Schwestern von gestern (21): Louise Otto-Peters

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In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag der Frauenrechtsaktivistin, Schriftstellerin, Zeitungsherausgeberin und Mitbegründerin der bürgerlichen Frauenbewegung Louise Otto-Peters zum 200. Mal. Wir Frauen haben ihr – auch heute noch – viel zu verdanken.

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Louise Otto1 wird am 26. März 1819 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Meißen geboren. Ihre Eltern sind sehr an der Bildung ihrer Kinder, auch der Töchter, interessiert und es wird im Hause Otto viel gelesen – neben Büchern auch Zeitungen – und politisch diskutiert. Das weckt das Interesse von Louise Otto für Politik und Literatur, das ihr weiteres Leben bestimmen wird.


Leider sterben beide Eltern früh und Louise Otto kommt über Besuche bei Verwandten bereits in jungen Jahren mit den ärmlichen Lebensverhältnissen vor allem von Arbeiterinnen in Berührung. Da sie schon früh ihr schriftstellerisches Talent entdeckt hat, schreibt sie das Gedicht „Die Klöpplerinnen“, in dem sie die ärmlichen Lebensverhältnisse und die schwierigen Arbeitsbedingungen der Heimarbeiterinnen beschreibt. Sie veröffentlicht es 1840 in einer Zeitung, was in der Öffentlichkeit große Empörung auslöst. Auch in ihren Romanen setzt sie sich mit der Not der Arbeiter/innen auseinander, was dazu führt, dass ihr drittes Buch „Schloss und Fabrik“ 1846 verboten wird und erst wieder erscheinen darf, als sie „gefährliche Stellen“ überarbeitet.

 

Um sich Gehör zu verschaffen, geht sie dazu über, unter dem männlichen Pseudonym „Otto Stern“ zu veröffentlichen.


In ihren kritischen Artikeln kommt sie immer wieder auf zwei Forderungen zurück: die Öffnung der Arbeitswelt und die Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen. Bereits 1842 hatte sie in einem Leserinnenbrief erklärt „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht.“


Mit ihren Appellen erregt sie Aufmerksamkeit, auch der Vertreter der Arbeiterschaft, und Louise Otto gilt bald als eine wichtige Stimme im sogenannten Vormärz, der Zeit vor der Märzrevolution 1848. So verfasst sie u.a. 1847 einen Artikel „Über die Theilnahme der Frauen am Staatsleben“ mit ersten Ideen für eine organsierte Frauenbewegung, Gleichberechtigung von Frauen und bessere Bildungschancen für Mädchen. 1848 richtet sie eine sogenannte Adresse an den zuständigen Minister mit der Aufforderung „Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht!“.

 

Louise Otto organisiert Versammlungen, klärt über die Arbeitsbedingungen von Frauen auf und unterstützt die Gründungen von Arbeiterinnenvereinigungen.


1849 wird sie Herausgeberin der von ihr gegründeten „Frauen-Zeitung“ unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen!“, kann sich aber nicht lang halten. Sachsen ändert eigens für sie sein Pressegesetz – noch heute als „Lex Otto“ bekannt –, das es Frauen verbietet, Zeitungen herauszugeben. Obwohl sie vom sächsischen Leipzig ins thüringische Gera ausweicht, muss sie 1853 ihre Arbeit als Herausgeberin beenden, da auch hier das Pressegesetz entsprechend geändert wurde.

 

Inzwischen hat sie den Schriftsteller August Peters kennengelernt, der wegen seiner Beteiligung an der 1848er-Revolution eine lange Haftstrafe verbüßen muss. Noch im Gefängnis verlobt sie sich mit ihm, heiratet ihn 1858 und geht mit ihm nach Leipzig, wo er die Mitteldeutsche Volkszeitung herausgibt und sie das Feuilleton leitet.


Als August Peters 1864 stirbt, endet diese Zeit gemeinsamer schriftstellerischer und publizistischer Arbeit und Luise Otto-Peters bricht zu neuen, für die Frauenbewegung entscheidenden, Ufern auf.

 

Ihr Leben als eine der ersten Frontfrauen der historischen Frauenbewegung beginnt 1865 mit der Gründung des Leipziger Frauenbildungsvereins – zusammen mit Auguste Schmidt (siehe Blogbeitrag Schwestern von gestern (14): Auguste Schmidt vom 30.11.2015). Louise Otto-Peters ist eine der wenigen Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, die keine Lehrerin ist; fast alle anderen Mitgründerinnen kommen aus diesem Berufsfeld; dem einzigen, das bürgerlichen Frauen damals offensteht2.

 

Noch im gleichen Jahr organisiert Louise Otto-Peters die erste gesamtdeutsche Frauenkonferenz in Leipzig und gründet am 18. Oktober 1865, erneut u.a. mit Auguste Schmidt, den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF), den sie als Vorsitzende über drei Jahrzehnte leitet.


Von 34 Gründungsmitgliedern wächst der Verein, der zum ersten deutschen Dachverband von Frauenorganisationen wird, bis 1870 auf ca. 10.000 Mitglieder an; ein Beweis dafür, wie groß das Bedürfnis der Frauen nach einem überregionalen Zusammenschluss und nach Vertretung ihrer Interessen ist. Schon 1889 gehören dem ADF 20 Mitgliedsvereine an und Vereinsgründungen werden dadurch gefördert, dass die jährlichen Generalversammlungen in wechselnden Städten stattfinden. Der ADF gilt daher als herausragendes Beispiel für eine Vernetzung von Frauenvereinen.

 

Der 18. Oktober 1865 und die Gründung des ADF gelten auch als der Beginn der ersten, sogenannten historischen Frauenbewegung. Ab Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre knüpft die zweite, die moderne Frauenbewegung daran an, der wir neben vielen anderen Erfolgen die Geschichtsforschung zu unseren „Schwestern von gestern“ verdanken: Bis dahin war wenig bekannt über die historische Frauenbewegung und ihre vielen Kämpferinnen für die Rechte von Frauen auf Bildung, das Stimmrecht und politische Teilhabe, ein selbstbestimmtes Leben und vieles mehr.

 

Der ADF fordert in erster Linie den Zugang von Frauen zu Bildung in weiterführenden Schulen und Hochschulen. Er vermeidet bewusst politische Zielsetzungen, denn es ist nach den geltenden Vereinsgesetzen in Sachsen und anderen Ländern bis 1908 für Frauen verboten, in politischen Vereinen tätig zu sein oder politische Ziele zu verfolgen.

Als Organ für die Verbreitung seiner Ziele und als Mitteilungsblatt für die Mitgliedsvereine gründet der ADF zudem die Vereinszeitung „Neue Bahnen“ (siehe Blogbeitrag „Schwestern von gestern (5): Frauen und ihre Zeitungen“ vom 17.6.2013). Ab 1866 übernimmt Louise Otto-Peters zusammen mit Auguste Schmidt auch die Leitung der Zeitung, deren Herausgeberin sie bis kurz vor ihrem Tod bleibt. Anlässlich der Gründung der Zeitung sagt sie „Es ist ein anderes, im Tatdrang und Sturm einer bewegten Zeit auch mitzureden, nach der Tat zu dürsten – oder im Sklaventum einer kleinen Zeit auch noch mit gefesselten Händen rastlos fortzuarbeiten – und wenigstens mit den Ketten zu klirren, die man nicht lösen kann. Dies ist jetzt die Aufgabe unserer Zeitung“.

 

Zur Berufstätigkeit von Frauen vertritt Louise Otto-Peters eine sehr fortschrittliche Meinung, die auch heute noch in unsere moderne Zeit passt: „Die Hauptsache ist aber zunächst die: daraus, dass auch die Frauen nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet sind, sich ihren Unterhalt selbst zu verdienen, einen allgemein anerkannten Grundsatz zu machen, so werden und müssen auch alle Verhältnisse sich danach regeln.“

 

Ihr eigenes Leben ist dafür ein passendes Beispiel. Die Jahre als Vorsitzende des ADF und als Herausgeberin der Zeitung „Neue Bahnen“ gelten als ihre erfolgreichste und arbeitsintensivste Zeit. Sie ist unermüdlich tätig, wenn auch wirtschaftlich nicht erfolgreich. Seit dem Tod ihre Mannes leidet sie unter Geldsorgen und ist auf Zuwendungen anderer angewiesen, die sie sich fast erbetteln muss – eine unwürdige Situation für eine solch starke Frau.

 

Am 13. März 1896 stirbt Louise Otto-Peters in Leipzig und wird auf dem Alten Johannisfriedhof beigesetzt. Sie ist nicht vergessen: Zahlreiche Einrichtungen sind nach ihr benannt und seit 2015 wird von der Stadt Leipzig jährlich im Oktober der Louise Otto-Peters-Preis an Personen und Organisationen vergeben, die sich für die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in besonderem Maße engagieren.

 


2 Weitere Frauenrechtlerinnen, die als Lehrerinnen begonnen haben, sind neben Auguste Schmidt, Helene Lange, Minna Cauer, Clara Zetkin, die spätere promovierte Juristin und Pazifistin Anita Augspurg, Henriette Goldschmidt u.v.a.

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