Pest oder Cholera: Wen soll ich am Sonntag wählen?

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Am 26. September 2021 findet die diesmal mit ganz besonderer Spannung erwartete Wahl zum 20. Bundestag statt. Die ca. fünf Millionen Angehörigen des öffentlichen Dienstes stellen dabei ein nicht ganz unwesentliches Wählerpotential dar.

Liebe Leserin, lieber Leser,

nur selten war der Ausgang einer Bundestagswahl so offen und deshalb so interessant, wie in diesem Jahr. So wie sich die Parteien (aber auch ihre Spitzenkandidaten) in den letzten Monaten präsentiert haben, stellten sich am Behördenstammtisch eine Woche vor der Wahl doch einige wichtige Fragen:

Amtsrat Maier begann wie immer die Diskussion: „Jetzt habe ich jahrzehntelang als braver Bayer dasselbe gewählt, aber mir stellt sich diesmal ein Problem: Kann ich denn immer noch eine Partei unterstützen, die als Landesminister oder stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Personen berufen hat, die sich sogar während der Pandemie mit Maskengeschäften gewissenlos selbst bereichert haben?“

Verwaltungssekretär Huber griff das auf: „Wobei das alles jetzt vor der Wahl natürlich völlig unter den Tisch gekehrt wird!“

Regierungsoberinspektor Loibl meinte ergänzen zu müssen: „Soll denn jemand Kanzler werden, dem als Ministerpräsident schon bei der Bekämpfung der Flutkatastrophe im eigenen Land ein Versagen vorgeworfen wurde?“

Regierungsoberinspektorin Gruber führte aus, die Beteiligung der „Freien Wähler“ in Bayern an der Bundestagswahl habe nur das eine Ziel, nämlich der bisher stärksten politischen Gruppierung Stimmen abzunehmen und ihr damit zu schaden.

Huber erklärte jetzt, er hätte als ein früher überzeugter Wähler der derzeit zweiten Regierungspartei ein ähnliches Problem, denn er wolle keine Partei in der Regierungsverantwortung sehen, die in einem offiziellen Werbespot russische Schachtelpuppen mit den Gesichtern von politischen Konkurrenten bei der Bundestagswahl zeige.

Maier ergänzte, Huber wolle sicher auch keinen Kanzler, der sich innerhalb seiner Partei um den Vorsitz beworben hat und dem selbst die eigenen Delegierten dabei das Vertrauen entzogen und an die Spitze zwei absolute „Nonames“ berufen haben.

Loibl vertrat hierzu noch die Auffassung, dass es wohl nicht angehe, einen Finanzminister zum Kanzler zu machen, der vor allem beim „Wirecard – Skandal“ die volle Verantwortung für einen Schaden von ca. drei Milliarden Euro trage und dessen Ministerium erst kürzlich von der Kriminalpolizei durchsucht wurde.

Der leitende Regierungsdirektor König warf ein, er jedenfalls könne keine sogenannte und wohl nur selbst ernannte grüne Umweltpartei wählen, die den Preis für Benzin künftig ins schier uferlose anheben will und die Wasser predigen und selbst Wein trinken würde: „Die Kanzlerkandidatin kutschiert seit Monaten in dicken Limousinen durch das Land, die jede Menge Dreck in die Luft ihrer potentiellen Wähler blasen“ und von uns verlangt sie Klimaschutz“.

Gruber war hierzu der Auffassung, die permanente Forderung nach Elektroautos aller Parteien würde für den Klimaschutz rein gar nichts bringen, solange Russland und vor allem China hunderte von Kohlekraftwerken betreiben und sogar neu errichten würden und Schiffe auch künftig mit Schweröl fahren dürften.

Hausmeister Pframminger ergänzte dies: „An die Kinder, die bei der Kobaltgewinnung eingesetzt werden, denkt von den Deppen in den Parlamenten (er drückt sich ab und zu etwas zu „hart“ aus) niemand. Und was ist mit der Entsorgung der Batterien? Die CO2 Abgabe nützt doch nur unseren sowieso viel zu vielen, völlig überbezahlten deutschen Politikern etwas, aber doch nicht uns oder dem Weltklima!“

Loibl stimmte dem (mit Ausnahme der Wortwahl) zu und vertrat die Ansicht, man könne doch keine Kanzlerkandidatin unterstützen, die bereits mit ihren „wissenschaftlichen“ Arbeiten nachweislich mehrfach betrogen habe.

König führte jetzt aus, man könne vor allem nicht dazu beitragen, dass eine Bundestagsvizepräsidentin dieser selbsternannten Umweltpartei im Amt bestätigt werde, deren zahllose Auftritte in Talkshows beinahe schon mit Regelmäßigkeit an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten seien, die nicht einmal unsere eigene Verfassung kenne und ihre Unkenntnis auch noch vehement vor der Kamera verteidige.

Oberregierungsrat Schulze sprach ein weiteres Problem an: „Kann ich meine Stimme heuer wieder einer Partei geben, der es vor vier Jahren bereits einmal abgelehnt hat, Regierungsverantwortung zu übernehmen?“ Er erntete große Zustimmung.

Gruber warf nun ein, dass vor allem eine Partei nicht wählbar sei, bei der eine ganze Reihe ihrer Mitglieder durch hetzerische rechtsradikale Äußerungen bei NPD – Versammlungen in Erscheinung getreten sei und die mit mehreren Störaktionen bei Bundestagsdebatten immer wieder ihre wenig demokratische Überzeugung zum Ausdruck gebracht hätte.

König entgegnete, man dürfe auf der anderen Seite der Parteienlandschaft wohl reinen Gewissens auch keiner linken Gruppierung die Stimme geben, deren Vorsitzende noch nicht einmal wusste, dass die Bundeswehr jahrelang einen Auslandseinsatz in Afghanistan absolvierte und die auch sonst nicht mit irgendwelchen besonderen Kenntnissen in Erscheinung trete?

Pframminger fasste das Stammtischgespräch abschließend wie folgt zusammen:

„Wen soll ich also jetzt überhaupt noch wählen: Pest oder Cholera?“


Nur wenige Wähler werden sich vor ihrer Stimmabgabe mit den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien auseinandersetzen. Dabei könnte man gerade als Angehöriger des öffentlichen Dienstes die eine oder andere Aussage als wichtig oder zumindest interessant und hilfreich für die eigene Stimmabgabe einstufen.

Um Ihnen die Suche zu erleichtern, möchte ich Sie kurz auf die Übersicht in den folgenden Internetseiten hinweisen:

https://oeffentlicher-dienst-news.de/bundestagswahl-2021-oeffentlicher-dienst-wahlprogramme/

https://www.dgb.de/themen/++co++eaf139b2-2050-11e3-9e30-00188b4dc422

Dabei werden allerdings die Wahlprogramme der Parteien nicht umfassend wiedergegeben. Es lohnt sich also – bei Interesse – weiter zu forschen.

Allerdings sollte man sich gerade bei Programmen und Versprechungen an die negativen Erfahrungen bei den zurückliegenden Wahlen und an einen Ausspruch des früheren, hochgeschätzten Bundeskanzlers Konrad Adenauer erinnern:

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!“

Und schon Otto von Bismark sagte bekanntlich:

 „Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd….“

Gerade für den öffentlichen Dienst existiert hierzu ein eklatantes Beispiel, an das sich die etwas älteren Beamten des Freistaates Bayern sicher noch erinnern werden: den „Stoiber – Nachmittag“.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte noch am Samstag vor seiner siegreichen Wahl in einem Interview hoch und heilig versprochen, dass die damalige Arbeitszeit von 38,5 Stunden im öffentlichen Dienst unter seiner Ägide nicht angehoben werde. Bereits am Montag nach seinem Wahlsieg war das aber bereits „Schnee von gestern“. Beamte wurden durch die bayerische Arbeitszeitverordnung zunächst zu einer Dienstzeit von 40 Wochenstunden und im Weiteren sogar zu 42 Stunden „verdonnert“....

Der Name „Stoiber – Nachmittag“ bezog sich auf den Freitagnachmittag, weil hier die Angestellten der Behörde ihr Wochenende bereits mittags angetreten und sich bei den immer noch dienstleistenden Beamten besonders „freundlich“ verabschiedet hatten: „Sehen wir uns abends dann im Biergarten? Ich geh` jetzt aber vorher noch zum Schwimmen!“

Der Wähler wird sich auch diesmal nur sehr bedingt auf die Wahlversprechen oder Wahlprogramme der einzelnen Parteien verlassen können.

Fazit:
Will man seine demokratische Verpflichtung zur Stimmabgabe erfüllen, so bleibt nicht nur den Angehörigen des öffentlichen Dienstes wieder einmal wohl nichts anderes übrig, als sich für das ihrer Meinung nach „geringste Übel“ zu entscheiden….


Ihr

Dr. Maximilian Baßlsperger


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4 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 27.09.2021 um 17:48:
Und wie Sie recht hatten: Lindner vor der Wahl: "Niemals mit den Grünen!" Lindner noch am Wahlabend: "Zuerst reden wir mit den Grünen!" Hauptsache man wurde gewählt!!!!
kommentiert am 21.09.2021 um 20:14:
Wenn schon von der politischen Verantwortung von Scholz die Rede ist, dann doch auch vom Mautversagen des Herrn Scheuer und Kollegen!
kommentiert am 20.09.2021 um 11:15:
Eine sehr "mutige" Darstellung, die den Nagel genau auf dem Kopf trifft und keine Partei auslässt, die sich Chancen mit dem Einzug in den Bundestag rechnen kann!
kommentiert am 20.09.2021 um 07:17:
Baerbock ist mit dem Wahlkampfbus der Grünen und nicht mit Limousinen gereist! Allerdings war das auch ein Dieselfahrzeug...
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