Gefeuert in Australien – Wegen Übergewicht gekündigt. Geht das auch in Deutschland?

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Immer mehr Arbeitgeber fordern ihre Mitarbeiter auf, abzunehmen. Ansonsten drohe die Kündigung des Arbeitsverhältnisses, weil ihr Übergewicht eine potentielle Gefahr während der Arbeit sein könnte.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auch in Deutschland besteht die Möglichkeit der krankheitsbedingten Kündigung, soweit das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist. Dies ist der Fall, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate Bestand hatte (§ 1 Abs. 1 KSchG). Vor Ablauf der sechsmonatigen Frist bedarf es keines Kündigungsgrundes. Das Gesetz spricht dann davon, dass die Kündigung sozial gerechtfertigt sein müsse. Dies kann wiederum der Fall sein, wenn Die Kündigung – hier geht es immer nur um fristgerechte Kündigungen, die Vorgaben für eine fristlose Kündigung finden sich alleine in § 626 BGB – durch Gründe in der Person des Arbeitnehmers gerechtfertigt ist (§ 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG). Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn der Arbeitnehmer aufgrund starken Übergewichts die vertraglich geschuldete Leistung krankheitsbedingt nicht mehr erbringen kann.

Aber zunächst mal einen Blick nach Australien!

Dort wurde etwa einem Mitarbeiter gekündigt, weil er „zu dick“ gewesen sei, seinem Pflegeberuf nachzukommen. So sei er aufgrund seiner Leibesfülle nicht mehr in der Lage gewesen, sich richtig zu seinen liegenden Patienten herunterzubeugen.

Auch einem LKW-Fahrer wurde sein Übergewicht zum Verhängnis. Aufgrund seiner Körpermasse von 190 kg habe er sich bei der Arbeit immer wieder Verletzungen zugezogen. Da der Mitarbeiter auch das Angebot des Arbeitgebers ablehnte, sein Körpergewicht zu reduzieren, war die darauf ausgesprochene Kündigung gerechtfertigt.

Zuletzt traf es einen Mitarbeiter eines Tierparkes bereits nach nur zwei Stunden in seinem neuen Job. Besonders bitter für ihn. Um den Job anzunehmen, zog er mit seiner Familie von Australien 3000 km weit weg nach Tasmanien, um dort einen Job als Parkwächter im Urlaubspark „Big4“ anzutreten. Der Arbeitgeber wies darauf hin, dass der Mitarbeiter aufgrund seines Übergewichts einfachste Tätigkeiten, wie etwa Rasenmähen o. ä. nicht wahrnehmen könne. Wobei ich mich hierbei frage, wie lief denn die Kommunikation im Vorfeld zwischen Australien und Tasmanien ab?

Nun einen Blick zu uns!

Ähnlich Fälle gab es auch bereits in Deutschland. Ich denke da an einen Fall der am Landesarbeitsgericht Düsseldorf verhandelt wurde. Dort ging es um einen etwa 200 kg schweren Landschaftsgärtner, der eine Körpergröße von fast 1,95 m aufwies und damit nicht mehr in der Lage war, eine Vielzahl von Tätigkeiten (z. B. Steuerung eines Kleinlastwagens) auszuüben. Nachdem auch ein Gesundheitsprogramm in einem Adipositas-Zentrum die Pfunde nicht purzeln ließ, kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis fristgerecht. Das Landesarbeitsgericht musste am Ende des Tages keine abschließende Entscheidung treffen, da die Parteien sich vorab im Prozess gütlich einigen konnten.

Rechtliche Einordnung!

Letztlich kommen zwei unterschiedliche rechtliche Kündigungsmöglichkeiten in Betracht.

  1. Kündigt der Arbeitgeber „verhaltensbedingt“, so muss er konkret nachweisen, an welchen Tagen der Arbeitnehmer welche Arbeiten aufgrund seines Übergewichts nicht erbringen konnte. Dies sollte gerichtsfest unter Angabe des Datums und der Uhrzeit protokolliert werden. Vor Ausspruch einer Kündigung bedarf es zudem regelmäßig mindestens einer vorherigen Abmahnung.

  2. Beabsichtigt der Arbeitgeber „krankheitsbedingt“ zu kündigen, muss die Fettleibigkeit des Mitarbeiters eine sogenannte negative Prognose rechtfertigen, dass dieser entweder immer wieder häufig oder sogar auf Dauer krankheitsbedingt ausfallen wird.

Hinweis! Adipositas ist im Übrigen nur dann eine Behinderung im Sinne des § 2 Abs. 1 SGB IX, wenn dauerhaft eine Teilnahme am Berufsleben nicht möglich ist, weil die Mobilität stark eingeschränkt ist oder weitere Krankheitsbilder hinzukommen.


Damit schließe ich den Februarblog und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Boris Hoffmann

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