Der Behördenstammtisch: Warum eigentlich nur Friseure?

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Auch als pensionierter Beamter nehme ich ab und zu noch als Gast an einem Behördenstammtisch teil. Dabei werden neben persönlichen regelmäßig auch aktuelle Themen in einer kunterbunten Runde heiß und durchaus kontrovers diskutiert. Man kann hier einmal so richtig „Dampf ablassen“. Selbstverständlich finden die Treffen derzeit Corona bedingt vor dem Bildschirm und stets außerhalb der Dienstzeit statt.

Liebe Leserin, lieber Leser,

am vergangenen Faschingssonntag lud Amtsrat Berger wieder einmal zu einem Behördenstammtisch ein. Wer wollte saß diesmal mit einem Getränk seiner Wahl vor dem Bildschirm, denn auch bei einer durch Corona bedingten Videokonferenz muss man ja nicht auf ein möglichst häufiges „Zuprosten“ verzichten – nur eben auf das sonst übliche „Anstoßen“. Natürlich spielten bei diesem Stammtisch das Coronavirus und die dazu ergangenen Regelungen eine wichtige Rolle. Nun haben aber auch virtuelle Stammtische den großen Vorteil, dass man so reden kann, soll und darf, „wie einem der Schnabel gewachsen ist“ und man spart deshalb auch nicht mit Kritik, wie der folgende – natürlich satirische – Auszug aus dem „gemütlichen Beisammensein“ sehr anschaulich beweist.

Amtsrat Berger1 warf zu Beginn gleich einmal die Frage auf, warum am 1. März 2021 eigentlich nur die Friseure, nicht aber auch die Gaststätten geöffnet werden dürften, die ja ebenfalls ein hervorragendes Hygienekonzept nachweisen könnten und deren Wiedereröffnung für viele doch wesentlich wichtiger wären.

Worauf ihm der pensionierte Hausmeister Pframminger antwortete, die Friseure seien deshalb besonders wichtig, weil sich dort die „alten Weiber“ („Originalton Pf.“) immer zum Gedankenaustausch treffen, die ja bekanntlich eh nie eine Gaststätte besuchen würden.

Verwaltungsoberinspektor Grasschneider ergänzte dies und verwies auf den Bayer. Ministerpräsidenten, der ja bekanntlich die Meinung vertritt, das Recht auf eine anständige Frisur und eine entsprechende Haarfarbe sei einfach eine unverzichtbare „Frage der Würde“ und deshalb wichtiger als andere Handwerksbetriebe.

Worauf ihm Pframminger entgegnete, was denn dann mit der Würde seiner Frau sei. Die müsse mit fünf Zentimeter langen Fußnägeln rumlaufen, weil sie sich wegen ihres Ischias nicht mehr bücken, aber auch nicht mehr zur Fußpflege gehen könne. Ihr „Nagelstudio“ sei seit einer geschätzten Ewigkeit geschlossen und dürfe – anders als ein Friseur – jetzt auch noch nicht öffnen. Er würde sich jedenfalls weigern, diese Sklavenarbeit zu übernehmen.

Verwaltungssekretär Huber meinte, Bundeskanzlerin Merkel habe trotz des bedauerlichen Todes ihres Haus und Hof Stylisten Udo Walz in den vergangenen Wochen immer haarmäßig „frisch aufpoliert“ ausgesehen, aber da sei wohl ein anderer Haarkünstler zu ihr nach Hause gekommen. Da verstehe er nun einmal nicht, warum nicht auch seine Schwägerin zu ihm kommen dürfe, um seine mittlerweile wallende Mähne zu zähmen.

Oberregierungsrat Brandl, der erst kürzlich im Wege der modularen Qualifizierung und damit de facto im zweiten Bildungsweg in sein hohes Amt ernannt worden war, wies darauf hin, dass Hausbesuche von Friseuren per Verordnung streng untersagt gewesen seien und Politiker würden sich doch wohl stets an das Gesetz halten.

Seine Äußerung gab Anlass für ein allgemeines Gemurmel, das aber von Pframminger mit einem für alle erlösenden „Prost“ beendet wurde.

Huber entgegnete Brandl, wie sich Politiker an die eigenen Regeln halten würden, das zeige doch etwa ein Vorfall, der sich vor Weihnachten in der Kantine des Bayer. Landtags zugetragen habe. Da trafen sich nachweislich die CSU-Minister Bernd Sibler (Wissenschaft) und Kerstin Schreyer (Bau) sowie die Abgeordneten Petra Loibl, Andreas Jäckel und Harald Kühn ohne die bestehenden Abstandsregeln nur im Geringsten eingehalten zu haben in der Kantine des Parlaments um sich dort aufs heftigste zu verlustieren. Es gäbe eben überhaupt keine Maßnahmen, bei welchen Politiker mit gutem Beispiel vorangingen.

Verwaltungssekretärin Gruberl gab ihm recht und erinnerte daran, dass Politiker stets nur darauf bedacht seien, möglichst oft in der Presse zu erscheinen und sich nur allzu gerne mit ihren guten Ideen und ihrer angeblichen Vorbildfunktion in Verbindung bringen lassen würden. „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg´ halt dann den ander´n zu!“ – sei wohl der Wahlspruch aller stets nur aufs eigene Wohl bedachten Politiker und das gelte sowohl auf Bundes- als auch auf Landes- und Kommunalebene. Hauptsache ist und bleibt für sie nun einmal die Wiederwahl!

Brandl gab zwar zu, dass es unverständlich sein könnte, warum nur Friseure und nicht auch andere Handwerksbetriebe öffnen dürften, aber schließlich habe man einen Ethikrat und dieser habe sicher gute Gründe, welche die Entscheidung der Politik tragen würden.

Dies gab erneut Anlass für ein allgemeines Gemurmel, das diesmal von Berger mit einem sehr willkommenen „Prost“ endete. 

Hauptwachtmeister Schmidmeier meinte erbost, was ein solches Gremium wert sei, das könne man ja am Beispiel des erst kürzlich aus dem bayerischen Ethikrat geschassten Prof. Christoph Lütge bestens feststellen: „Wer nicht spurt, wie unser neuer Möchtegern Franz Josef Strauß will, der fliegt!“

Gruberl entgegnete, man könne doch dem amtierenden Bayer. Ministerpräsidenten, den sie sehr verehre, nicht zum Vorwurf machen, dass er Entscheidungen treffe, die vielleicht für den einen oder anderen schmerzhaft seien, aber letztendlich doch dem Wohle der Allgemeinheit entsprechen würden.

Schmidmeier fragte daraufhin Gruberl, welche Entscheidungen sie denn meine. Die „15- Kilometer Regelung“ könne es nicht sein, denn die sei mittlerweile gerichtlich aufgehoben worden. Die erste Testpflicht für österreichische Pendler nach Bayern habe der Bayer. Verwaltungsgerichtshof schon am 24.11.2020 für null und nichtig erklärt und die erneute Anordnung verstoße trotz der in Tirol aufgetretenen Mutationen nach den übereinstimmenden Aussagen gleich mehrerer Juristen eindeutig gegen geltendes Europarecht.

Pframminger ergänzte, dass es sich der Bayer. Ministerpräsident wohl endgültig mit den Tirolern verscherzt habe. Wie gefährlich das für die Bayern werden könnte, das hätte man nicht nur durch den Freiheitskämpfer Andreas Hofer leidlich erfahren, sondern schon früher beim Kurfürst Max Emanuel, der genauso vernichtend von diesem widerstandsfähigen Bergvolk an der Pontlatzer Brücke besiegt worden sei, wie der spätere bayerische König Max I. Und auf den von den Österreichern niedergeschlagenen Sendlinger Bauernaufstand wolle er erst gar nicht weiter eingehen.

Berger erinnerte daran, dass Tirol schließlich den Brenner kontrolliere und da könne die Einreisesperre für die österreichischen Pendler einmal zu einem gewaltigen Rückschlag Anlass bieten. Außerdem seien erwiesenermaßen dieselben Mutationen wie in Tirol in noch viel größerem Maße in Frankreich an der unmittelbaren Grenze zu Deutschland aufgetreten und kein einziger Politiker würde hier auch nur im Entferntesten daran denken, die Franzosen ähnlichen Schikanen auszusetzen, wie die Tiroler.

Brandl war der Meinung, eine „Revanche“ der Tiroler sei äußerst unwahrscheinlich, da auch Österreich der EU angehöre und sich an deren Regeln halten müsse.

Worauf ihm Schmidmeier entgegnete, dass die Ursula von der Leyen schon als Verteidigungsministerin ihre noch nicht einmal im Ansatz vorhandene Führungsfähigkeit dadurch bewiesen habe, dass sie laut Rechnungshof jährlich 150 Millionen Euro für sogenannte „Berater“ in den Sand gesetzt habe und wer wisse schon, in welchem Verhältnis sie zu diesen Beratern gestanden habe.

Auch Huber schlug in diese Bresche und sagte, seit sie von Merkels Gnaden Präsidentin der EU Kommission wurde, sei alles nur noch viel schlimmer geworden. Man schaue doch nur mal, wie die Vergabe der Impfstoffe erfolge. In Deutschland würden diese Impfstoffe hergestellt, aber dann zur „gerechten“ Verteilung an die EU versandt, wobei Deutschland stets an letzter Stelle stehe. „So dumm muss man erst einmal sein!!!!!“ („Originalton H.“).

Pframminger wies auf die Tatsache hin, dass Großbritannien mittlerweile so viel seiner Einwohner hat impfen lassen, dass ganz Österreich mittlerweile sogar zweimal hätte geimpft werden können. Man brauche sich also nach dem „Brexit““ demnächst über einen „Auxit“ erst gar nicht zu wundern!

Huber erinnerte jetzt an den größten „Reinfall“ der Politik in Zusammenhang mit der Pandemie, welcher seiner Meinung nach die „Corona App“ gewesen sei.  Die habe dem deutschen Steuerzahler laut Zeitungsberichten 69 Millionen gekostet und nichts, aber auch gar nichts gebracht!

Worauf wiederum Pframminger das Argument brachte, das sei ja gar nicht so schlimm, wenn man bedenke, dass der „Promotionsschwindler“ Andreas Scheuer mit seinen Mautplänen 500 Millionen Euro in den Sand gesetzt habe, trotzdem immer noch den Minister spielen dürfe und keinerlei Verantwortung dafür übernehme – weder finanziell noch politisch.

Berger meinte nun abschließend, die Entscheidung für eine Verpflichtung zum „Home- Office“ für Beamte sei genauso bedenklich wie viele andere der getroffenen Maßnahmen. Zudem sei er jetzt den Anordnungen seiner Frau täglich 24 Stunden lang bedingungslos ausgeliefert. Da freue es ihn doch, dass nun die Friseure am 1. März wieder öffnen dürfen, denn seine Gattin werde gleich am ersten Tag um einen Termin nachsuchen und er habe dann wenigsten für ein paar Stunden seine Ruhe.

Huber meinte daraufhin, er wolle Bergers Freude zwar nicht dämpfen, aber der 1.3.2021, an dem die Friseurbetriebe wieder öffnen könnten, sei ein Montag und montags hätten alle Friseure bekanntlich immer geschlossen…………….

Nun sind Beamte halt auch nur Menschen, die ab und zu Luft und Ärger ablassen müssen und dabei ist es von Vorteil, dass an einem Stammtisch schon traditionell keine Unterschiede nach Statusämtern und Besoldungsgruppen bestehen. Bekanntlich gibt hier in nicht ganz seltenen Fällen die Stimmgewalt des einzelnen Protagonisten den Ausschlag und nicht die Kraft der Argumente. Deshalb, eignet sich auch ein „Online-Stammtisch“ nach übereinstimmender Meinung aller Teilnehmer nur recht bedingt für einen solchen Meinungsaustausch und man freute sich schon auf das nächste Treffen, das dann hoffentlich nach der überfälligen Lockerung wieder „beim Wirt“ stattfinden wird.

Das ist es, was ich diesmal von diesem Behördenstammtisch in Corona-Zeiten berichten will und man hätte sicher noch lange weiterdiskutieren können, wenn man nicht am nun folgenden Montag wieder seinem gewohnten und unterbezahlten Dienst im „Home-Office“ oder in der Behörde nachgehen hätte müssen.

Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger

 

 

Lesen Sie dazu auch die Beiträge mit dem Titel:



1 Da es sich natürlich um einen satirischen Beitrag handelt, der allerdings auf wahren Aussagen beruht, wurden die Namen der Protagonisten selbstverständlich geändert.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 23.02.2021 um 18:11:
Österreich hat es ja auch bei der PKW Maut vorgemacht, wie einfach und europarechtskonform dieses Problem gelöst werden kann. Man sollte auch von kleinen Nachbarn lernen!
kommentiert am 22.02.2021 um 16:24:
Herrliche Satire!
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