„Dann bleib doch zu Hause!“ – Home-Office für alle!

Jetzt bewerten!

Im Rahmen meiner Einkommensteuererklärung 2018 hat mir das Finanzamt mein häusliches Arbeitszimmer nicht anerkannt. Das war sehr ärgerlich. Ich bin Arbeitsrechtler und kein Steuerrechtler, aber in Zukunft könnte ich „bessere Karten“ mit dem häuslichen Arbeitszimmer haben. Wie u.a. die Süddeutsche Zeitung berichtete, soll ein Recht auf Home-Office gesetzlich verankert werden.

Liebe Leserin, lieber Leser,


welcher Arbeitnehmer träumt nicht von der Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten. Home-Office für alle – ein Traum? Home-Office wird derzeit auf Basis arbeitsvertraglicher oder betriebsverfassungsrechtlicher Ebene in der Regel in eingeschränktem Maße gewährt. Einen gesetzlichen Anspruch gibt es (noch) nicht.



Pläne der Bundesregierung


Im Koalitionsvertrag 2018 ist nicht ausdrücklich etwas zum Home-Office geregelt. Es ist beispielsweise enthalten, dass das „Zeitalter der Digitalisierung“ für bessere Arbeit genutzt werden soll. Es soll ein Rahmen geschaffen werden, der den vielfältigen Wünschen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie die Anforderungen in der Arbeitszeitgestaltung gerecht werden könnte. Zudem ist im Koalitionsvertrag 2018 enthalten, dass die mobile Arbeit gefördert und erleichtert werden soll und auch hierzu ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden soll. Wie der Veröffentlichung des Bundesarbeitsministeriums zu entnehmen ist, soll grundsätzlich ein Recht der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber auf Home-Office gesetzlich geregelt werden. Im Sinne einer Art „Beweislastumkehr“ muss der Arbeitgeber begründen, warum Home-Office in jedem Fall nicht möglich ist. Eine solche Begründungspflicht des Arbeitgebers ist aus verschiedenen derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen bekannt. Beispielsweise bei Ablehnung des beantragten Urlaubs aus betrieblichen Belangen (§ 7 BUrlG), bei der Ablehnung der Teilzeit (§ 8 TzBfG), der Verlängerung der Arbeitszeit (§ 9 TzBfG) oder der Brückenteilzeit (§ 9a TzBfG).



Interesse bei Arbeitnehmern am Home-Office ist groß


Im europäischen Vergleich arbeiten Arbeitnehmer in Deutschland deutlich geringer im Home-Office als in anderen Ländern. Wie sich aus den verschiedenen Statistiken ergibt, haben in Deutschland ca. 10 Prozent der Arbeitnehmer das Recht – jedenfalls in Teilen – von zu Hause aus zu arbeiten. Beispielsweise in den Niederlanden, in denen es bereits eine gesetzliche Regelung zum Home-Office gibt, arbeiten mehr als 30 Prozent der Arbeitnehmer – jedenfalls zum Teil – im Home-Office. Für Arbeitnehmer kann das Home-Office Vorteile haben. Zeit und Kosten für die Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsplatz wird erspart. Die Arbeit kann flexibler eingeteilt werden. Es ist eine gleichzeitige Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen besser machbar. Home-Office hat auch Nachteile für Arbeitnehmer, da die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben noch mehr verschwimmen, als dies ohnehin durch die Digitalisierung der Fall ist.



Home-Office-Gesetz macht Kopfschmerzen bei den Arbeitgebern?


Je nachdem ob und wenn ja in welcher Weise ein „Home-Office-Gesetz“ in Kraft tritt, kann dies durchaus zu Kopfschmerzen bei Arbeitgebern sorgen. Home-Office hat für Arbeitgeber einige Nachteile: Anwesenheits- und Arbeitszeiten können nicht mehr in gleichem Maße kontrolliert werden. Der Team-Gedanke und der Zusammenhalt können durch immer weniger persönlichen Kontakt verloren gehen. Arbeitgeber sind verpflichtet, Daten sowie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse noch besser zu schützen.

Es gibt Berufe, in denen Home-Office offensichtlich ausgeschlossen ist, wie in vielen Bereichen der Produktion (z.B. Tätigkeiten an Druckmaschinen, am Fließband etc.) sowie im Handel und Verkauf. In vielen Fällen wird es aber nicht offensichtlich sein. Dann stellt sich die Frage, wie das Gesetz genau ausgestaltet ist und wie die Darlegungs- und Beweislast für den Arbeitgeber gestaltet ist. Wenn es tatsächlich wie bei der Teilzeit nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz erfolgen soll, wird das Home-Office von vielen Mitarbeitern – gegebenenfalls mit Hilfe der Arbeitsgerichte – durchgesetzt werden können.


Die Bundesregierung ist derzeit immer für Überraschungen gut. Hoffen wir, dass es bei dem Home-Office eine positive Überraschung wird.



Herzliche (arbeitsrechtliche) Grüße aus München (nicht im Home-Office)

 

Ihr Dr. Erik Schmid

Aktuelle Informationen zur Brückenteilzeit

Im Koalitionsvertrag 2018 waren erhebliche Veränderungen des Teilzeit- und Befristungsrechts vereinbart. Mit dem „Gesetz zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts – Einführung einer Brückenteilzeit“ vom 11.12.2018 sind vereinbarte Veränderungen umgesetzt worden. Die Änderungen, insbesondere das Recht auf die sogenannte Brückenteilzeit, sind mit Wirkung vom 01.01.2019 in Kraft getreten. In unserem Spezialbeitrag zum Thema von Dr. Erik Schmid werden die Neuerungen zum Anspruch auf Brückenteilzeit erläutert

Rabe von Pappenheim

Praxisprobleme in der Privatwirtschaft schnell lösen

 

Ob Brückenteilzeit, Mindestlohn, Fragen rund um den Urlaub oder befristete Arbeitsverhältnisse – dieses Lexikon behandelt alle für die tägliche Praxis relevanten arbeitsrechtlichen Fragestellungen.

Der lexikalische Aufbau des Lexikons hilft, den Überblick zu wahren: Jedem Stichwort ist eine Gliederung vorangestellt, auf juristische Fachsprache wird verzichtet, praktische Tipps, Hinweise auf Stolperfallen, Checklisten und Musterverträge erleichtern es, die erforderlichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen in der betrieblichen Praxis korrekt umzusetzen.

Jahrespreis‎ 49,99 €
Online-Produkt
Rabe von Pappenheim

Praxisprobleme in der Privatwirtschaft schnell lösen

49,99 €
Softcover
Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag
Anmelden
 
Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Kostenlose Hotline: 0800-2183-333
Kontaktformular

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular benutzen und wir melden uns bei Ihnen.

Kontaktformular
Beste Antworten. Mit den kostenlosen rehm Newslettern.
Jetzt aus zahlreichen Themen wählen und gratis abonnieren  

Kundenservice

  • +49 0800-2183-333
  • Montag - Donnerstag:    8-17 Uhr
  • Freitag:                           8-15 Uhr
  • Sie können uns auch über unser Kontaktformular Ihre Fragen und Anregungen mitteilen.

Verlag und Marken

Unsere Themen und Produkte

 

Service

 

Rechtliches

Zahlungsarten 

Rechnung Bankeinzug   MastercardVisa

PayPal Giropay Sofortüberweisung