C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z F Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

6. Abwälzung der Pauschalsteuer
auf den Arbeitnehmer
Die Abwälzung der pauschalen Lohnsteuer auf den Arbeitnehmer ist ein arbeitsrechtlicher Vorgang, durch den die Pauschalierung als solche nicht unzulässig wird. Allerdings ist § 40 Abs. 3 Satz 2 EStG zu beachten, wonach die auf den Arbeitnehmer abgewälzte pauschale Lohnsteuer als zugeflossener Arbeitslohn gilt und die Bemessungsgrundlage nicht mindern darf.
Beispiel
Ein Arbeitnehmer wohnt in Augsburg und arbeitet in München (einfache Entfernung München–Augsburg 50 km). Der Arbeitgeber zahlt ihm im Kalenderjahr 2019 einen Fahrtkostenzuschuss von monatlich 100 €. Dieser Fahrtkostenzuschuss ist steuer- und beitragspflichtig. Der Arbeitgeber kann jedoch die Lohnsteuer mit 15 % pauschalieren; da der Zuschuss von 100 € monatlich niedriger ist als der Betrag, den der Arbeitnehmer in Form der Entfernungspauschale bei den Werbungskosten geltend machen könnte.[1] Diese Pauschalierung löst Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung aus.
Der Arbeitgeber wälzt die Pauschsteuer im arbeitsrechtlichen Innenverhältnis auf den Arbeitnehmer ab.
Der Arbeitnehmer bezieht neben dem Fahrtkostenzuschuss einen laufenden Arbeitslohn von 3000 € monatlich (Steuerklasse III/0). Nach § 40 Abs. 3 Satz 2 EStG ergibt sich folgende monatliche Lohnabrechnung:
Steuerpflichtiger Fahrtkostenzuschuss
100,— €
pauschalierte Lohnsteuer 15 %
15,— €
Solidaritätszuschlag 5,5 % von 15 €
0,82 €
Kirchensteuer (z. B. in Bayern) 7 % von 15 €
1,05 €

abgewälzte Pauschalsteuern insgesamt
16,87 €
Auf die Berechnung der auf den laufenden Barlohn entfallenden Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge darf sich diese Abwälzung der pauschalen Lohn- und Kirchensteuer nicht auswirken.
Abrechnungstechnisch kann der Fahrtkostenzuschuss in Höhe von 100 € als „Zulage“ und die Pauschalsteuer in Höhe von 16,87 € als „Abzug vom monatlichen Nettolohn“ abgerechnet werden:
Bruttolohn
 
3 000,— €
zuzüglich Fahrtkostenzuschuss
 
100,— €

Summe
 
3 100,— €
Gesetzliche Abzüge
(errechnet aus 3000 €):
 
 
Lohnsteuer (Steuerklasse III/0)
172,66 €
 
Solidaritätszuschlag 5,5 %
2,13 €
 
Kirchensteuer (z. B. 8 %)
13,81 €
 
Sozialversicherung (z. B. 20,075 %)
602,25 €

790,85 €

Nettolohn monatlich
 
2 309,15 €
abzüglich vom Arbeitnehmer übernommene Pauschalsteuer
 
16,87 €

auszuzahlender Betrag
 
2 292,28 €

Der Arbeitgeber muss für das Kalenderjahr 2019 einen pauschal besteuerten Fahrtkostenzuschuss in Höhe von (100 € × 12 =) 1200 € in Zeile 18 der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung 2019 eintragen.
Einzelheiten zur Abwälzung der Pauschalsteuer auf den Arbeitnehmer, insbesondere die steuerlich unzulässige „Rückrechnung“ der Pauschalsteuer aus dem pauschal besteuerten Betrag sind beim Stichwort „Abwälzung der Pauschalsteuer auf den Arbeitnehmer“ anhand von Beispielen erläutert.

1

Der Arbeitnehmer könnte Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale als Werbungskosten gelten machen, wenn der Fahrtkostenzuschuss nicht pauschal besteuert würde:
15 Arbeitstage monatlich × 50 km × 0,30 € = 225 €.
Da der Fahrtkostenzuschuss in Höhe von 100 € monatlich, den höchstmöglichen pauschalierungsfähigen Betrag von 225 € nicht übersteigt, kann der Fahrtkostenzuschuss in voller Höhe pauschal mit 15 % besteuert werden.