Teil K Ergänzende arbeitsrechtliche Erläuterungen K 2 Beendigung des Arbeitsverhältnisses; Kündigung und Kündigungsschutz Erläuterungen 5 Verhaltensbedingte Kündigung

5.5Verhaltensbedingte KündigungInteressenabwägungInteressenabwägung

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Auch bei einer verhaltensbedingten Kündigung ist stets eine umfassende Interessenabwägung erforderlich (BAG vom 13.12.2007 – 2 AZR 818/06 – NZA 2008, 589; vom 12.1.2006 – 2 AZR 179/05 – ZTR 2006, 559; vom 24.6.2004 – 2 AZR 63/03 – ZTR 2005, 273). An die Interessenabwägung sind jedoch weniger strenge Maßstäbe anzulegen als bei einer personenbedingten Kündigung. Denn der Arbeitnehmer hat es selbst in der Hand, durch vertragstreues Verhalten dem Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund zu liefern.

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Aufseiten des Arbeitgebers können insb. berücksichtigt werden: Arbeits- und Betriebsdisziplin, Eintritt eines Vermögensschadens, Wiederholungsgefahr, Schädigung des Ansehens in der Öffentlichkeit, Häufigkeit von Warnungen und Abmahnungen, Häufigkeit von Betriebsablaufstörungen, konkrete negative Auswirkungen im Bereich des Arbeitgebers oder des betrieblichen Geschehens (BAG vom 24.6.2004 – a.a.O.), Schutz der übrigen Beschäftigten (dem Arbeitgeber obliegt nicht nur eine Fürsorgepflicht gegenüber dem zu kündigenden Arbeitnehmer, sondern auch gegenüber dessen Kollegen, vgl. LAG Schleswig-Holstein vom 28.11.2006 – 5 Sa 271/06 – NZA-RR 2007, 129).

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Aufseiten des Arbeitnehmers sind von Bedeutung: Art, Schwere und Häufigkeit der vorgeworfenen Pflichtwidrigkeiten, früheres Verhalten, Mitverschulden des Arbeitgebers bzw. dessen Vertreters, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Umfang der Unterhaltsverpflichtungen, Schwerbehinderteneigenschaft, Lage auf dem Arbeitsmarkt.