Hören, Lesen, Sehen – aus Gleichstellungssicht

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Neu, anders – die Ziele sind die gleichen.

Ich bin Ute Wellner (wie im Dezember angekündigt!) und bevor ich starte: Zuerst einmal ein großes Dankeschön an Kristin Rose-Möhring für die vielen Blog-Beiträge in den letzten Jahren (mehr als 11 Jahre lang): amüsant, nachdenklich, kritisch, aktuell…! Ich gehörte zur regelmäßigen Leserinnenschaft und habe in vielen meiner Gleichstellungsseminare ab und an daraus zitiert, mit dem „Denkmal für die unbekannte Gleichstellungsbeauftragte“ einige fortgeschrittene Veranstaltungen auch eröffnet. Vielen Dank!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jetzt geht es los: Gleichstellungsarbeit kann viel Spaß machen – Gleichstellungarbeit braucht Vernetzung/Strategien – Gleichstellungsarbeit wünscht sich Inspiration. Ich möchte einen Blick auf Gehörtes, Gelesenes, Gesehenes werfen,

  • was mir Spass gemacht hat,

  • mich inspiriert hat, auch wieder genauer hinzugucken,

  • mich neugierig gemacht hat,

  • wo ich gelernt habe und mich austausche (die zu nutzenden Werkzeuge haben sich erweitert),

Begeistert hat mich der Podcast „Die Boss“1, Untertitel: Macht ist weiblich. Seit dem Sommer im Netz und es geht in 2021 weiter. Ich freue mich darauf.

Gleichzeitig schauten uns von einem Titelbild des „Stern“ viele, viele bekannte Frauen eine Woche lang entgegen: Aktion „Quotenfrau“. 40 Frauen mit wirtschaftlicher oder politischer Verantwortung, aus Wissenschaft und Kultur, Sport, den Medien, der Polizei verkünden „Ich bin eine Quotenfrau“. U.a. erläutern sie woran sie persönlich es gemerkt haben, dass es ohne Quote nicht mehr weitergeht. Sie beschreiben berufliche Alltags-Situationen die den Gleichstellungsbeauftragten vertraut erscheinen dürften.

Im Podcast waren bisher 13 Frauen im Gespräch mit Simone Menne (Ex-Lufthansa und Böehringer Ingelheim Finanzvorständin und nun Aufsichtsrätin u.a. bei DHL). Die Namen der einzelnen Frauen nenne ich hier nicht, aber bitte nachhören – es lohnt sich. Und für 2021 abonnieren. Frauen in Führung, ein Thema in so vielen Institutionen und eventuell inspirierend auch für Überlegungen zum Thema konkrete Maßnahmen im Gleichstellungsplan zur Erreichung von Veränderung.

Beim Durchblättern einer großen Wochenzeitung blieb ich hängen an einer Überschrift „Frauen sind die größte Unterschicht der Welt“2. Die (emeritierte) Professorin Linda Scott schreibt dort über ihre Sorge, dass Frauenrechte über Nacht wieder verschwinden. Sie forscht zum Thema Rolle der Frau in der Wirtschaft seit 1990 und berät u.a. die Weltbank und Coca-Cola. Ihr Buch „Das weibliche Kapital“ ist im September nun auch auf Deutsch erschienen. Eine lohnenswerte Anschaffung. In unserer Gleichstellungsarbeit vor Ort müssen wir immer und immer wieder feststellen, dass es zu langsam vorangeht und die Fußstapfen der Vorgängerin neu geformt werden müssen. Selbstverständlichkeit sieht eigentlich anders aus.


Gehört, gelesen, gesehen:

Notorius R.B.G. – so wurde sie seit vielen Jahren nur noch von jungen Amerikanerinnen genannt. Die Frau, die Kult wurde. Sie wird beschrieben als eine der wichtigsten und einflussreichsten Frauen unserer Zeit. Ruth Bader Ginsburg war die zweite Frau am Surpreme Court der USA. Als Anwältin hat sie lange Jahre für die Rechte von Frauen gestritten und gegen alle Widerstände bahnbrechende Gerichtsurteile zur Gleichstellung der Geschlechter erkämpft. Wir mussten uns von ihr nun verabschieden. Zu der Nachfolgerin auf diesem Stuhl möchte ich mich heute nicht äußern. Lust auf Sehen3: Dann empfehle ich den Spielfilm und die Dokumentation über ihr Leben und ihre Arbeit. Frau/man sollte darauf nicht verzichten, beides absolut sehenswert. Gezeigt wird ihr Weg zum und im Jura-Studium, die Tätigkeit als Dozentin – da keine Anwaltskanzlei sie anfangs einstellen wollte – dann als Anwältin und eine der ersten Jura-Professorinnen, bis zur Berufung an den Obersten Gerichtshof. Begleitet wird der Film von den herrschenden strukturellen Rahmenbedingungen in einer Zeitspanne von 1956 bis jetzt.

Vereinbarkeit und wie diese in der Ehe der beiden erfolgreichen Jurist*innen (ihr Mann war einer der bekanntesten Steueranwälte in den USA) gelebt wird, könnte aktueller nicht sein. Besonders hingehört habe ich bei den Filmszenen in denen strategische Überlegungen, Argumentationen und Vorgehensweisen von ihr wiedergegeben worden sind, um in der jeweiligen Sache erfolgreich zu sein. Auch Alltag in der täglichen Gleichstellungsarbeit hier und eventuell lässt sich die ein oder andere „Idee“ von uns auch nutzen. Inspirierend, auch unterstützend, können die abgedruckten und nun auch auf Deutsch erschienenen „300 Statements“4 von RBG sein. Einige habe ich mir beim Schmökern gleich mit einem Post-it versehen – für die Gleichstellungsargumentation in 2021.

Und noch zwei Literaturhinweise gibt es von mir: Caroline Criado-Perez „Unsichtbare Frauen – Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“5. Auf der Rückseite des Buches lesen wir „Die Warteschlange vor der Toilette, die zu niedrige Durchschnittstemperatur im Büro oder die falsche Dosierung von Medikamenten: Unsere Welt ist nicht für Frauen gemacht, ja, sie kann sogar tödliche Folgen für sie haben.“ Und auch Dummy`s (Testpuppen in neuen Pkws), die die Auswirkungen von Verkehrsunfällen auf den menschlichen Körper simulieren sind nach männlichen Körpermaßen modelliert! Einen Busen gibt es nicht. Ja, und wie muss dann ein Sicherheitsgurt laufen? Elke Strathmann (nicht Cordula) die ehemalige und erste Conti-Vorständin berichtete zum Auftakt von Veranstaltungen, z.B. der WomenPower in Hannover, gern von der Geschichte „ihres“ Autoschlüssels! Frauen gestalten eben auch Autos etwas anders als Männer. Das Buch bietet viel an Argumentationshilfen!

UND dann natürlich noch „Untenrum frei“ von Margarethe Stokowski6. Es geht um Sex/Macht/Spaß und Probleme, eben Rollenbilder von Frauen. Immer wieder bin ich in 2020 von gestandenen Gleichstellungsbeauftragten auf dieses Buch angesprochen worden: Ob ich es denn schon gelesen hätte, und…? Ja, ich habe es gelesen (wichtig, reflektiert, authentisch, ehrlich und mit Humor geschrieben) und empfehle auch dieses weiter. Geeignet für Menschen, die überlegen, in die Gleichstellungsarbeit einzusteigen, gerade eingestiegen sind oder schon lange dabei sind.

Beinahe hätte ich jetzt doch noch meinen Hinweis auf einen weiteren Podcast vergessen, von dem ich in den letzten Wochen viel über – pauschal gesprochen – IT und Digitalisierung gelernt habe. Zwei Tech-Journalistinnen sprechen immer dienstags aus Sicht einer Expertin und mit einer Expertin zu einem Thema aus der digitalen Welt: „she likes tech“7. Das Arbeitsthema der jeweiligen Fachfrau steht im Vordergrund des Gesprächs, aber auch ihr Weg in ihre aktuelle berufliche Position. Eine Frage wird bisher allen gestellt: „Stört es /hat es gestört, eine Frau zu sein?“ Die Antworten darauf sind divers, dass der Geschlechteraspekt einen Einfluss in der konkreten Arbeit hat, dem stimmen die Frauen zu. Ein Beispiel: So kann es fatale Auswirkungen haben, wenn menschliche Vorurteile in selbstlernende Software einprogrammiert werden – Thema KI = Künstliche Intelligenz. Im Podcast am 6.10.20 erläuterte Kenza Ait Si Abbou Lyadini, sie arbeitet bei der Telekom, u.a. am Beispiel Alltagsrassismus, was gerade Frau auch treffen kann. Andere Themen seit September 2020 waren „Der iPhone-Hack“ oder „Traumjob Gamerin“, „Selfbranding – Mut zur eigenen Marke“. 15 Beiträge sind es aktuell. Vieles erfahren wir rund um die digitale Welt aus Vergangenheit bis Gegenwart und für die Zukunft, von Frauen anschaulich und engagiert erläutert. Zu jeder Folge gibt es show-Notes und am Schluss ein pick der Expertinnen.

Gesehen, gelesen, gehört – aus meiner subjektiven Sicht! Ihre, Eure Meinung dazu gern. In Zwei-Wochen lesen wir uns wieder.


Mit feministischen Grüßen starte ich in 2021,

Ute Wellner

_______________________

1 Podcast: „Die Boss, Macht ist weiblich“
2 Die Zeit Nr. 40; Linda Scott, Das weibliche Kapital, Hanser Verlag 2020
3 Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit; RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit
4 Ruth Bader Ginsburg, 300 Statements der berühmten Supreme-Court-Richterin, btb Verlag 2020
5 Caroline Criado-Perez, Unsichtbare Frauen, Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert, btb Verlag 2020
6 Margarete Stokowski, Untenrum frei, rororo Verlag 2020
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2 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 02.02.2021 um 10:30:
Ich habe durch Zufall gesehen, dass du den Blog jetzt übernommen hast. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei. Auch wenn die Gleichstellungsarbeit nicht mehr mein vorrangiges Feld ist, werde ich mir deine Artikel gerne durchlesen und werde das eine oder andere Thema sicherlich auch für meine jetzige Arbeit nutzen können.
kommentiert am 11.01.2021 um 12:45:
Liebe Ute Wellner, Gratulation zum hoch informativen Blogstart. Ich wünsche viele interessierte Leserinnen und Leser, die als virtuellen "Leseabdruck" zahlreiche 5er Sternchen hinterlassen. Weiterhin gute Schreibe und viel Erfolg. Mit feministischen Grüßen Kristin Rose-Möhring
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