Gleichberechtigung und Gerechtigkeit

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20.11.2017

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern steht ausdrücklich im Grundgesetz und der Staat ist beauftragt, noch bestehende Ungleichheiten zu beseitigen. Aber wollen Frauen das auch?

Liebe Leserinnen und liebe Leser,


Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern, Versorgungslücken im Rentenfall bei Frauen aufgrund geringeren Verdienstes und familiär bedingter anderer Lebens- und Erwerbsverläufe etc. sind immer noch alltäglich. Keine/r aber will sie.


Wird - wie schon öfter geschehen - ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt gefragt, so empfinden fast alle die Entgeltungleichheit von Männern und Frauen bei gleicher Arbeit als ungerecht. Bei dieser direkten Frage sehen das beide Geschlechter so.


Jetzt hat aber eine Studie die Fragen anders gestellt. Es wurde gefragt, welches Entgelt für eine bestimmte Arbeit für verschiedene Profile eigens erfundener Proband/inn/en als gerecht empfunden würde. Dabei stellte sich heraus, dass die als gerecht empfundene Entlohnung für die männlichen Profile etwa 7% höher lag als für die weiblichen. Zu meiner Überraschung empfanden Frauen das genauso wie Männer.


Da fragt sich eine engagierte Gleichstellungsbeauftragte doch, welchen Sinn ihre Arbeit hat, wenn doch die Frauen mit dem Stand der erreichten Ungleichheit ganz zufrieden zu sein scheinen.


Nachdem ich den Zeitungsartikel zu dieser Studie gelesen hatte, habe ich noch etwas weiter recherchiert und bin auf ein Interview mit einem der an der Studie beteiligten Soziologen gestoßen. Dieser relativierte das Ergebnis mit dem Hinweis auf die in Deutschland herrschende Lohnlücke, die fast deckungsgleich ist mit dem von den Studienteilnehmer/inne/n als gerecht empfundenen Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Das liegt daran, dass das Geschlecht in den Profilen versteckt lag und die Menschen bei Fragen nach Gerechtigkeitseinschätzungen auf ihre Erfahrungen zurückgreifen.


Die Entgeltunterschiede bestehen schon immer und ändern sich nur sehr langsam. Sie sind als Erfahrung tief im Bewusstsein der Befragten verwurzelt. Diese geben also nur wieder, was sie als Realität kennen. Auf die direkte Frage, ob ein geschlechtsbedingter Lohnunterschied gerecht sei, antworten sie anders. Es ist also wichtig, die Ungerechtigkeit im Bewusstsein der Menschen zu verankern.


Daran arbeiten wir Gleichstellungsbeauftragten jeden Tag.


In der nächsten Studie will das Soziolog/inn/enteam untersuchen, warum Frauen die Lohnungleichheit scheinbar als gerecht akzeptieren. Nach ihrer Theorie könnte das möglicherweise daran liegen, dass Frauen im Gegenzug zur finanziellen Benachteiligung andere berufliche Vorteile erhalten, wie zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten und damit bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Autsch, das tut weh! Seit Jahren setzen wir Gleichstellungsbeauftragte uns dafür ein, dass auch Männer endlich ihren Anteil an Familien- und Pflegearbeit übernehmen und dazu von den vielen Angeboten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung Gebrauch machen.


Im BGleiG gibt es dafür sogar extra eine Ausnahme von der Regel, dass wir nur für Frauen zuständig sind. Und jetzt sollen Frauen dafür, dass sie dies noch zum ganz überwiegenden Teil alleine machen dürfen, mit einem geringeren Entgelt zufrieden sein???


Welch tolle Zeiten kommen da auf uns zu! Wir müssen nur die Ziele neu definieren. Frauen sind mit Männern dann gleichberechtigt, wenn sie ihre Benachteiligung endlich akzeptieren.


Oje! Es scheint doch noch viel mehr zu tun zu sein, als wir uns dachten...


Mit unzufriedenen, aber dennoch herzlichen Grüßen

 

Ihre Kristin Rose-Möhring

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