Gründe für den eklatanten Schulleitermangel

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Es fehlen nicht nur Lehrer (siehe dazu den Beitrag: Lehrer müssen künftig in Bayern mehr leisten), an über 1.000 deutschen Schulen sind die Dienstposten der Schulleitung nicht besetzt. Betroffen sind zwar vor allem Grundschulen, aber auch an anderen schulischen Bildungseinrichtungen mangelt es an Führungspersonal.1

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Entwicklung wurde von den zuständigen Landesministerien offensichtlich nicht vorhergesehen. Wenn an mehr als 1.000 deutschen Schulen die Leitung fehlt, fragt sich der „normal denkende Durchschnittsbürger“ natürlich nach den dafür maßgeblichen Gründen. Die Antwort darauf ist vielschichtig und kann nur empirisch wiedergegeben werden:


1. Persönlicher Stress durch die Fülle von Aufgaben

Dem Schulleiter obliegen – im Gegensatz zum „normalen“ Lehrkörper – eine Vielzahl von speziellen Aufgaben wie etwa:

  • Vertretung der Schule gegenüber Dritten (Presse, Eltern, Kommunalpolitik etc.)
  • alleinige Verantwortung für den ordnungsgemäßen Dienstbetrieb, etwa durch die Gestaltung von Stundenplänen oder den Einsatz der zur Verfügung stehenden Lehrkräfte im Lehrbetrieb und darüber hinaus (siehe dazu den Beitrag: Ungeliebte Pausenaufsicht)
  • Einberufung und Abhaltung von Konferenzen
  • Überwachung der Schulpflicht
  • Überwachung und Stellungnahmen zum Haushalt
  • Ausübung des Hausrechts
  • Aufgaben und Befugnisse als Vorgesetzter und/oder Dienstvorgesetzter der Lehrkräfte
  • Ansprachen bei Veranstaltungen etc.


Die Aufgaben von Schulleitern sind jedenfalls in den vergangen Jahren wesentlich umfangreicher geworden, wenn man nur an Ganztagsschulen und die notwendige Integration von ausländischen Kindern, sowie an die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten bei der Inklusion und der Sprachförderung denkt. Zieht man dazu noch in Betracht, dass viele Schulleiter auch noch im Unterrichtsbetrieb tätig sein müssen, dann stellt sich so mancher für eine Führungsposition geeignete Beamte die Frage, ob er diesen Anforderungen überhaupt gerecht werden kann.


2. Zu geringe Besoldung

Wenn man die Besoldung einer „normalen“ Lehrkraft mit derjenigen des jeweiligen Schulleiters vergleicht, so wird man in allen Ländern gerade im Grundschulbereich feststellen, dass die Unterschiede nicht so erheblich sind, dass die höhere Besoldung einen wirklichen Anreiz für die Übernahme der oben beschriebenen Tätigkeiten bietet.


3. Es gibt auch einen Leben vor der Pensionierung

Während der „normale“ Lehrer am Vormittag Unterricht hält und am Nachmittag seine weiteren Tätigkeiten in der Regel zuhause vorbereitet (Zusammenstellung von Unterrichtsmaterial, Korrektur von Schulaufgaben etc.), dies aber bei schönem Wetter auch am Abend oder in der Nacht erledigen kann, ist der Schulleiter gehalten, seine oben beschriebenen Leitungsaufgaben während der normalen Bürozeiten zu erledigen. So mancher durchaus geeignete Lehrer wird sich die Frage stellen, ob die Übernahme dieser Aufgaben die Einbuße an Freizeit, an Familienleben usw. wert ist.


4. Planungsfehler der zuständigen Landesministerien

Wohl niemand auf der politischen Bühne wird bestreiten können, dass bei der personellen Planung erhebliche Fehler bestanden haben bzw. immer noch bestehen. Solche Planungsfehler scheinen sich gerade im Schulbereich in besonders hohem Maße zu wiederholen. Dazu sei etwa nur an das in Bayern von der ehemaligen Ministerin und Straußtochter Hohlmeier propagierte und auch letztlich eingeführte  „8-jährige Gymnasium“ erinnert, unter dem Schüler, Lehrer, Eltern, vor allem aber auch an die Schulleiter bis zur Wiederabschaffung erheblich zu leiden hatten.

Man wird jedenfalls nicht von der Hand weisen können, dass der eklatante Missstand bei den Schulleitern vorhersehbar war, wie zahlreiche Berichte aus früheren Jahren zeigen.2 Und das gilt auch für Bayern. Nur weniger als ein Prozent der Leiterstellen sollen hier zwar unbesetzt sein, die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat jedoch unwidersprochen festgestellt, dass der bundesweite Mangel im Freistaat Bayern einfach besser kaschiert wird. Rektoren von Grund- und Mittelschulen würden hier oft nicht nur ihre eigene, sondern zugleich noch eine zweite oder dritte Schule leiten müssen.3

Die vorstehende Aufzählung der Ursachen erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sie zeigt aber deutlich, wer letztendlich wieder einmal für den Schulleitermangel verantwortlich aber auch gefordert ist: Die Schulpolitik ist gehalten, endlich die erforderliche Abhilfe zu schaffen, denn es ist bereits 5 nach 12!


Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger


3 https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/klassenzimmer/back-to-school-an-deutschen-grundschulen-fehlen-schulleiter-16327428.html



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