Kommentare Abstandsflächen im Bauordnungsrecht Bayern Erläuterungen D Bemessungsregeln I. Das Maß H als Bezugsgröße (Abs. 4)

5.Besondere Dachformen

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Das Gesetz regelt nicht, in welcher Weise besondere DachformbesondereDachformen bei der Berechnung der Wandhöhe H zu berücksichtigen sind. Besondere Dachformen sind:

  • das WalmdachWalmdach,

  • das KrüppelwalmdachKrüppelwalmdach,

  • das MansarddachMansarddach,

  • das ZeltdachZeltdach,

weiterhin tonnenförmige und kuppelförmige Dächer oder Dachteile. Da es in diesen Fällen – anders als im Falle des „NurdachhäuserNurdachhauses“ – an einer gesetzlichen Regelung fehlt, ist bei der sinngemäßen Anwendung der Vorschriften über die Anrechnung von Dachflächen von der verschattenden Wirkung der unterschiedlichen Dachformen auszugehen. Diese lässt sich nicht berechnen, sondern nur abschätzen.

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Bei tonnenförmigen Dächern erscheint es gerechtfertigt, von einem Dach gleicher Höhe mit ebenen Dachflächen als Vergleichsfall auszugehen (Abb. 6.4.17).

Abb. 6.4.17

 

Tonnenförmiges Dach (a), Dach mit vergleichbarer Verschattungswirkung (b).

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Bei einem ZeltdachZeltdach kann von der für das SatteldachSatteldach geltenden Berechnungsmethode ausgegangen werden: Bei einem Satteldach über quadratischem Grundriss mit einer Dachneigung von mehr als 45° sind die Dächer nach Satz 4 mit einem Drittel ihrer Höhe anzurechnen, ebenfalls die dreieckige GiebelflächeGiebelfläche. Bei einem Zeltdach über gleicher Grundfläche könnte davon ausgegangen werden, dass die in einem Winkel von weniger als 70° nach hinten gekippte dreieckige Giebelfläche nochmals zu dritteln wäre. Danach wäre die Höhe des Zeltdachs mit einem Neuntel anzurechnen (Abb. 6.4.18).

Abb. 6.4.18

 

Zeltdach (a), Dachneigung 56°. Die verschattende Wirkung ist geringer als im Falle eines Satteldachs mit gleicher Dachneigung (b).

Abb. 6.4.19

 

Zeltdach (a), Dachneigung 77°. Die verschattende Wirkung ist geringer als im Falle eines Satteldachs mit gleicher Dachneigung (b).

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Die gering verschattende Wirkung, die von einem Zeltdach ausgeht, spricht allerdings dafür, die Dachhöhe bei Dachneigungen von weniger als 70° vollständig zu vernachlässigen. Andererseits wäre es aber auch nicht gerechtfertigt, eine etwa 12 m hohe Turmspitze bei der Berechnung des Maßes H vollständig zu vernachlässigen. Eine Berücksichtigung mit einem Sechstel der Höhe der Turmspitze erscheint gerechtfertigt. Das ergäbe bei einer angenommenen Höhe der Turmspitze von 12 m einen Zuschlag von 2 m, der bei der Ermittlung der Wandhöhe H dem bis zur Schnittlinie der Außenwand mit der Dachhaut gemessenen Wert hinzuzurechnen wäre (Abb. 6.4.19).

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Das WalmdachWalmdach kann als ein Dach angesehen werden, das aus einem SatteldachSatteldach und zwei Zeltdachhälften zusammengesetzt ist. Die für das Satteldach nach Abs. 3 Satz 4 geltenden Grundsätze einerseits und die für Zeltdächer entsprechend ihrer verschattenden Wirkung abgeleiteten Grundsätze andererseits (Rn. 520) können sinngemäß miteinander kombiniert werden (Abb. 6.4.20).

Abb. 6.4.20

 

Walmdach (a), Dachneigung 56°. Das Dach ist vergleichbar einem Satteldach mit zwei vorgelagerten halben Zeltdächern (b).

Abb. 6.4.21

 

Ermittlung der H für eine Giebelwand – Mansarddach: H = H1 + 1/3 H2.

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Die relevante GiebelhöheGiebelhöhe ermittelt sich bei einem KrüppelwalmdachKrüppelwalmdach nicht stets aus dem Unterschied zwischen der Höhe des Schnittpunktes Wand/Dachhaut als dem unteren und der Höhe des GiebelGiebels bis zum First als dem oberen Bezugspunkt. Die Höhe der AbwalmungAbwalmung (des Krüppelwalmes) ist vielmehr bei der Berechnung der GiebelhöheGiebelhöhe nicht zu berücksichtigen, wenn die Neigung der Walmfläche nicht mehr als 45° aufweist. In diesem Fall ist die Höhe der Giebelfläche lediglich vom Schnittpunkt Wand/Dachhaut bis zum unteren Ansatz des Krüppelwalmes zu berücksichtigen. Beträgt die Neigung der Walmfläche zwischen 45° und 70°, so ist deren Höhe mit einem Drittel zu der Höhe der Giebelfläche bis zum unteren Ansatz des Krüppelwalmes hinzuzurechnen (OVG NRW, Beschl. v. 31.1.1994 – 10 B 1414/93 –, BRS 56 Nr. 97).

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Bei MansarddachMansarddächern ist der steile Dachteil aufgrund des Abs. 4 Satz 3 der Wandhöhe voll hinzuzurechnenDachneigung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch die Änderung der Vorschrift über die Anrechnung von Dächern bei der Ermittlung der H Dächer oder Dachteile mit einer Dachneigung von 70° bis zu 75°, die nach Art. 6 Abs. 3 Satz 4 BayBO a. F. nur zu einem Drittel ihrer Höhe anzurechnen waren, nun der Wandhöhe voll hinzugerechnet werden müssen. Wie die Höhe des steilen Dachteils zu ermitteln ist, geht aus der Regelung nicht hervor. Entsprechend der verschattenden Wirkung erscheint es gerechtfertigt, von der Schnittlinie der nach oben verlängerten Flucht der Außenwand mit der nach außen verlängerten Flucht der Dachhaut des oberen flachen Dachteils auszugehen (Abb. 6.4.21).