Behebung und Verfolgung von Lebensmittelverstößen Inhalt der Kapitel 1–18 1 Unionsrecht, Grundlagen der Rechtsanwendung und aktuelle Entwicklungen

1.1Unionsrechtliche Rahmenbedingungen, Grundlagen und Aktuelles

Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) und der Vertrag über die Europäische Union (EU-Vertrag) bilden die Verträge, auf die sich die Union gründet.1 Die Verträge werden auch als Primärrecht bezeichnet. Nach dem Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung darf die EU nur Normen erlassen, wenn das Primärrecht dazu ermächtigt.2 Bei ausschließlicher Zuständigkeit der Union nach den Verträgen können Mitgliedstaaten nur kraft unionsrechtlicher Ermächtigungen tätig werden oder um Rechtsakte der Union durchzuführen.3 Sofern bei geteilten Zuständigkeiten die Union gesetzgeberisch tätig wird, folgt eine entsprechende Sperrwirkung gegenüber mitgliedstaatlichen Regelungen.4

1

Art. 1 Abs. 2 AEUV.

2

Art. 5 Abs. 1 EU-Vertrag.

3

Art. 3 Abs. 1 und 2 Abs. 1 AEUV.

4

Art. 4 und 2 Abs. 2 Satz 2 AEUV.

5

Vgl. auch Erwägungsgründe 43 und 56 in der EU-KontrollV 2017.

6

Urteil EuGH vom 10.10.1973 – 34/73.

7

Vgl. z. B. § 24 VwVfG im Verwaltungsverfahren, § 86 VwGO bzgl. der Verwaltungsgerichte in den Hauptsacheverfahren und strafprozessual §§ 160 Abs. 2, 163 StPO und § 244 StPO.

8

Zur Anwendbarkeit von Blankettsanktionsnormen und § 3 LMHV als Sanktionsnorm für das EU-Hygienepaket vgl. auch Zeitschrift für das gesamte Lebensmittelrecht – ZLR 3/2021, Ludwig, S. 416 ff.

9

Zur Anwendbarkeit von § 3 LMHV als Sanktionsnorm im Rahmen von § 40 Abs. 1 LFGB siehe beispielsweise auch Beschluss des OVG Münster vom 3.3.2020 – 13 B 1544/19, Beschluss VGH München vom 28.11.2019 – 20 CE 19.1995 und Beschluss VG Frankfurt/Main vom 4.9.2020 – 5L 2067/20.F, Rn. 20.

10

Urteil BGH vom 20.3.1956 – LMRR 1956, 17.

11

Beschluss VGH Mannheim vom 21.5.2019 – 9S 584/19.

12

Siehe Zipfel/Rathke, Lebensmittelrecht, C 101, Art. 14 Verordnung (EG) Nr. 178/2002, Rn. 66–69 und Meyer/Streinz/Meyer, BasisVO Art. 14 Rn. 37–47.

13

Vgl. ausführlich in ZLR, 2020, Ludwig, S. 715, mit Bezugnahme insbesondere auf Beschluss VG Stuttgart vom 23.9.2019 – 16 K 2470/19 und im selben Verfahren Beschluss VGH Mannheim vom 12.2.2020 – 9 S 2637/19; in anderen Verfahren Beschlüsse VG Stuttgart vom 3.8.2020 – 16 K 3196/20, 16 K 3087/20 und 3088/20; ebenso Beschluss VG Freiburg vom 30.4.2019 – 4 K 168/19 – und Beschluss VG Stuttgart vom 20.1.2020 – 16 K 8337/19); andere Auffassung z. B. gemäß Beschluss VG Ansbach vom 18.11.2021 – AN 14E 21.581.