C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z F Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 2. Sonderfälle, in denen ein Fahrtkostenersatz ohne Rücksicht auf das benutzte Verkehrsmittel steuerfrei ist

d) Arbeitnehmer mit Einsatzwechseltätigkeit
Seit dem 1.1.2014 liegt eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb seiner Wohnung und nicht an seiner ersten Tätigkeitsstätte beruflich tätig wird. Eine Auswärtstätigkeit liegt auch vor, wenn ein Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte bei seiner individuellen beruflichen Tätigkeit typischerweise nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten tätig wird (= Einsatzwechseltätigkeit).
Eine erste Tätigkeitsstätte kann aber auch in den Fällen vorliegen, in denen der Arbeitnehmer statt beim eigenen Arbeitgeber in einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung eines verbundenen Unternehmens (§ 15 AktG) oder eines Dritten (z. B. eines Kunden) tätig werden soll. Allerdings ist eine erste Tätigkeitsstätte nur gegeben, wenn der Arbeitnehmer nach der arbeitsrechtlichen Festlegung des Arbeitgebers einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung dauerhaft (z. B. unbefristet) zugeordnet ist (§ 9 Abs. 4 Satz 1 EStG). Sofern es an einer dauerhaften Zuordnung fehlt, sind die unter dem vorstehenden Buchstaben c angegebenen zeitlichen Kriterien zur Begründung einer ersten Tätigkeitsstätte zu prüfen.
Beispiel A
Leiharbeitnehmer A wird bis auf Weiteres (= unbefristet und somit dauerhaft) beim Entleiher Y eingesetzt. Er ist dort arbeitstäglich tätig.
A hat im Betrieb des Entleihers Y (= Dritter) seine erste Tätigkeitsstätte, da er auch bei einer fehlenden Zuordnung zum Betrieb des Entleihers dort die zeitlichen Kriterien zur Begründung einer ersten Tätigkeitsstätte erfüllt (= arbeitstägliches und dauerhaftes Tätigwerden). Ein etwaiger Arbeitgeberersatz der Pkw-Fahrtkosten von der Wohnung zum Betrieb des Entleihers ist steuerpflichtig, kann aber in Höhe der Entfernungspauschale mit 15 % pauschal besteuert werden und ist in diesem Fall beitragsfrei.[1]
Beispiel B
Bauarbeiter B wird von seinem Arbeitgeber auf unterschiedlichen Baustellen eingesetzt, ohne dort eine erste Tätigkeitsstätte zu begründen. Die Fahrten von seiner Wohnung zu den Baustellen führt er mit dem eigenen Pkw durch.
Ein etwaiger Fahrtkostenersatz des Arbeitgebers ist steuer- und beitragsfrei, da B bei seiner individuellen beruflichen Tätigkeit nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten eingesetzt wird und somit insgesamt eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vorliegt.
Beispiel C
C ist als Gebietsleiterin für 15 Filialen ihres Arbeitgebers zuständig, die sie im Schnitt dreimal wöchentlich aufsucht. Sie ist keiner Filiale zugeordnet und erfüllt auch bei keiner Filiale die zeitlichen Voraussetzungen für eine erste Tätigkeitsstätte. Die Fahrten von der Wohnung zu den einzelnen Filialen führt sie mit ihrem eigenen Pkw durch.
Ein etwaiger Fahrtkostenersatz des Arbeitgebers ist steuer- und beitragsfrei, da C bei ihrer individuellen beruflichen Tätigkeit nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten eingesetzt wird und somit insgesamt eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vorliegt.
Wegen weiterer Einzelheiten vgl. das Stichwort „Einsatzwechseltätigkeit“. Zum Begriff der ersten Tätigkeitsstätte vgl. die ausführlichen Erläuterungen und Beispiele in Anhang 4 „Reisekosten bei Auswärtstätigkeiten“ unter Nr. 3.

1

Beim BFH ist das Verfahren VI R 6/17 anhängig, in dem es um die Rechtsfrage geht, ob die betriebliche Einrichtung des Entleihers erste Tätigkeitsstätte eines Leiharbeitnehmers sein kann, wenn er dieser Tätigkeitsstätte „bis auf Weiteres“ zugeordnet wurde.