Keine Gnade für die Wade

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Der Leitspruch enthusiastischer Fahrradfahrer1 gilt ab 2020 auch immer mehr in der Lohnsteuer. Denn, die Finanzverwaltung nähert sich der uneingeschränkten Lohnsteuerfreiheit für das emissionsfreie Fortbewegungsmittel (Elektro-)Fahrrad, das verkehrsrechtlich als Fahrrad eingeordnet ist (u. a. keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht, maximal 25 km/h) immer mehr an. Aber, was insgesamt für den Bereich „Elektromobilität und Steuerrecht“ gilt, gilt auch für den dazugehörenden Teilbereich (Elektro-)Fahrrad. Die Frage der steuerlichen Behandlung einer privaten Nutzungsmöglichkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber das Thema „Elektromobilität und Steuerrecht“ führt bei mir zumindest für zunehmend graue Haare. Das liegt vor allem daran, dass man die Bereiche klimafreundliche Kraftfahrzeuge und (Elektro-)Fahrräder bei der Ermittlung eines geldwerten Vorteils aus der privaten Nutzungsmöglichkeit lohnsteuerlich nicht einheitlich behandelt. Zudem weicht die lohnsteuerliche Behandlung auch noch von der umsatzsteuerlichen Sichtweise ab.

Bezogen auf den Bereich der (Elektro-)Fahrräder, die verkehrsrechtlich als Fahrrad eingeordnet sind (u. a. keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht, maximal 25 km/h) gilt folgendes: Bemessungsgrundlage für die private Nutzungsmöglichkeit sind grundsätzlich monatlich 1 % der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme2

Erhält der Arbeitnehmer ein solches (Elektro-)Fahrrad als Gehaltsextra, also zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn, ist der geldwerte Vorteil in den Kalenderjahren 2019 – 2030 lohnsteuerfrei3. Das unabhängig davon, wann dieses Fahrrad einem Arbeitnehmer im Unternehmen erstmalig zur privaten Nutzung überlassen wurde.

Ein (Elektro-)Fahrrad welches der Arbeitnehmer erstmals nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2031 per Gehaltsumwandlung zur privaten Nutzung überlassen bekommt, wird im Jahr 2019 mit 1 % der halbierten UVP als geldwerter Vorteil angesetzt. Ab 2020 reduziert sich der geldwerte Vorteil auf ¼ der UVP. Zu beachten ist, dass in den Fällen, in denen das (Elektro-)Fahrrad bereits vor dem 01.01.2019 vom Arbeitgeber einem Arbeitnehmer per Gehaltsumwandlung zur privaten Nutzung überlassen wurde, keine Reduzierung der Bemessungsgrundlage erfolgt. Auch die Anwendung der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze scheidet aus!4

Als Störfaktor macht sich allerdings die Umsatzteuer bemerkbar. Die Überlassung eines (Elektro-)Fahrrads zur privaten Nutzung ist umsatzsteuerlich regelmäßig eine sonstige Leistung5. Heißt, die lohnsteuerliche Reduzierung der Bemessungsgrundlage – bis hin zur vollständigen Steuerfreiheit – greift mangels eigener Regelungen nicht bei der Umsatzsteuer6.

Die Reduzierung der lohnsteuerlichen Werte ist in Zeiten von Klimaschutz 2030 und Gesundheitsförderung sicher der richtige Weg. Denn, bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad7. Ob es vor dem Hintergrund dann noch einer Unterscheidung bei der lohnsteuerlichen Einordnung mit Blick auf die Überlassung durch den Arbeitgeber (zusätzlich oder Gehaltsumwandlung) bedarf, ist zumindest diskutabel. Eine konträre steuerliche Behandlung solcher geldwerten Vorteile zwischen der Lohn- und der Umsatzsteuer ist meines Erachtens jedenfalls kontraproduktiv und nicht mit den (steuerlichen) Überlegungen zum Klimaschutz vereinbar. Bleibt also zu hoffen, dass die Umsatzsteuer in der Zukunft (vereinfachend) der Lohnsteuer folgt.

Treten Sie also nach wie vor kräftig in die Pedale, keine Gnade für die Wade!


Es grüßt Sie,  

Ihr Matthias Janitzky


1 Louis J. Halle, Naturforscher

2 1 % der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer.

3 § 3 Nr. 37 EStG

4 Gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder zur steuerlichen Behandlung der Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern vom 09.01.2020

5 § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG (Abschn. 15.23 Abs. 8 Satz 1 UStAE)

6 Anwendung des Abschn. 15.23 Abs. 11 Nr. 1 Satz 1 UStAE entsprechend.

7 Adam Opel, Firmengründer

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