Employer Branding in den Tarifverhandlungen

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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne?

Es gehört zum Ritual, dass sich zu Beginn von Tarifrunden die Kontrahenten mit markigen Aussagen in Stellung bringen. So auch diesmal bei der Tarifrunde für die Länder. Da verweist deren neuer Verhandlungsführer  Jens Bullerjahn im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (23.1.013, Nr. 19, S. 6) auf „völlig überzogene“ Forderungen der Gewerkschaften und auf „absolut falsche“ Behauptungen in Bezug auf Steuereinnahmen.  Er stellt den Beschäftigten der Länder in Aussicht, dass sie mit geringeren Entgeltzuwächsen zu rechnen hätten als die  Beschäftigten des Bundes und der Kommunen. Selbstverständlich verweist der Finanzminister von Sachsen-Anhalt auf die Schuldenbremse und den hohen Personalkostenanteil in den Landeshaushalten. Und oberste Priorität hat für ihn die Sanierung der Haushalte. Bis hierhin überraschen die Worte des Ministers wenig, er füllt seine Rolle als Verhandlungsführer im Wettstreit ums Geld gut aus.

 

Was zeichnet den Staat als Arbeitgeber aus?

Überraschend sind allerdings die Behauptungen von Herrn Bullerjahn, was den Staat als Arbeitgeber auszeichnet. Der Staat sei ein fairer Arbeitgeber: er kündige nicht und die Frage nach einem Mindestlohn stelle sich nicht. Auf den berechtigten Hinweis des interviewenden Journalisten, dass es doch immer schwieriger werde, geeignetes Personal zu finden, zählt er die Sicherheit und moderne Jobs als Vorzüge einer Beschäftigung beim Staat auf. Überraschend ist diese Beschreibung deswegen, weil sie ein altbackenes und nicht zeitgemäßes Bild von der Arbeit im öffentlichen Sektor zeichnet. Dieses Bild konterkariert die intensiven Bemühungen vieler Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes wirksam Personalmarketing zu betreiben und sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. Es stellt weiterhin eine Zumutung für diejenigen dar, die sich bereits im und für den Staat engagieren.

 

Der Staat als Zufluchtsort für verängstigte Träger von Ärmelschonern?

Soll der Staat damit Werbung machen, dass seine Entgelte über dem Mindestlohn liegen? Ich meine, mit der Herausstellung dieser Selbstverständlichkeit werden engagierte und qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber nicht angelockt sondern verschreckt. Für eine 19-jährige Frau ist es heutzutage keine verlockende Perspektive bei einem Arbeitgeber beschäftigt zu sein, der verspricht, dass der Lohn zum Leben reicht und kein ergänzendes „Hartz IV“ beantragt werden muss. Und was soll der Hinweis auf „moderne Jobs“? Selbst ein 16-jähriger Jugendlicher wird sich fragen, was das denn konkret bedeutet. Ist der Minister Bullerjahn stolz darauf, dass die Beschäftigten des Landes Sachsen-Anhalt ihre Bescheide inzwischen mit dem PC statt mit der Schreibmaschine verfassen? Oder gibt es in der Privatwirtschaft noch Betriebe, die mit dem Alphorn statt mit dem Telefon kommunizieren? Der Hinweis auf die Jobsicherheit ist auch nicht förderlich. Allgemein wird die Erkenntnis akzeptiert, dass wir mit diesem Argument leistungsfähige, motivierte, aufgeschlossene und wandlungsbereite Bewerberinnen und Bewerber nicht überzeugen.

 

Meine Bitte an Minister Bullerjahn

Das launige Kanzler-Wort des „faulen Lehrers“ hat das Image dieses Berufs über einige Jahre geschädigt und das berufliche Wirken vieler Lehrkräfte der Lächerlichkeit preis gegeben. Der Schaden war enorm. Meine Bitte an Herrn Bullerjahn ist, diesen Fehler nicht auch nur ansatzweise zu wiederholen.  Es geht darum, unbedachte und wenig differenzierte Äußerungen zu vermeiden. Erweisen Sie den vielen Behörden und Kommunen, die gutes „employer branding“ betreiben, keinen Bärendienst! Statt des Merkmals der Jobsicherheit könnten Sie beispielsweise herausstellen, wie bedeutsam die Arbeit der Polizisten, der Lehrerinnen, der Straßenwärter für die Gesellschaft ist. Statt auf den Mindestlohn könnten Sie auf die Verantwortung hinweisen, die Verwaltungswirte, Bauingenieurinnen oder Lebensmittelkontrolleure in der Berufspraxis schnell übertragen bekommen. Machen Sie darauf aufmerksam, dass es im öffentlichen Sektor um das Gemeinwohl, die Sicherung von Rechtsstaat und Demokratie sowie die Gewährleistung einer sozialen Marktwirtschaft geht. Ich wünsche Ihnen bei der positiven Darstellung der Arbeit im öffentlichen Dienst viel Erfolg (als Landesbeschäftigter halte ich mich allerdings etwas zurück, Ihnen die Daumen für die Entgeltverhandlungen zu drücken ;-)

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