C. Arbeitslohn – Lohnsteuer – Sozialversicherung von A bis Z W Weiträumiges Tätigkeitsgebiet

3. Fahrtkosten
Soll der Arbeitnehmer aufgrund der Weisungen des Arbeitgebers seine berufliche Tätigkeit dauerhaft typischerweise arbeitstäglich in demselben weiträumigen Tätigkeitsgebiet ausüben, findet für die Fahrten von der Wohnung zu diesem weiträumigen Tätigkeitsgebiet – ungeachtet des Vorliegens einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit – ebenfalls die Entfernungspauschale Anwendung.
Wird das weiträumige Tätigkeitsgebiet immer von verschiedenen Zugängen aus betreten oder befahren, ist die Entfernungspauschale aus Vereinfachungsgründen bei diesen Fahrten nur für die kürzeste Entfernung von der Wohnung zum nächstgelegenen Zugang des weiträumigen Tätigkeitsgebietes anzusetzen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG). Ein steuerfreier Arbeitgeberersatz der Fahrtkosten in Höhe der Entfernungspauschale kommt nicht in Betracht; dies gilt auch bei Reisekostenvergütungen aus öffentlichen Kassen. Allerdings kann ein entsprechender Arbeitgeberersatz mit 15 % pauschal besteuert werden. Bei einer Firmenwagengestellung durch den Arbeitgeber ist auch für diese Fahrten ein geldwerter Vorteil nach der 0,03 %-Bruttolistenpreisregelung oder der Fahrtenbuchmethode anzusetzen (§ 8 Abs. 2 Sätze 3 und 4 EStG). Lediglich dauerhafte Fahrten zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet in Form einer Sammelbeförderung (vgl. dieses Stichwort) sind steuer- und sozialversicherungsfrei.
Für alle Fahrten innerhalb des weiträumigen Tätigkeitsgebietes sowie die zusätzlichen Kilometer bei den Fahrten von der Wohnung zu einem weiter entfernten Zugang können die tatsächlichen Aufwendungen oder der pauschale Kilometersatz als steuerfreier Reisekostenersatz angesetzt werden.
Beispiel A
Forstarbeiter A fährt an 150 Tagen von seiner Wohnung zu dem 15 km entfernten, nächstgelegenen Zugang des von ihm täglich zu betreuenden Waldgebietes (= weiträumiges Tätigkeitsgebiet). An 70 Tagen fährt A von seiner Wohnung über einen weiter entfernt liegenden Zugang (20 km) in das Waldgebiet.
Die dauerhaft durchgeführten Fahrten von der Wohnung zu dem weiträumigen Tätigkeitsgebiet werden behandelt wie die Fahrten von der Wohnung zu einer ersten Tätigkeitsstätte. A kann somit für diese Fahrten lediglich die Entfernungspauschale in Höhe von 0,30 € je Entfernungskilometer (= 15 km × 0,30 €) als Werbungskosten ansetzen. Die Fahrten innerhalb des Waldgebietes können mit den tatsächlichen Kosten oder aus Vereinfachungsgründen mit dem pauschalen Kilometersatz in Höhe von 0,30 € je tatsächlich gefahrenen Kilometer berücksichtigt werden.
Bei den Fahrten zu dem weiter entfernt gelegenen Zugang werden ebenfalls 15 Kilometer mit der Entfernungspauschale (15 km × 0,30 €) berücksichtigt. Die zusätzlichen 10 Kilometer (morgens und abends jeweils 5 km für den tatsächlich längeren Hin- und Rückweg) werden ebenso wie die Fahrten innerhalb des weiträumigen Tätigkeitsgebietes mit den tatsächlichen Kosten oder aus Vereinfachungsgründen mit dem pauschalen Kilometersatz in Höhe von 0,30 € je gefahrenen Kilometer berücksichtigt.
Letztlich sind somit für 220 Tage jeweils 15 km mit der Entfernungspauschale und die restlichen tatsächlich gefahrenen Kilometer mit den tatsächlichen Kosten oder aus Vereinfachungsgründen mit dem pauschalen Kilometersatz in Höhe von 0,30 € anzusetzen.
Soll der Arbeitnehmer in mehreren ortsfesten Einrichtungen seines Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder eines Dritten, die innerhalb eines bestimmten Bezirks gelegen sind, beruflich tätig werden, wird er nicht in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet, sondern an verschiedenen, ggf. sogar ständig wechselnden Tätigkeitsstätten tätig. Allerdings kann es sich bei einem großräumigen Betriebsgelände mit mehreren ortsfesten betrieblichen Einrichtungen auch um eine erste Tätigkeitsstätte handeln.
Beispiel B
Der angestellte Schornsteinfeger B legt die Fahrten von seiner Wohnung zum Kehrbezirk mit seinem eigenen Pkw zurück. Die Entfernung von seiner Wohnung zum nächstgelegenen Zugang des Kehrbezirks beträgt 7 km.
B kann die Fahrtkosten nicht nur in Höhe der Entfernungspauschale, sondern in Höhe von 0,30 € je gefahrenen Kilometer geltend machen. Entscheidend hierfür ist, dass er nicht in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet, sondern in Einrichtungen der Kunden seine Tätigkeit ausübt.
Beispiel C
Vertriebsmitarbeiter C sucht seine Kunden in einem sog. Chemiepark (= großflächiges Gewerbegebiet) zu Verkaufsgesprächen auf. C kann die mit seinem eigenen Pkw durchgeführten Fahrten in Höhe von 0,30 € je gefahrenen Kilometer geltend machen. Er übt seine Tätigkeit nicht in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet, sondern in Einrichtungen der Kunden aus. Bei einer Firmenwagengestellung entsteht für diese Fahrten kein geldwerter Vorteil.