Superlative Elektromobilität

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Letzte Woche traf sich die Bundesregierung mit Vertretern der Automobilindustrie zum sog. Autogipfel. Ergebnis des Gesprächs, es gibt noch mehr Geld um die Autobranche auf Zukunftskurs zu bringen und Klimaschutz und Wirtschaftskraft in Einklang zu bringen. So verlängerte die Bundesregierung unter anderem die bereits im Vorhinein aufgestockte Kaufprämie für Elektroautos bis zum Ende des Jahres 2025. Im maximalen Fall zahlt der Staat nunmehr Autofahrern, die ein emissionsfreies Modell (reines Elektroauto) erwerben, maximal 6.000 Euro. Für Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge mit Elektro- und Benzinmotor, gibt es bis 2025 zwar eine gestaffelte und zudem voraussetzungsabhängige Förderung. Gleichwohl stößt gerade diese Förderung auf Kritik von Umweltverbänden und Aktivisten. Durch die "Kaufprämie für dreckige Hybride" würde die nachhaltige Transformation der Autobranche eher geschädigt1.

Betrachtet man die Sichtweise beider Seiten, dann zielt die rückwirkende Anpassung der steuerlichen Förderung emissionsfreier Elektroautos im Dienstwagensegment auf den Beginn der Jahres 2020, sicher in die richtige Richtung.

Liebe Leserin, lieber Leser,  

Zahlen lügen nicht, sagt der Volksmund. Sie sind nur nie die ganze Wahrheit. In diesem Sinne habe ich mich ja bereits in meinem letzten Blog-Beiträge zur Lage bei Elektroautos geäußert2.

Nun liegen die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts vor3. Sie belegen erneut ein landesweit stark zugenommenes Interesse an Elektroautos. Blickt man dann auch nur auf den prozentualen Anstieg dieser Fahrzeuge am Zulassungsvolumen, müsste man sogar in Superlativen sprechen! 

Denn laut Kraftfahrt-Bundesamt verzeichnen die alternativen Antriebsarten im Oktober bis zu dreistellige Zuwachsraten. Mehr als 23.000 emissionsfreie Elektroautos und rund 25.000 Plug-in Hybride wurden im Oktober 2020 neu zugelassen. Das führt bei emissionsfreien Elektroautos zu einem Anteil von 8,4 Prozent (+365,1 %) und bei den Plug-in-Hybriden zu einem Anteil von 9,1 % (+257,8 %) am Zulassungsvolumen.  Vergleicht man diese Zahlen europaweit, legen die Anmeldezahlen emissionsfreier Elektroautos in Deutschland derzeit so stark zu wie nirgendwo sonst in Europa. Beim Marktanteil erreichte Deutschland im Oktober mit 8,4 Prozent einen europaweiten Spitzenwert. Bei Plug-in-Hybriden ist Deutschland mit einem Marktanteil von 9,1 Prozent ebenfalls ganz vorne dabei4.

Aber warum steigen die Zulassungszahlen gerade jetzt immer weiter so stark? Hat bereits ein nachhaltiges Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden, was die Koexistenz von Auto und Klimaschutz anbelangt? Oder sind es lediglich die zuvor genannten staatlichen Fördergelder und/oder sind es auch die steuerlichen Vergünstigungen bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils eines auch privat genutzten Dienstwagens, die die Verkaufs- und Zulassungszahlen für Elektroautos in die Höhe schnellen lassen? 

Sicherlich müssen die aktuell hohen Zulassungszahlen zum einen unter dem Blickwinkel der staatlichen Zuschüsse und zum anderen aber auch unter den steuerlichen Begünstigungen betrachtet werden. Von einem insgesamten Umdenken in der Bevölkerung, was alternative Antriebstechniken anbelangt auszugehen, dafür ist es meines Erachtens noch zu früh. Zu stark immer noch die Vorbehalte in der Bevölkerung. Mit 59 Prozent zweifeln deutlich mehr Menschen an den Öko-Vorteilen von Elektroautos als zuvor5.  

Steuerlich gesehen werden Plug-in-Hybride und emissionsfreie Elektroautos für Dienstwagennutzer dank der günstigeren 0,5-Prozent beziehungsweise 0,25-Prozent-Regelung im Gegensatz zu der regulären 1-Prozent-Regelung bei der Lohnversteuerung des geldwerten Vorteils aus der Privatnutzung sicherlich immer attraktiver.

Die 0,25-Prozent-Regelung für emissionsfreie Elektroautos, zu denen auch die Brennstoffzellenfahrzeuge6 zählen, geht zurück auf das sog. JStG 20197. Sofern ein emissionsfreies Elektroauto vorliegt, ist als Bemessungsgrundlage bei privater Nutzung bei der

  • Pauschalwertmethode der Bruttolistenpreis nur zu einem Viertel anzusetzen und bei der
  • Fahrtenbuchmethode bei der Ermittlung der insgesamt entstandenen Aufwendungen die Anschaffungskosten für das Kfz oder vergleichbare Aufwendungen nur zu einem Viertel zu berücksichtigen. Die Anschaffungskosten finden im Wege der AfA Eingang in die Gesamtkostenermittlung des Kfz.

Unter diese Regelung fielen ab 2020 bisher nur diejenigen emissionsfreien Elektroautos, deren Anschaffung nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2031 liegt und der Bruttolistenpreis nicht mehr als 40.000 Euro beträgt. Zur dauerhaften Steigerung der Absatznachfrage fand diese Regelung jedoch Mitte des Jahres bereits eine ab Jahresbeginn rückwirkend geltende Änderung. Der bisherige Listenhöchstbetrag wurde von 40.000 Euro auf 60.000 Euro angehoben8.

Der Kreis der Fahrzeuge, die nunmehr in dieser Regelung Platz finden, wird dadurch für die Dienstwagennutzer immer interessanter. In diese Richtung lassen sich jedenfalls die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes aus dem Oktober deuten.

Bleibt auch aus Sicht des Klimaschutzes zu hoffen, dass sich der Trend zu mehr emissionsfreien Fahrzeugen auf deutschen Straßen in der Zukunft bestätigt. Auch und insbesondere dann, wenn staatliche Zuschüsse und steuerliche Förderungen ausgelaufen sind.


Bitte bleiben Sie gesund!

Es grüßt Sie,  

Ihr Matthias Janitzky  


6 gemäß Übereinstimmungsbescheinigung nach Anhang IX der Richtlinie 2007/46/EG oder aus der Übereinstimmungsbescheinigung nach Artikel 38 der Verordnung (EU) Nr. 168/2013

7 Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften (BGBl 2019 I, S. 2451)

8 Zweites Corona-Steuerhilfegesetz (BGBl 2020 I, S. 1512)

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