Koalitionsvertrag und Realität

Jetzt bewerten!

Im Koalitionsvertrag vom 26.10.2009 steht unter der Überschrift "Mehr Frauen in Führungspositionen" folgender Satz: "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden."

Im Koalitionsvertrag  vom 26.10.2009  steht unter der Überschrift "Mehr Frauen in Führungspositionen" folgender Satz: "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden."

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

auf die Wirtschaft hätte die Politik nur Einfluss, wenn sie ein allgemein gültiges Gleichstellungs- oder Frauenfördergesetz verabschiedete. Das ist mehr als überfällig, doch die Diskussion allein um Frauenquoten für Vorstände und Aufsichtsräte großer Unternehmen tobt seit Beginn der Legislatur und kommt zu keinem einvernehmlichen Ergebnis. Vielleicht wird es Vivian Reding durch die EU-Kommission regeln lassen (siehe Blogbeitrag „101. Internationaler Frauentag“ vom 5.3.2012), aber so weit sind wir noch lange nicht.

 

Im öffentlichen Dienst kann die Koalition nur in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich beispielhaft vorangehen und da ist die Bilanz ambivalent. Zweieinhalb Jahre sind seit dem o.g. Satz vergangen und es hat in der Tat im Bund an einigen Stellen Verbesserungen gegeben. Einige Frauen sind in Führungspositionen aufgerückt. So gibt es z.B. zurzeit auf Bundesebene zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sechs beamtete Staatssekretärinnen gleichzeitig: im Bildungs-, Innen-, Justiz-, Arbeits- und zuletzt im Wirtschaftsministerium sowie im Auswärtigen Amt. Das sind so viele wie in den 60 Jahren Bundesrepublik vorher zusammen1, aber wiederum auch nur ca. ein Drittel der möglichen Besetzungen mit beamteten Staatssekretär/inn/en in den obersten Bundesbehörden. Da relativiert sich der Erfolg.

 

Auch eine von der Koalition vorgeschlagene Verfassungsrichterin, die Präsidentin eines Bundesgerichtes, die Leiterin einer einflussreichen Finanzbehörde und bald eine Wirtschaftsweise sind unter den neuen Frauen in Führungspositionen. Das ist gut, aber das Zahlenverhältnis belegt weiterhin eindeutig den überwältigenden Vorrang von Männern. Ich habe seit Beginn der Koalition 39 von den Regierungsparteien vergebene Führungspositionen gezählt – 9 zugunsten von Frauen. Der große Rest waren Männer, nicht zuletzt zwei Bundespräsidenten-Kandidaten, ein EU-Kommissar, ein Bundesbankpräsident, ein Bundesverfassungsgerichtspräsident, mehrere Verfassungsrichter, Bundesbankvorstandmitglieder, Beauftragte und Leiter großer und einflussreicher Bundesbehörden. In Prozenten ausgedrückt steht es 76,9 % zu 23,1 % für die Männer2.

 

Liebe Koalition, da wäre mehr drin gewesen. Führung und Rollenvorbilder müssen weiblicher werden. Noch bleiben eineinhalb Jahre und die Bilanz ist ausbaufähig und ausbaubedürftig.

 

Und wenn dann für die Wirtschaft eine feste Quote beschlossen und für die normale Frau auf der Straße mehr getan würde, wäre es noch besser. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wichtig, aber allein nützen sie nichts, wenn die gläserne Decke nicht durchlässiger wird. Auch Frauen ohne Familienpflichten kommen sehr selten oben an, denn noch ist die Luft da oben für Frauen extrem dünn.


Herzlich,
Ihre Kristin Rose-Möhring

 

 


 

 

1 Zwischen 1949 und 2002 gab es sechs beamtete Staatssekretärinnen: Gabriele Wülker (CDU) 1957-1959 Bundesministerium für Familien- und Jugendfragen (BMFa); Hildegard Hamm-Brücher (FDP) 1969-1972 Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW); Anke Fuchs (SPD) 1977-1980 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA); Christa Thoben (CDU) 1994-1998 Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (BMBau); Elke Ferner (SPD) 1998-2000 Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), Brigitte Zypries (SPD) 1998 – 2002 Bundesministerium des Innern (BMI)

2 Die Ergebnisse erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind medienwirksame Besetzungen, die sich in kleineren oder größeren Zeitungsmeldungen niederschlugen.

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.
Ihr Kommentar erscheint unter Verwendung Ihres Namens. Weitere Einzelheiten zur Speicherung und Nutzung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag
Login
 
Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Kostenlose Hotline: 0800-2183-333
Kontaktformular

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular benutzen und wir melden uns bei Ihnen.

Kontaktformular
Beste Antworten. Mit den kostenlosen rehm Newslettern.
Jetzt aus zahlreichen Themen wählen und gratis abonnieren  

Kundenservice

  • +49 0800-2183-333
  • Montag - Donnerstag:    8-17 Uhr
  • Freitag:                           8-15 Uhr
  • Sie können uns auch über unser Kontaktformular Ihre Fragen und Anregungen mitteilen.

Verlag und Marken

Unsere Themen und Produkte

 

Service

 

Rechtliches

Zahlungsarten 

Rechnung Bankeinzug   MastercardVisa

PayPal Giropay Sofortüberweisung