Ein neues Buch zum Thema „Führung im öffentlichen Dienst“

71 Bewertungen

Stefan Scholer hat einen Praxisratgeber zum Thema Führung veröffentlicht. Sehr anschaulich werden bedeutsame Führungsprobleme analysiert und Lösungshinweise gegeben.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

ohne Zweifel ist das Thema „Führung“ im Personalmanagement des öffentlichen Sektors von herausragender Bedeutung. Und dem Autor des im Jahr 2017 veröffentlichten Werkes ist zuzustimmen, dass sich Forschung und auch Ratgeberliteratur zu wenig mit den spezifischen Problemstellungen der Führung im öffentlichen Dienst befassen. Stefan Scholer trägt mit seinem Werk „Führung im öffentlichen Dienst“ dazu bei, diesen Mangel zu beheben.

 


Der Autor


Zum einen hat Stefan Scholer langjährige Erfahrungen als Trainer und Coach. Dadurch erfährt er viel von den Nöten und Sorgen von Führungskräften unterschiedlicher Hierarchieebenen. Zum anderen ist er selbst seit zwölf Jahren Führungskraft in der Landeshauptstadt München, kennt also den Führungsalltag aus eigener Anschauung. Diese Kombination erlaubt es ihm, die Situation von Führungskräften im öffentlichen Sektor umfassend sowie sachkundig zu beschreiben.

 


Ziel und Methode


Der Autor möchte nach eigener Aussage dazu anregen, dass Führungskräfte und Verwaltungen ihre Führungspraxis reflektieren. Dazu stellt er im Werk passgenaue Fragen, deren Beantwortung die Ausgangssituation und elementare Führungsaufgaben verdeutlichen sollen. Zudem gibt Stefan Scholer eine Reihe von Hinweisen, wie bestimmte Führungssituationen bewältigt werden können.

 


Verhaltener Start ...


Die 218 Seiten des Werkes sind in acht Kapitel eingeteilt. Das Werk wird durch ein Literatur- sowie durch ein Stichwortverzeichnis abgerundet. Die ersten beiden Kapitel des Buches haben mich nicht richtig gefesselt. Das einleitende Kapitel steckt technisch korrekt den Rahmen des Werkes ab. Im zweiten Kapitel werden die Themen „Führung“ und „öffentlicher Dienst“ miteinander verwoben, einige zutreffende Spezifika der Führung im öffentlichen Dienst herausgestellt. Diese 15 Seiten bieten dem Praktiker und dem Wissenschaftler wenig Neues.

 


... später rasant!


Die anschließende Darstellung der zehn Aufgaben einer Führungskraft im dritten Kapitel empfand ich dann als anregend und interessant. Dazu hat sicherlich beigetragen, dass ich die von Scholer aufgelisteten Aufgaben mit dem von mir aufgestellten Modell verglichen habe (Was sind eigentlich die Aufgaben einer Führungskraft Teil I, Blog vom 6. und 20.4.2018). Es war schließlich um mich geschehen, als ich mit dem vierten Kapitel begonnen habe. Bis zum Schluss konnte ich nicht mehr vom Buch lassen. In den Kapiteln vier bis acht werden typische Problemlagen von Führungskräften aufgegriffen und zwar derart, dass ich am liebsten immer wieder hinausgerufen hätte, ja genau, so ist es!

 


Leistung fordern! Rahmenbedingungen annehmen!


Da wird beispielsweise vom Autoren das Spannungsfeld zwischen Mitarbeiterorientierung und Aufgabenorientierung aufgezeigt. Scholer weist darauf hin, dass Führungskräfte von ihren Mitarbeitern Leistung fordern müssen (nicht ohne die Balance zur Mitarbeiterorientierung zu verlieren) und dass sie dafür bezahlt werden, den Widerspruch zwischen Mitarbeiterzielen und Organisationszielen auszuhalten und auszutarieren. Weiterhin erläutert der Autor die Klagen über angeblich ungünstige Rahmenbedingungen. Er erwartet jedoch, „... dass sie [die Führungskräfte, d. V.] auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen handeln. Und sie tun dies in aller Regel ja auch“ (S. 101). Der Autor steckt die Finger in manche Wunde, gibt aber jedoch eine ganze Reihe von Hinweisen, wie der Schmerz nicht nur gelindert, sondern die Wunde auch geheilt werden kann.

 


Systemisch mal anders


Das Wort „systemisch“ mochte ich lange Zeit nicht mehr lesen oder hören. Ich hatte stets den Eindruck, dass es als Synonym dafür verwendet wird, dass alles in einer Organisation schrecklich komplex sei und nur der System-Guru Wandelprozese bei Mitarbeitern auslösen könne. Scholer hat mich von dieser Abneigung abgebracht! Er erläutert konkret und praxisnah eine Reihe von interessanten systemischen Strategien und Techniken, die für die Führungspraxis nützlich sind (ob diese Strategien und Techniken im vielgescholtenen „analytischen Denken“ anders sind, sei dahingestellt).

 


Der Klassiker: Motivation. Und: Organisationskultur


Auch der Aspekt „Motivation von Mitarbeitern“ wird ausführlich behandelt.  Pointiert werden Praxisprobleme beschrieben und theoriegeleitet – wie in den anderen Kapiteln auch – wertvolle Hinweise gegeben. Stefan Scholer widmet sich schließlich dem Aspekt der Kulturveränderung. Er zeigt auf, was Führungskräfte für eine Änderung der Organisationskultur konkret leisten können.

 


Klare Aussagen


Der Autor schreibt gut verständlich und anschaulich. Er versteckt sich nicht hinter floskelhaften Formulierungen und trifft klare Aussagen. Eine stärkere Gliederung des Textes würde dem Leser die Orientierung im Text erleichtern.

 


Nicht fürs Regal – zum Lesen!


Insgesamt stellt das Werk eine große Bereicherung der Ratgeberliteratur zum Thema Führung dar. Der Erfahrungsschatz des Autoren ist sehr groß und es gelingt ihm ausgezeichnet, diesen den Leserinnen und Lesern in handhabbarer Form zur Verfügung zu stellen. Es ist allen Führungskräften im öffentlichen Dienst und solchen die es werden wollen, zur Lektüre zu empfehlen.

 

Herzlichst

Andreas Gourmelon

 


 

Quellen:

Scholer, S. (2017). Führung im öffentlichen Dienst. Kissing: Weka Media.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 27.08.2018 um 14:32:
Merci! Das ist die Auswirkung der Hitzeperiode auf meine Hirnwindungen
kommentiert am 25.08.2018 um 21:28:
Der Genitiv lautet »des Autors«, nicht »des Autoren«.
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