C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z F Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 4. Besonderheiten bei der unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung eines Job-Tickets

b) Unentgeltliche oder verbilligte Überlassung eines Job-Tickets
Öffentliche und private Arbeitgeber bieten ihren Arbeitnehmern zunehmend so genannte „Job-Tickets“ für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte an. Hierbei handelt es sich um verbilligte oder sogar unentgeltliche Monats- oder Jahreskarten für öffentliche Nahverkehrsmittel.
Stellte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer bis zum 31.12.2018 für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte Job-Tickets unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung, entstand ein steuer- und beitragspflichtiger geldwerter Vorteil. Der Arbeitnehmer konnte die versteuerten Ersatzleistungen (ggf. sogar die höhere Entfernungspauschale) als Werbungskosten geltend machen. Die auf den geldwerten Vorteil entfallende Lohnsteuer konnte vom Arbeitgeber aber auch mit 15 % pauschaliert werden; hierdurch trat Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung ein. Der pauschal besteuerte Betrag wurde auf die Entfernungspauschale angerechnet.
Seit 1.1.2019 werden Arbeitgeberleistungen (Barzuschüsse und Sachleistungen) für Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet oder zu einem vom Arbeitgeber dauerhaft festgelegten Sammelpunkt steuerfrei gestellt (§ 3 Nr. 15 EStG). Die Fahrten müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr (ohne Luftverkehr) durchgeführt werden; die Steuerbefreiung kommt also u. a. bei Benutzung eines Taxis, Mietwagens oder Pkw (privater Pkw oder Firmenwagen) nicht zur Anwendung. Die Arbeitgeberleistungen müssen zudem zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden mit der Folge, dass eine Gehaltsumwandlung nicht zulässig ist. Die steuerfreien Arbeitgeberleistungen (Barzuschüsse und Sachleistungen) mindern die beim Arbeitnehmer als Werbungskosten zu berücksichtigende Entfernungspauschale (§ 3 Nr. 15 Satz 3 EStG). Sie sind daher vom Arbeitgeber in der Lohnsteuerbescheinigung unter Nr. 17 anzugeben (§ 41b Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 EStG).
Beispiel A
Der Arbeitgeber überlässt dem Arbeitnehmer für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (von Düsseldorf nach Frankfurt) unentgeltlich eine BahnCard 100, 2. Klasse, zum Preis von 4395 €.
Der geldwerte Vorteil ist steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 15 Satz 2 EStG). Der Betrag von 4395 € auf die Entfernungspauschale angerechnet. Vgl. auch das Stichwort „BahnCard“.
Beispiel B
Der Arbeitgeber stellt dem Arbeitnehmer ein monatliches Job-Ticket zur Verfügung. Nach Anrechnung der Zuzahlung des Arbeitnehmers ergibt sich ein geldwerter Vorteil von 40 €.
Der geldwerte Vorteil in Form des Sachbezugs in Höhe von 40 € ist steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 15 Satz 2 EStG). Er wird nicht auf die 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge angerechnet, er mindert jedoch in Höhe von 480 € (12 x 40 €) die Entfernungspauschale.
Beispiel C
Arbeitnehmer A zahlt für sein monatliches Job-Ticket für den Weg zur Arbeit 100 €. Der Arbeitgeber erstattet ihm den Betrag.
Der Barzuschuss des Arbeitgebers ist steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 15 Satz 1 EStG). Der Betrag von 1200 € (12 x 100 €) mindert jedoch die Entfernungspauschale.
Ein geldwerter Vorteil entsteht nicht, wenn der Arbeitgeber das Job-Ticket zu einem ermäßigten Preis an den Arbeitnehmer weiterverkauft, zu dem er das Ticket von einem Nahverkehrsunternehmen im Rahmen eines Sondertarifs erworben hat (z. B. Großkundenrabatt, üblicher Mengenrabatt). Insoweit erfolgt auch keine Anrechnung eines Vorteils auf die Entfernungspauschale.