielen Untersuchungen zeigt sich längst, dass gemischte Führungsteams im Schnitt erfolgreicher sind.

Sie, die Gleichstellungsbeauftragten, kennen aus der täglichen Arbeit die Zahlen im eigenen Haus bestens, i.d.R. auch die anderer, und sie erleben, dass kaum eine Führungsposition besetzt wird ohne Diskussionen. Manchmal will man Ihnen auch ihre Beteiligung im Besetzungsverfahren absprechen. Und was sind die Argumente die ihnen entgegengehalten werden?

  • „…wenn die Frau genauso gut ist, wie der Mann, dann…“,
  • „…entscheidend ist für mich die Leistung.“ Oder
  • die Besetzung der offenen Top-Position scheitere an einem Mangel an Kandidatinnen – nicht an ihrem Wollen (dem der männlichen Führungskräfte).

Auch immer noch aktuell: „Sie wollen doch keine Quotenfrau sein.“ Die Antwort bitte: „Ich will!“

Sie und ich kennen das alles, vielfach gehört und was haben wir argumentiert! Es kommt ja dann noch besser, denn kommt dann eine Frau an die Spitze, wird sie behandelt als Aushängeschild, etwas Besonderes, als Ausnahme. So nicht mehr!

Wir sollten uns verabschieden von dem Wort Karrierefrau. Es zeigt nur, dass es noch keine Normalität ist, wenn Frau erfolgreich ist. Das erfolgreiche Pendant3 fehlt: der Karrieremann. Oder kennen sie den? Gemeinsam fielen uns sicher noch einige Begriffe ein, von denen wir uns gerne verabschieden können.

Eine verbindliche Frauenquote auf Zeit

  • im öffentlichen Dienst, in der Wirtschaft, in der Politik,
  • ausgestattet mit Pflichten und verbunden mit Sanktionen,

dann brauchen wir vielleicht nicht bis ins Jahr 21334 zu warten, um festzustellen: Frauen und Männer sind in der Arbeitswelt nun gleichgestellt.

Zurück zur Fang-Quote (ich bin wieder bei den Fischen, die ich zugegebenermaßen gerne verspeise): Die Quote für den Dorsch besagt aktuell eine Senkung um 60 Prozent. Würde ich meine Aktivitäten erweitern und auch noch den Angelschein erwerben, dann dürfte ich zukünftig statt 7 Dorschen nur noch 5 Exemplare am Tag angeln – der Genuss steigt.

Bevor ich mich für heute verabschiede, ein paar erste Worte noch zu mir: Auf meiner Visitenkarte steht Juristin + Mediatorin, Fortbildung, Beratung, Mediation und dass ich in Niedersachsen lebe. Die ersten Frauenreferate habe ich im Studium mitorganisiert. Im beruflichen Alltag und mit Vereinbarkeit habe ich anschließend über das Arbeitsrecht für Frauen zu meinen heutigen Themen gefunden. (Fortsetzung folgt)


Anmerkung: Der Verlag möchte ein Foto von mir. Mit dem Foto halte ich mich an Katarina Barley, die am Dienstag getwittert hat: Der Erfolg eines neuen Kommunikationstools ohne Bild beruht ja vor allem darauf, dass die Frisiersalons seit Wochen geschlossen sind.

Ihre, Eure Meinung dazu gern. In zwei Wochen lesen wir uns wieder, mit feministischen Grüßen in wirren Zeiten,

Ute Wellner


1 2001 hatten sich deutsche Unternehmen für eine Selbstverpflichtung ausgesprochen.

3 lt. Duden: Entsprechung

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