Nicht schon wieder gegen Cottbus

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Zugegeben, dass Energie Cottbus in der Bundesliga gespielt hat, ist schon zehn Jahre her. Aber jedes Mal, wenn mein Freund wieder Karten organisiert hat für ein Fußballspiel unseres Lieblingsvereins, kommt der Spruch: aber nicht schon wieder gegen Cottbus! Seinerzeit war es schwer an Eintrittskarten zu kommen, jedoch nicht, wenn es gegen Energie Cottbus ging.

Was hat das nun mit der Lohnsteuer zu tun? Nun, das FG Berlin-Brandenburg1 hatte sich kürzlich mit den steuerlichen Folgen einer Einladung in eine VIP-Loge zu befassen. VIP-Logen gibt es in Fußballstadien, aber auch nahezu in allen anderen Veranstaltungsarenen. Diese werden häufig von Unternehmen für eine komplette Saison zu einem Paketpreis angemietet um Geschäftsfreunde und/oder eigene Arbeitnehmer zu einem Besuch eines Fußballspiels einzuladen. Für den Eingeladenen führt die Einladung regelmäßig zu einem steuerbaren geldwerten Vorteil.

So weit so bekannt. Allerdings geht das Gericht in der Streitsache am Rande auch auf den Aspekt „leere Plätze“ in der VIP-Loge ein. Die Minderauslastung einer VIP-Loge bedeutet unterm Strich vergebliche Aufwendungen des Unternehmers. Aber führt dies auch zu Auswirkungen auf die Höhe des geldwerten Vorteils (Stichwort No-Show-Kosten)? Mit den Auswirkungen von vergeblichen Aufwendungen bei der Lohnbesteuerung hatte sich bereits das FG Köln im Zusammenhang mit der Durchführung einer Betriebsveranstaltung2 befassen müssen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Halunken-Loge“ ja, VIP-Loge nein. Für Fußballpuristen ist es nahezu unvorstellbar, sich ein Fußballspiel aus einer VIP-Loge heraus anzusehen. Es fehlt das intensive Gefühl des Mitfieberns mit tausenden Sympathisanten des eigenen Vereins, ob und wann denn das entscheidende Tor fällt. Das Gemeinschaftsgefühl, wenn der erlösende Schlusspfiff endlich ertönt und sich wildfremde Menschen in den Armen liegen, wenn, möglicherweise gerade der ungeliebte Nachbarverein, als Verlierer das Stadion verlässt. In der VIP-Loge dringt der Lärm des Spiels eher nur gedämpft hinein. Man bleibt unter sich bei exklusiven Getränken und Häppchen, führt Gespräche über Geschäftliches, den Fußball und Gott und die Welt. Das Spiel als angenehme Randerscheinung im exklusiven Rahmen. So stellt man sich das vor, gleichwohl, es gibt genügend Menschen, für die es gerade genau darauf ankommt. Jeder Jeck ist halt anders, wie man im Rheinland sagt.

Aber, bei aller Exklusivität, auch in einer VIP-Loge bleiben unter Umständen Plätze frei, weil z. B. der Gegner nicht attraktiv genug ist. Dies hat zur Folge, dass dem Mieter der VIP-Loge durch die Minderauslastung, rein rechnerisch betrachtet, Mehrkosten gegenüber einer Vollauslastung der VIP-Loge entstanden sind.

Im dem Urteilsfall mietete ein Unternehmer u. a. eine VIP-Loge mit zwölf Sitzplätzen und zahlte dafür eine jährliche Vergütung. In diese VIP-Loge lud der Unternehmer regelmäßig Kunden oder potentielle Kunden ein und ließ sie während den Veranstaltungen durch eigene Mitarbeiter betreuen.

In dem Streitfall ging es neben der Klärung der Frage, ob die Einladung auch bei potentiellen Kunden zu Betriebseinnahmen führt u. a. auch um die Frage der Bemessungsgrundlage bei einer pauschalen Versteuerung des geldwerten Vorteils durch den einladenden Unternehmer nach § 37b EStG.

Das FG Berlin-Brandenburg stellte jedenfalls in seinem rechtskräftigen Urteil fest, dass die Einladung eines Kunden, unabhängig davon ob er bereits in einer Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmer steht oder erst eine angebahnt werden soll, in eine VIP-Loge ein betriebliches Geschenk darstellt3. Soweit der Eingeladene betriebliche Einkünfte erzielt, stellt die Einladung in eine VIP-Loge einen geldwerten Vorteil und damit eine Betriebseinnahme dar, auch soweit der Eingeladene im Zeitpunkt der Einladung kein Kunde des Einladenden war.

Wendet der einladende Unternehmer zur Abgeltung dieser Vorteile den § 37b EStG an, ist die Bemessungsgrundlage anhand der Bruttokosten des Unternehmers zu ermitteln. Dabei bleiben Kosten für Werbemaßnahmen und die geschäftlich veranlasste Bewirtung außen vor. Der verbleibende Gesamtanteil ist – unterm Strich – der auf das betriebliche Geschenk – die Eintrittskarte – entfallende Anteil und zugleich auch die Bemessungsgrundlage des § 37b EStG. 

In dem Zusammenhang kam dann die Frage auf, ob der den Kunden zuzurechnende Vorteil auf die Aufwendungen pro Sitz bei Vollauslastung zu begrenzen ist. Allerdings konnte der klagende Unternehmer außer der Behauptung, es seien Plätze unbesetzt geblieben, keine substantiierten Angaben über leer gebliebene Plätze machen. Gleichwohl ist das FG Berlin-Brandenburg in seiner Urteilsbegründung auf diese Fragestellung eingegangen.

Aus der Sicht des FG Berlin-Brandenburg sei es jedenfalls nicht sachgerecht, bei der Zahlung von Pauschalbeträgen für eine Logennnutzung, einzelne Veranstaltungen herauszuziehen und auf ihre Auslastung hin zu untersuchen. Denn dann, so die Richter, müsste man – ausgehend von dem am allgemeinen Markt geforderten Ticketpreis (Stichwort Topzuschlag!) – die Gesamtaufwendungen unterschiedlich auf die einzelnen Spiele verteilen.

Unabhängig davon, spreche gegen das Herausrechnen von frei gebliebenen Plätzen auch die Überlegung, dass der Aufenthalt in einer nicht voll ausgelasteten VIP-Loge einen höheren Wert hat, als in einer ausgelasteten VIP-Loge. Schließlich habe man eine größere Bewegungsfreiheit und unter Umständen auch eine bessere Sicht. Zudem würden Logen typischerweise nur im Ganzen vermietet, so dass für jeden potentiellen Mieter die Gefahr der Minderauslastung besteht. Es spreche somit nichts dafür, dass die Aufwendungen des Unternehmers, die potentiellen Aufwendungen des Kunden beim Erwerb vergleichbarer Leistungen am Markt überstiegen hätten.

Für VIP-Logen bleibt es also bei der Gesamtbetrachtungsweise. Diese Entscheidung trägt damit auch dem Rechtsgedanken der Pauschalierungsvorschrift § 37b EStG auf Verallgemeinerung Rechnung.

Zum Schluss noch ein Wort zu Energie Cottbus. Ich wünsche dem Verein eine Kehrtwende zum Besseren, oder um es mit den Worten Ihres Kulttrainers, Ede Geyer, zu sagen: „Es muss eine Kehrtwende geben. Aber die muss um 360 Grad erfolgen.“ Ich würde mich jedenfalls über ein Zurück in die Bundesliga freuen und bestimmt auch wieder hingehen.


Es grüßt Sie

Ihr Matthias Janitzky


1 Urteil vom 19.06.2019, 7 K 7250/15, EFG 2019, 1565-1572

2 FG Köln vom 27.06.2018, 3 K 870/17 (Revision VI R 31/18); Blog-Beitrag vom 08.10.2018: Betriebsveranstaltung und die Frage nach dem Umgang mit Absagen

3 § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG

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