Homeoffice nein danke!

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Die aktuelle Pandemiesituation führt, da wo es beruflich möglich ist, zu vermehrter Arbeit im Homeoffice. Das wird man entweder selbst so in seinem beruflichen Umfeld miterleben oder in der Presse schon mal gelesen haben1. Und es ist offenbar so, dass Corona sich als Türöffner gestaltet die Abspaltung der Arbeitsleistung im Betrieb des Arbeitgebers hin zu einem flexiblen Wechsel zwischen Betrieb und Homeoffice voranzutreiben. Der Trend zum vermehrten Arbeiten von zu Hause aus scheint unumkehrbar.

Liebe Leserin, lieber Leser   

ich persönlich bin aus Arbeitnehmersicht kein Anhänger vom Arbeiten im Homeoffice. Auch wenn ich die positiven Aspekte der arbeitenden Homeoffice-Befürworter, wie: ersparte Zeit im Berufsverkehr, Verringerung der CO2-Belastung, kein Nahverkehrsstress, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und produktiveres Arbeiten nachvollziehen kann, ich arbeite auch unter Abwägung dieser Argumente lieber an meinem Schreibtisch im Büro. Das fängt allein schon damit an, dass mein Büro vor Ort mit einem ausreichend großen Schreibtisch, großem Bildschirm und einem vernünftigen Drucker ausgestattet ist. Aber, und das ist für mich das Wichtigste, es sind unter normalen Umständen Kollegen*innen für den täglichen persönlichen (fachlichen) Austausch vor Ort. Schon heute kann ich für mich feststellen, dass der persönliche Austausch und das kollegiale Miteinander unter dem isolierten Arbeiten von zu Hause leiden. Da helfen auch keine regelmäßigen Telefon- oder Videokonferenzen. Ein ausgewogenes, ehrliches und respektvolles kollegiales Verhältnis ist nicht nur in meinen Augen ein entscheidender Faktor für die Arbeitszufriedenheit2. Die Vorstellung sich mittel- bis langfristig überwiegend nur noch virtuell austauschen zu können, Fortbildungen ebenfalls überwiegend nur noch virtuell durchzuführen schrecken mich eher ab.

Ein erster Meilenstein in der zukünftigen Ausrichtung des Berufsalltags wird das Gesetz zur mobilen Arbeit sein. Umso wichtiger ist es, dass es hier keinen politischen Schnellschuss gibt. Die Belange und Vorstellungen der Beteiligten, sprich Arbeitgeber und Beschäftigte, müssen vorab genau sondiert werden und sich in den gesetzlichen Normen dann auch wiederfinden. Dazu gehört natürlich auch, sich Gedanken über die Arbeitssicherheit (Stichwort: Unfall am Arbeitsplatz) und den Arbeitszeitrahmen zu machen. In dem Sinne sollte ein zukünftiges Gesetz auch nur den Rahmen für eine individuelle Vereinbarung zwischen den Parteien vorgeben.

Arbeiten von zu Hause aus hat zur Folge, dass die laufenden Betriebskosten eines Hauses/einer Wohnung steigen. Die Frage nach der steuerlichen Absetzungsmöglichkeit von entsprechenden Kosten für ein Homeoffice und zwar insbesondere für die Personen, die zwar zu Hause arbeiten (müssen), aber gleichwohl nicht über ein steuerlich anzuerkennendes Arbeitszimmer verfügen, geht aktuell in die entscheidende Runde im Gesetzgebungsverfahren zum Jahressteuergesetz 2020. 

Wenn man von zu Hause aus arbeitet, sind die dadurch entstehenden beruflichen Aufwendungen aktuell nur unter bestimmten Voraussetzungen und häufig nicht in vollem Umfang als Werbungskosten abziehbar. Grundvoraussetzung ist aber zunächst, dass die Arbeit in einem häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt wird.

Unter Hinweis auf höchstrichterliche Rechtsprechung definiert die FinVerw3 ein häusliches Arbeitszimmer als einen Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist, vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten dient4 und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird5; eine untergeordnete private Mitbenutzung (< 10 %) ist unschädlich6.  

Das Vorliegen eines häuslichen Arbeitszimmers und das Arbeiten darin führt für sich genommen aber noch nicht dazu, dass die für diesen Raum entstehenden Aufwendungen als Werbungskosen abziehbar sind. Die Aufwendungen dürfen bis zu 1.250 Euro abgezogen werden, wenn für die berufliche Tätigkeit des Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht; sie dürfen in unbeschränkter Höhe abgezogen werden, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung des Steuerpflichtigen bildet.

Aufwendungen für einen in die häusliche Sphäre eingebundenen Raum, der mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat genutzt wird (sog. „Arbeitsecke“), können hingegen nicht als Werbungskosten abgezogen werden7.

Und genau das ist das steuerliche Dilemma von vielen Arbeitnehmern, die sich Corona bedingt, mit ihrer Arbeit urplötzlich am heimischen Küchentisch wiederfinden um von dort aus ihrer Arbeit nachzugehen. Das heißt, häufig liegen die Voraussetzungen für einen Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht vor, weil entweder die Arbeitnehmer über kein „steuerlich anzuerkennendes Arbeitszimmer“ verfügen, oder dieser Raum nicht ausschließlich oder fast ausschließlich für die Berufsausübung genutzt wird oder werden kann. Betriebskosten eines Hauses/einer Wohnung ist es jedoch egal von wo aus sie ihrer Arbeit nachgehen. Ob in einem dafür vorgesehen Raum ohne privaten Schnickschnack, oder an der sog. Arbeitsecke im Wohnzimmer. Es entsteht ein „mehr“ an Betriebskosten (Strom, Wasser- und Heizkosten). Durch die Nutzung der Heizung zu Zeiten, an denen man eigentlich im Büro ist, durch einen erhöhten Stromverbrauch durch zusätzliche elektronische Geräte (wie z. B. Laptop, Monitor, Drucker) und künstliches Licht. Aber auch der erhöhte Einsatz des Herdes wegen der mittäglichen Essenszubereitung schlägt sich auf die Stromkosten nieder. Das Vergleichsportal Verivox geht von einer diesbezüglichen Erhöhung der Betriebskosten von bis zu 250 Euro aus8.

Seit Mitte dieses Jahres gibt es deshalb die Forderung aus der Praxis, Aufwendungen für das Arbeiten von zu Hause unabhängig vom Vorliegen eines häuslichen Arbeitszimmers steuerlich anzuerkennen. Die große Koalition hat sich nunmehr auf eine diesbezügliche, zeitlich befristete, Homeoffice-Pauschale geeinigt und einen entsprechenden Änderungsantrag in das laufende Gesetzgebungsverfahren zum Jahressteuergesetz 2020 eingebracht, dem der Finanzausschuss im Bundestag in seiner Sitzung am 09.12. zugestimmt hat.

Die Pauschale soll 5 Euro für die Tage betragen, an denen der Beschäftigte seine gesamte berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt hat. Heißt im Umkehrschluss, der zeitgleiche Ansatz der Entfernungspauschale und die 5-Euro-Homeoffice-Pauschale schließen sich aus. Das würde bei Beschäftigten, die zwar tagsüber im Homeoffice gearbeitet haben, nachmittags aber in die Firma gefahren sind um, z. B.  Unterlagen auszutauschen, dazu führen, dass der Ansatz der 5-Euro-Homeoffice-Pauschale für diesen Tag entfällt.

Insgesamt soll der Abzug der Tagespauschale für einen häuslichen Arbeitsplatz zum einen Betragsmäßig auf 600 Euro im Wirtschafts- oder Kalenderjahr für die gesamte betriebliche und berufliche Betätigung des Steuerpflichtigen begrenzt werden. Die Homeoffice-Pauschale soll in die Werbungskostenpauschale eingerechnet und nicht zusätzlich gewährt werden. Mit Blick auf die zeitliche Begrenzung der besonderen Pandemie-Situation ist zudem eine zeitliche Befristung vorgesehen. Der Ansatz der Tagespauschale soll nur für in den Jahren 2020 und 2021 in der häuslichen Wohnung ausgeübte Tätigkeiten anzuwenden sein.

Nach der zweiten und dritten Lesung im Bundestag in der dritten Dezemberwoche könnte der Bundesrat dem Gesetz dann noch in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr am 18.12.2020 die Zustimmung erteilen.

Wie immer in diesen Monaten, bitte bleiben Sie gesund!


Es grüßt Sie,  

Ihr Matthias Janitzky  


2 https://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/kollegen-warum-kollegialitaet-so-wichtig-ist-a-1225864.html
3 BMF-Schreiben vom 06.10.2017, BStBl I 2017, 1320
4 BFH-Urteile vom 19.09.2002, VI R 70/01, BStBl II 2003, 139 und vom 16.10.2002, XI R 89/00, BStBl II 2003, 185
5 Bestätigt durch BFH vom 22.03.2016 (BStBl II S. 881 und S. 884)
6 Bestätigt durch BFH vom 27.07.2015 (BStBl 2016 II S. 265)
7 BFH-Urteil vom 17.02.2016, X R 32/11, BStBl II, 708
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