Muss der „Gender-Wahnsinn“ ein Ende haben?

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Die verzweifelt klingende Forderung danach wird immer wieder einmal von selbsternannten Sprachbewahrern erhoben. Das Thema bleibt aktuell und lässt auch mich nicht los, wenn auch die öffentliche Aufregung um meinen Vorschlag, auch das Gendern der Nationalhymne nach dem Vorbild anderer Nationen wenigstens zu erwägen und zu diskutieren, wieder abgeklungen ist.

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

 

wie halten Sie es mit dem Gendern Ihrer Sprache, besonders beim schriftlichen Ausdruck? Suchen Sie regelmäßig nach geschlechtsneutralen Begriffen? Welche Hilfsmittel wenden Sie an: das Binnen-I, den _, das * oder /- etc.?


Die eigenen Texte zu hinterfragen, ist der erste und wichtigste Schritt. Ihre persönliche Sensibilisierung führt dann auch zur Sensibilisierung Ihrer Umwelt. Das wirkt sich aus.


Mir würde es beispielweise schwerfallen, einem „Bürgerverein“ beizutreten. Auch die jährliche gemeinsame Steuererklärung ist mir ein Dorn im Auge, da ich dabei nur „Ehefrau“ bin und auf Grund eines vorgeschriebenen Sprachgebrauchs und Verfahrensablaufs nur eine Nebenrolle und das Anhängsel meines Ehemannes darstelle, aber die von mir erwirtschafteten Steuern voll zahlen darf. Die Steuerbehörde verstößt damit gegen Art. 3 Abs. 2 Grundgesetz, der sie auch zur Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache verpflichtet. Also seien Sie Vorbild, seien Sie gewappnet für entsprechende Diskussionen und kritisieren Sie.

 

Gendern ist ein Ausdruck der persönlichen Sprachkompetenz. Wer es in der heutigen Zeit unterlässt, zeigt Mängel in der Fähigkeit des schriftlichen Ausdrucks und lebt in einer ärmeren Welt, d.h. mit einer verengten Weltsicht. Ich zitiere an dieser Stelle gerne Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.

 

In ganz kleinen Schritten, wie bei allen Gleichstellungsfragen, geht es aber doch voran. Selbst die Hardcore-Sprachbewahrer haben schon ein wenig von der Horizonterweiterung im Sinne Wittgensteins erfahren. Anders als noch vor 20 Jahren wird von ihnen der Unterschied von sozialem und biologischem Geschlecht zumindest in der Diskussion meist verstanden.

 

Das intellektuelle Erfassen unserer Welt in ihrer Vielfalt und der entsprechende Gebrauch der Sprache sind kein Wahnsinn. Sie zeigen im Gegenteil Sinn für die Realität.


Die Frage aus der Überschrift muss also dahingehend beantwortet werden, dass es keinen Gender-Wahnsinn gibt und die Frage nach seinem Ende damit obsolet ist. Jede/r, der das anders sieht, hat m.E. den Sinn des Genderns nicht begriffen und der Kampf dagegen kann natürlich zum persönlichen Wahn werden.

 

In diesem Sinne mit gender-realen herzlichen Grüßen für einen intensiven Herbst

 

Ihre Kristin Rose-Möhring

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1 Kommentar zu diesem Beitrag
kommentiert am 29.08.2018 um 07:45:
Was ich nicht mit Worten auszudrücken vermag, DAS offenbart die Grenzen meiner Welt! So hatte Wittgenstein seinen Satz gemeint. Hinsichtlich des Genderns verweigere ich mich bewusst einer Sprache, die sich am Rande der Lächerlichkeit bewegt. Wer sprachliche Anmut und Verständlichkeit einer zwanghaften Dopplungswut opfert, der erweitert nicht seinen Horizont, sondern zeigt, dass er seine Welt eingeengt hat, nämlich weg von dem Bewusstsein als Mensch gemeint zu sein, hin zum begrenzten Blick auf das Geschlecht.
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