Betriebsveranstaltung – wer zählt als eingeladen?

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Sorry, heute nur geladene Gäste! Wer insbesondere in den Clubs in Großstädten feiern möchte, hat diese Ansage von Türstehern sichern schon mal mitbekommen oder leidvoll auch selbst erlebt. Auch bei Betriebsveranstaltungen gilt, nur die Belegschaft, deren Begleitpersonen oder vom Chef selbst eingeladene Gäste haben steuerlich als legitimierte Teilnehmer Zugang zu einer solchen Veranstaltung. Darauf weist der BFH in seiner Entscheidung vom 28.04.20201 ausdrücklich hin.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Steuer definiert eine Betriebsveranstaltung als Veranstaltung auf betrieblicher Ebene mit gesellschaftlichem Charakter. Als klassische Beispiele gelten immer Betriebsausflüge, die allseits gefürchteten Weihnachtsfeiern oder die Feier zum Firmenjubiläum.  

Rein rechtlich gesehen, gehören solche Veranstaltungen und aus diesem Anlass gewährte Zuwendungen des Arbeitgebers seit 2015 nur dann nicht zum Arbeitslohn, soweit die entstandenen Gesamtaufwendungen für maximal zwei Veranstaltungen im Jahr einen Betrag von 110 Euro je Betriebsveranstaltung und teilnehmendem Arbeitnehmer nicht übersteigen (Freibetrag) und die Teilnahme allen Betriebsangehörigen offen steht. Bis zu diesem Wert haben entsprechende Veranstaltungen keinen Entlohnungscharakter. Vielmehr unterstellt man ein überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers an der Durchführung der Veranstaltung. Das deshalb, weil mit der Ausrichtung solcher Gemeinschaftsveranstaltungen der Arbeitgeber das Ziel verfolgt die Stimmung in der Belegschaft zu fördern. Das sich dabei manche Weihnachtsfeier im Nachhinein für die Stimmung in der Belegschaft als nicht förderlich erweist, ist steuerlich gesehen dann unerheblich und führt vor allem auch nicht etwa zu negativem Arbeitslohn!

Ab 2015 gehören alle Bruttoaufwendungen des Arbeitgebers und zwar unabhängig davon, ob sie einzelnen Arbeitnehmern individuell zurechenbar sind oder ob es sich um einen rechnerischen Anteil an den Kosten der Betriebsveranstaltung handelt, die der Arbeitgeber gegenüber Dritten für den äußeren Rahmen der Betriebsveranstaltung aufwendet, zu den Kosten der Betriebsveranstaltung (Gesamtkosten). Diese Kosten sind dann zu gleichen Teilen auf die anwesenden Teilnehmer aufzuteilen. Das heißt, Dreh und Angelpunkt zur Bestimmung des auf den einzelnen Arbeitnehmer bezogenen Anteil, sind die Gesamtkosten und die Anzahl der Teilnehmer.  

Zu der Frage, welche Personen bei der Aufteilung der Gesamtkosten denn als Teilnehmer zu berücksichtigen sind, hat sich vor kurzem der BFH geäußert. Aus Sicht des BFH sind das die Personen, an die sich die Einladung ausdrücklich richtet. Das sind die Beschäftigten des ausrichtenden Unternehmens und ggfs. der Beschäftigten im Konzernzusammenhang sowie deren berücksichtigungsfähige Begleitpersonen und eingeladene Gäste.

Nicht zum Teilnehmerkreis gehören hingegen Personen, die „lediglich“ mit der Durchführung der Veranstaltung betraut sind und nicht der Belegschaft angehören. An diese Personen richtet sich nicht die Einladung zur Teilnahme. Beispielhaft nennt der BFH in dem Zusammenhang Künstler die während der Veranstaltung auftreten, Eventmanager, Fotografen und Busfahrer, die in der Regel die Teilnehmer zum Veranstaltungsort hin und wieder zurückbringen. Auch wenn sich diese Personen kostenfrei am Buffet und an den Getränken bedienen dürfen, sind diese Zuwendungen nicht durch ein Dienstverhältnis zum ausrichtenden Unternehmen, sondern durch andere Rechtsverhältnisse begründet. Sie können daher nicht zu Arbeitslohn führen. Das wiederum führt dann auch dazu, dass die Gesamtkosten der Betriebsveranstaltung um die Bewirtungsanteile für diese Personen zu bereinigen sind, da ansonsten der auf den einzelnen Arbeitnehmer bezogene Anteil verfälscht wäre.   

Bei der Berechnung des Freibetrags gilt es also zukünftig die Definition des Begriffs „Teilnehmer einer Betriebsveranstaltung“ im Blick zu behalten. 

Mögen ihre Betriebsveranstaltungen immer der Stimmung im Unternehmen förderlich sein! Und immer dran denken, die größte Falle auf jeder Betriebsfeier kann der Alkohol werden.  

Bitte bleiben Sie gesund!

 

Es grüßt Sie,  

Ihr Matthias Janitzky  


1 Urteil VI R 41/17, DStR 2020, 1782-1784 (Leitsatz und Gründe)

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