Im neuen Jahr wird alles besser!

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Versprochen! Allerdings nicht von mir. Nach einem Jahr voller Gleichstellungsfrust1 fühle ich persönlich mich zu so einem Versprechen ganz und gar nicht berufen. Das,

liebe Leserin, lieber Leser,

überlasse ich den Politker/inne/n, die es gewohnt sind, Stagnation und Rückschritt in gefällige Worte zu kleiden. Zumindest was Frauen und Gleichstellung angeht, gehöre ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung eher zu den Skeptikerinnen.

Natürlich kommt es beim Bestimmen des Standortes und beim Stecken von Zielen immer auch auf die Perspektive an.

Nach dem Gender Equality Index liegt Deutschland mit 66,9 Punkten knapp unter dem Durchschnitt der EU mit 67,4 Punkten2. Fast Durchschnitt mag für ein ungeliebtes Schulfach in Ordnung sein, aber – halten Sie mich ruhig für übertrieben ehrgeizig – in Sachen Gleichstellung erwarte ich mir von und für Deutschland mehr.

Es geht nicht länger an, dass Frauen immer noch ein Großteil der Familien- und Pflegepflichten leisten, im Beruf weniger verdienen, schlechter fürs Alter abgesichert sind, den geringeren Anteil an Führungspositionen erhalten, um dann am Ende gerade noch eine „Respektrente“ (Hubertus Heil) erwarten zu dürfen. Respekt für die Leistungen von Frauen erwarte ich schon vorher!

Schöne Worte helfen nicht. So ist es auch der oder dem Asylsuchenden egal, ob sie/er aufgrund eines „Geordnete Rückkehr-Gesetzes“ (Horst Seehofer) oder mittels Abschiebung das Land verlassen muss.

Und er ist nicht der einzige mit solchen, unter Fachleuten „Framing“ genannten Worthülsen. Schon vorher – Horst Seehofer hat das nur abgekupfert – bescherte uns eine findige, „volksnahe“ Politikerin das „Starke Familien-Gesetz“ (Dr. Franziska Giffey). Gut gemeint scheint ebenso das „Gute KiTa-Gesetz“ (dito Dr. Franziska Giffey).

Doch: Gute Gesetze brauchen m.E. keine Propaganda-Namen. Bei einem Gesetz kommt es ausschließlich auf den Inhalt an. Und verfassungsgemäß sollte es natürlich immer sein; da haben wir Gleichstellungsbeauftragte ja so unsere Erfahrungen gemacht. Der Rest kommt als Anbiederung daher oder klingt – noch schlimmer – nach sogenannter „leichter Sprache“.

Doch wo bleibt die Gleichstellung? Änderungen/Verbesserungen/Ergänzungen des nicht so gelungen neugefassten BGleiG von 2015 lassen nach wie vor auf sich warten und was über den geplanten Inhalt gemunkelt wird, lässt mich vermuten, dass eine Verzögerung noch das Beste ist, was wir erwarten dürfen. Wirklich schlimm wird es erst, wenn ein „Brave Frauen-Gesetz“ (meine Erfindung!) vorgelegt wird.

Es wird nicht wirklich alles besser werden im neuen Jahr. Die Gleichstellung in Deutschland wird unter dem europäischen Niveau bleiben und wir werden uns in dieser Hinsicht leider, leider nicht nach oben orientieren. Lassen Sie uns dennoch nicht verzagen: Auf Dauer sind wir Frauen einfach zu stark!

In diesem Sinne mit starken Grüßen für das neue Jahrzehnt. Machen wir es zu den Roaring Twenties 2.0.


Ihre Kristin Rose-Möhring

 Rente, Gleichstellungspolitik, Chancengleichheit



2 Vgl. FAZ vom 2.1.2020, S. 18, „Der lange Weg zur Gleichstellung“

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