C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z F Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 5. Pauschalierung der Lohnsteuer für Fahrtkostenzuschüsse mit 15 %

d) Behinderte Arbeitnehmer
Bei behinderten Arbeitnehmern sind nach § 9 Abs. 2 Satz 3 EStG die tatsächlichen Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte als Werbungskosten abzugsfähig. Bei Benutzung eines Pkws sind somit ohne Einzelnachweis 0,30 € je tatsächlich gefahrenen Kilometer als Werbungskosten abziehbar. Dementsprechend ist bei behinderten Arbeitnehmern (= 0,60 € je Entfernungskilometer) eine Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15 % bei Benutzung eines Pkws auch bis zu 0,30 € je tatsächlich gefahrenen Kilometer möglich (= 0,60 € je Entfernungskilometer). Behinderte Menschen, für die diese Ausnahmeregelung gilt, sind Arbeitnehmer
deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt,
deren Grad der Behinderung weniger als 70, aber mindestens 50 beträgt und die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind (Merkzeichen „G“).
Beispiel
Ein behinderter Arbeitnehmer (Grad der Behinderung 70) wohnt in Augsburg und arbeitet in München (einfache Entfernung 50 km). Der Arbeitnehmer benutzt für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte einen Pkw. Der Arbeitgeber zahlt im Kalenderjahr 2019 einen Fahrtkostenzuschuss von 0,30 € je tatsächlich gefahrenen Kilometer, also 0,60 € für jeden Kilometer der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Im Kalenderjahr 2019 sind dies insgesamt:
220 Arbeitstage × 50 km × 0,60 € =        6600,–– €
Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer für den Fahrtkostenzuschuss in Höhe von 6600 € mit 15 % pauschalieren, da der behinderte Arbeitnehmer in dieser Höhe Werbungskosten geltend machen könnte.[1] Es ergibt sich folgende Berechnung der Pauschalsteuer:
Steuerpflichtiger Fahrtkostenzuschuss
6 600,–– €
pauschalierte Lohnsteuer 15 %
990,–– €
Solidaritätszuschlag 5,5 % von 990 €
54,45 €
Kirchensteuer (z. B. in Bayern) 7 % von 990 €
69,30 €
Die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15 % löst Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung aus. Der Arbeitnehmer kann in Höhe der pauschal mit 15 % besteuerten Fahrtkostenzuschüsse keine Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte bei seiner Veranlagung zur Einkommensteuer geltend machen.
Zur Pauschalierung von Unfallkosten vgl. die Erläuterungen unter der nachfolgenden Nr. 7.

1

BMF-Schreiben vom 31.10.2013 (BStBl. I S. 1376, Tz. 3). Das BMF-Schreiben ist als Anlage zu H 9.10 LStR im Steuerhandbuch für das Lohnbüro 2019 abgedruckt.