Der Weihnachtsbaum und das deutsche Steuerrecht

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Womit sich die Beamten der Steuerverwaltung auch an Weihnachten herumschlagen müssen, zeigt sich in besonders eindrucksvoller Weise bei dem zu dieser Zeit üblichen Kauf eines Tannenbaumes. Man möchte es kaum glauben, aber es gibt hier gravierende steuerrechtliche Probleme.1

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


das Christkind beschert auch dem Staat an Weihnachten Geschenke, denn ganz ohne festliche Stimmung kassiert der Staat auch bei jedem Kauf eines Weihnachtsbaumes durch die fällige Umsatzsteuer kräftig mit. Allerdings gibt es hierbei große Unterschiede, die so wohl nur im deutschen Steuerrecht existieren können:


1. Beim Kauf eines Weihnachtsbaumes im Baumarkt fallen 7 Prozent Mehrwertsteuer an. In Einzelfällen ist das Schreiben zum „Ermäßigten Steuersatz für die in der Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes bezeichneten Gegenstände“ einschlägig. Was darunter fällt, ist klar dargestellt:


„Weihnachtsbäume, geschnitten oder mit Wurzeln, soweit sie zur Wiedereinpflanzung nicht geeignet sind (lebende Bäume mit Ballen, die zur Wiedereinpflanzung geeignet sind, sind nach Nr. 7 der Anlage 2 begünstigt (vergleiche Textziffer 38), frisches Tannengrün sowie Gebinde aus Tannengrün und frischem Blattwerk, blatttragende Zweige des Lorbeerbaumes oder frische Zapfen von Nadelbäumen.“



2. Kaufen Sie, liebe Leser, Ihren Weihnachtsbaum dagegen unmittelbar beim Hersteller (Landwirt), so gilt Folgendes: Bei Landwirten wird ein spezieller Steuersatz erhoben. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die zugekauften Waren und Leistungen im Durchschnitt genauso viel Vorsteuer enthalten, wie der Betrieb Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt hat. Dies hat zur Folge, dass der land- oder forstwirtschaftliche Betrieb im Grunde keine Umsatzsteuer zahlen muss. Wenn ein Landwirt allerdings Vorsteuer aufgrund von Investitionen abführte, zahlt man insofern die üblichen 7 Prozent auf die Mehrwertsteuer. Denkbar ist aber auch noch eine andere steuerrechtliche Besonderheit: Es fällt eine Umsatzsteuer von 10,7 Prozent an, wenn der Baum in einer Sonderkultur großgezogen wurde. Wurde der Baum dagegen im Wald geschlagen, so zahlt man den Steuersatz für forstwirtschaftliche Erzeugnisse von 5,5 Prozent.


Faustformel für Landwirte: Hat der Landwirt den Baum im Wald geschlagen, wo er wild und frei aufgewachsen ist, zahlt der den pauschalen Satz von 5,5 Prozent. Hat er den Baum dagegen in einer Großkultur gezüchtet, beträgt der Steuersatz 10,7 Prozent. Der Landwirt kann unter Umständen auch auf die Pauschalisierung verzichten, dann zahlt er die normalen 7 Prozent. Und wenn er weniger als 140 Bäume im Jahr verkauft oder einen Umsatz von weniger als 17.500 Euro erzielt, kann er sich von der Mehrwertsteuer sogar komplett befreien lassen.



3. Kauft man dagegen einen bereits geschmückten Baum – egal ob im Baumarkt oder bei einem Händler (auch Landwirt), so fällt wiederum ein Umsatzsteuersatz von 19 Prozent an.



4. Keine Mehrwertsteuer fällt dagegen an, wenn Sie


a)    den Baum von einem privaten Gärtner kaufen oder


b)    Ihren Baum selbst im Wald fällen. Hier droht aber eine Strafanzeige oder im noch ungünstigeren Fall, wenn Sie vom Holzbauern oder seinen Mitarbeitern ertappt werden, vielleicht sogar auch ein „körperliches Übel“!

 

Übrigens:

Die anzuwendenden Steuersätze gelten auch für den Kauf von Weihnachtsbäumen aus dienstlichen Zwecken.


Lesen Sie dazu den Beitrag:

Frohe Weihnachten mit dem Dienstweihnachtsbaum!

Frohe Weihnachten und ein gesundes und glückliches Neues Jahr 2019 wünscht Ihnen

 

Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger




1 Grundlage der diesjährigen Weihnachtsgeschichte sind mehrere Veröffentlichungen im Internet. Diese finden sich beispielsweise unter folgenden Adressen

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ganz-unromantisch-der-weihnachtsbaum-aus-sicht-des-finanzamts-13339479.html;

https://www.stern.de/wirtschaft/news/weihnachtsbaeume-kaufen--finanzamt-kennt-vier-verschiedene-steuersaetze-7225508.html

 


 

Lesen Sie dazu auch noch die vorweihnachtlichen Beiträge:

 

Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint am 7.1.2019.

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1 Kommentar zu diesem Beitrag
kommentiert am 17.12.2018 um 08:48:
Typisch deutsch!!!! Frohe Weihnachten!
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