Berliner Erklärung 2017: Offener Brief an die Bundeskanzlerin

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Am 10. Januar 2018 hat sich das Bündnis „Berliner Erklärung 2017“ mit einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel gewandt:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

 

wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zum ‚International Equality Award‘, des von

der finnischen Regierung 2017 erstmalig ins Leben gerufenen, internationalen

Gleichstellungspreises.

 

Mit dieser Auszeichnung werden Sie als ‚Verteidigerin von Menschenwürde und

Menschenrechten und als Fürsprecherin von Frauen und Mädchen‘ international

gewürdigt. Als Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland stellen Sie weltweit

ein Rollenvorbild für Mädchen und Frauen dar und ermutigen sie dazu,

Führungspositionen und hohe und höchste politische Ämter anzustreben.

 

Wir wissen aber auch, dass unser Land keineswegs zu den Spitzenreitern in der

Gleichstellung von Frauen und Männern zählt und im europäischen Vergleich

allenfalls Mittelmaß ist.

 

Mit der Berliner Erklärung 2017 haben wir uns als 17 führende Frauenverbände

bereits vor der Bundestagswahl mit unseren Forderungen an die Parteien und deren

Spitzenkandidatinnen und -kandidaten gewandt. Wir haben auch die

Sondierungsgespräche zur ‚Jamaika-Koalition‘ sehr aufmerksam begleitet und mit

Sorge festgestellt, dass gleichstellungspolitische Themen kaum öffentliche

Aufmerksamkeit erhielten und in den veröffentlichten Papieren wenig Raum

eingenommen haben.

 

Wir bitten Sie daher erneut um Ihre Unterstützung für unsere zentralen Ziele:

1.         Gleiche Teilhabe

2.         Gleiche Bezahlung

3.         Verbindlichkeit, Transparenz und Monitoring von Gleichstellungspolitik.

 

Die in der vergangenen Legislaturperiode erzielten Erfolge reichen nicht aus:

Weiterhin sind entschiedene Schritte notwendig, um einen nachhaltigen Wandel zu

mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen. Dazu bedarf es nicht zuletzt einer

aktiven, umfassenden gleichstellungspolitischen Strategie und der Aufwertung von

Gleichstellungspolitik durch eine wissensbasierte Begleitung.

 

Wie in anderen Ressorts – und im Übrigen auch in anderen Ländern bereits

selbstverständlich – ist eine zentrale Einrichtung notwendig, die die Umsetzung

der Gleichstellungspolitik begleitet. Ein Aktionsplan und die

Institutionalisierung der Gleichstellungspolitik im Sinne einer messbaren

Überprüfung der Fortschritte sind für unsere Verbände ein zentrales

Anliegen. Eine Service- und Transferstelle könnte verschiedene Aufgaben wie das

Monitoring von Gleichstellung, Forschung zu Gesetzesfolgen und den Dialog mit

der Zivilgesellschaft bündeln und eine Schnittstelle zu europäischer und

internationaler Gleichstellungspolitik sein.

 

2018 und 2019 jähren sich mit 100 Jahre Frauenwahlrecht, 70 Jahre Grundgesetz

und 25 Jahre aktiver Gleichstellungsauftrag als Ergänzung des Artikels 3 Abs. 2

Grundgesetz zentrale frauen- und gleichstellungspolitische Meilensteine. Dies

sollte der Anlass sein, mit einem Aktionsplan im Koalitionsvertrag, der

gleichstellungspolitische Ziele und Maßnahmen für die nächste

Legislaturperiode festlegt, weitere Fortschritte zu verwirklichen.

 

Wir wünschen uns daher, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, dass Sie als erste

Preisträgerin des International Equality Awards in Ihrem Einflussbereich noch

stärker nachhaltige Zeichen für die tatsächliche Gleichberechtigung von

Frauen und Männern setzen. Für die bevorstehenden Koalitionsgespräche

erwarten wir eine klare Botschaft, ehrgeizige Ziele sowie ein deutliches

Bekenntnis aller Akteure zur Gleichstellung und wünschen uns eine Reflektion

der in der Berliner Erklärung adressierten Themen, mit der die Interessen von

mehr als 12.5 Millionen Frauen vertreten werden.

 

In der Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss der anstehenden

Sondierungsgespräche und mit besten Grüßen

die 17 Initiatorinnen der Berliner Erklärung 2017“

 

 

Das überfraktionelle Bündnis der Berliner Erklärung existiert seit 2011.

 

Aktuell gehören ihm 17 Frauenverbände als Initiatorinnen an:

  • Business und Professional Women (BPW) Germany, 1.600 Mitglieder (Deutschland), 30.000 Mitglieder in 100 Ländern, Uta Zech, Präsidentin www.bpw-germany.de
  • Deutscher Ärztinnenbund e.V. (DÄB), 1.800 Mitglieder, Dr. Christiane Groß M.A., Präsidentin www.aerztinnenbund.de
  • Arbeitsgemeinschaft Anwältinnen im DAV, 270 Mitglieder, Silvia Groppler, Vorsitzende www.davanwaeltinnen.de
  • Deutscher Frauenrat (DF), Dachverband von 60 Mitgliedsverbänden, in denen mehr als 12 Millionen Frauen organisiert sind. Mona Küppers, Vorsitzende www.frauenrat.de
  • deutscher ingenieurinnenbund e.V. (dib), 400 Mitglieder, Sylvia Kegel, Vorstand www.dibev.de
  • Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb), 2.700 Mitglieder, Prof. Dr. Maria Wersig, Präsidentin www.djb.de
  • Deutscher LandFrauenverband e.V. (dlv), 500.000 Mitglieder, Brigitte Scherb, Präsidentin www.landfrauen.info
  • EAF Berlin | Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, 2.000 Unterstützer/innen, Dr. Helga Lukoschat, Vorsitzende www.eaf-berlin.de
  • European Women's Management Development International Network e.V. (EWMD Deutschland), 470 Mitglieder in Deutschland; 900 Mitglieder europa- und weltweit, Ariane Bischoff, President www.ewmd.org
  • FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e.V., 750 Mitglieder, Monika Schulz-Strelow, Präsidentin www.fidar.de
  • Frauen im Management e.V. (FIM), 180 Mitglieder, Bärbel Jacob, Bundesvorstand www.fim.de
  • Journalistinnenbund e.V. (jb), 400 Mitglieder, Rebecca Beerheide, Vorsitzende www.journalistinnen.de
  • ProQuote Medien e.V., 200 Mitglieder, 5.000 Unterstützerinnen und Unterstützer, Maren Weber, Vorsitzende www.pro-quote.de
  • ProQuote Medizin, 700 unterstützende Unterschriften, davon 80 Professoren und Professorinnen, Prof. Dr. Gabriele Kaczmarczyk, Initiatorin www.pro-quote-medizin.de
  • ProQuote Regie e.V., 1000 Unterstützer*innen, Barbara Rohm, Vorsitzende www.proquote-regie.de
  • Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. (VdU), 1.800 Mitglieder und Interessentinnen, 16 Landesverbände, Stephanie Bschorr, Präsidentin www.vdu.de
  • Working Moms - Pro Kinder Pro Karriere e.V. (WM), 450 Mitglieder, Ina Steidl, Vorsitzende Verbandsvorstand www.workingmoms.de

 

Folgende Verbündete tragen die Forderungen der Berliner Erklärung 2017 mit:

 

 

Weitere Informationen: www.berlinererklaerung.de

 

Quelle: djb-Pressemitteilung vom 10.1.2018

 

 

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