C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z F Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 4. Besonderheiten bei der unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung eines Job-Tickets

d) Benzingutschein oder Tankkarte neben Job-Ticket
Da der durch die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung eines Job-Tickets entstehende geldwerte Vorteil steuerfrei ist, kommt daneben eine steuerfreie Überlassung von Treibstoff (Benzin, Diesel) durch die Ausstellung eines Benzingutscheins oder die Überlassung einer Tankkarte in Betracht, wenn für diese Vorteile – ohne Berücksichtigung des geldwerten Vorteils für das Job-Ticket – die monatliche 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge eingehalten wird.
Die Frage, ob bei der Ausgabe von Benzingutscheinen oder Tankkarten Barlohn oder ein Sachbezug vorliegt, entscheidet sich nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auf der Grundlage der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen danach, welche Leistung der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber beanspruchen kann. Die Unterscheidung ist also nach der Art des arbeitgeberseitig zugesagten und daher arbeitnehmerseitig zu beanspruchenden Vorteils und nicht durch die Art und Weise der Erfüllung dieses Anspruchs zu treffen. Kann der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber nur eine „Sache“ beanspruchen (= Sachlohn), ist es unerheblich, ob der Arbeitgeber zur Erfüllung dieses Anspruchs selbst tätig wird, oder dem Arbeitnehmer gestattet, auf seine Kosten die Sachen bei einem Dritten zu erwerben. Sachbezüge liegen daher auch dann vor, wenn der Arbeitgeber bei Vorliegen eines Sachlohnanspruchs seine Zahlung an den Arbeitnehmer mit der Auflage verbindet, den empfangenden Geldbetrag nur in einer bestimmten Weise zu verwenden. Dabei ist es lohnsteuerlich unerheblich, wenn der Arbeitnehmer selbst – und nicht der Arbeitgeber – Vertragspartner des die Leistung erbringenden Dritten ist. Der Bundesfinanzhof hat daher bei Vorliegen eines Sachlohnanspruchs das Vorliegen eines Sachbezugs auch dann bejaht, wenn
die Arbeitnehmer mit vom Arbeitgeber ausgestellten Benzingutscheinen bei einer Tankstelle ihrer Wahl z. B. 25 Liter Treibstoff tanken dürfen und sich die Kosten dafür von ihrem Arbeitgeber erstatten lassen (BFH-Urteil vom 11.11.2010, BStBl. 2011 II S. 389) oder
die Arbeitnehmer das Recht haben, auf Kosten ihres Arbeitgebers gegen Vorlage einer Tankkarte bei einer bestimmten Tankstelle bis zu einem Höchstbetrag von 44 € monatlich zu tanken (BFH-Urteil vom 11.11.2010, BStBl. 2011 II S. 386).
Der Bewertungsabschlag von 4 % ist aber nicht vorzunehmen, wenn kein Bewertungserfordernis besteht, weil die Höhe des Vorteils für den Arbeitnehmer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Dies ist z. B. der Fall bei einer nachträglichen Kostenerstattung durch den Arbeitgeber, zweckgebundenen Geldzuwendungen des Arbeitgebers sowie betragsmäßig begrenzten Gutscheinen (R 8.1 Abs. 2 Satz 4 LStR).
Beispiel A
Der Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber einen Gutschein über 30 Liter Super. Der Preis für einen Liter Super beträgt 1,50 €. Der Arbeitgeber zahlt den Rechnungsbetrag aufgrund der getroffenen Vereinbarungen unmittelbar an die Tankstelle.
Ermittlung des geldwerten Vorteils
30 Liter Super à 1,50 €
45,00 €
Abschlag von 4 %
1,80 €

Geldwerter Vorteil
43,20 €
Der geldwerte Vorteil ist steuer- und sozialversicherungsfrei, da die 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge eingehalten worden ist.
Beispiel B
Der Arbeitgeber erlaubt dem Arbeitnehmer auf seine Kosten 30 Liter Super zu tanken. Der Preis für einen Liter Super beträgt 1,50 €. Der Arbeitgeber erstattet dem Arbeitnehmer gegen Vorlage der Rechnung 45 €.
Ermittlung des geldwerten Vorteils
Kostenerstattung des Arbeitgebers
45,00 €
Kein Abschlag von 4 %
Geldwerter Vorteil
45,00 €
Der geldwerte Vorteil ist steuer- und sozialversicherungspflichtig, da die 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge überschritten ist.
Die aus der Gewährung eines Benzingutscheins oder der Überlassung einer Tankkarte in Anwendung der 44-Euro-Freigrenze steuerfrei bleibenden geldwerten Vorteile werden bei der Veranlagung des Arbeitnehmers nicht auf die Entfernungspauschale für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte angerechnet, sofern diese nicht ausdrücklich für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zugewendet werden.
Vgl. auch die Erläuterungen bei den Stichwörtern „Prepaid Card“, „Sachbezüge“ und „Warengutscheine“.