Freiwillig Tätige brauchen Qualifizierung

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Eine aktuelle Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt: Gut ein Viertel der Engagierten bildet sich für ihr Engagement aus oder weiter.

In der Corona-Krise wird es erneut deutlich: Ohne das freiwillige Engagement der Bürgerinnen und Bürger wären viele staatliche und kommunale Organisationen nicht in der Lage, ihre Aufgaben in einer hochwertigen Art oder überhaupt zu bewältigen. Bereits im Blog-Beitrag vom Juli 2015 wurde auf die Fortbildung von ehrenamtlich Tätigen eingegangen. Nun liegt eine neue Studie von Andrea Walter (HSPV NRW) und Matthias Freise (WWU Münster) vor, in der die Qualifizierung von bürgerschaftlich Engagierten im Mittelpunkt steht.


Qualifizierung ist für Engagierte erforderlich

Bevor eine freiwillige Feuerwehrfrau zu ihrem ersten Einsatz ausrücken darf, muss sie eine Truppmannausbildung absolvieren, auch ein ehrenamtlicher Basketballtrainer bedarf mindestens einer zertifizierten Grundausbildung, um eine Vereinsmannschaft zu trainieren: Viele gesellschaftliche Aufgaben könnten ohne spezielle Qualifizierung gar nicht von Engagierten übernommen werden. Engagierte benötigen Fachwissen, aber auch praktische Anleitung und persönliche Reflexionsmöglichkeiten, um ihren anspruchsvollen Tätigkeiten im Engagement gerecht werden zu können – folglich handelt es sich um eine Form von Personalentwicklung.


Ehrenamts-Studie NRW  

Prof.‘in Andrea Walter und Privatdozent Dr. Matthias Freise haben im Rahmen einer Studie (Online-Befragung von 1.008 Engagierten in NRW in 2019 durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov) Umfang und Arten der Qualifizierung von Engagierten in NRW genauer untersucht. Rund ein Viertel der Befragten gab an, über eine Qualifizierung im Ehrenamt zu verfügen.


In welchen Bereichen qualifiziert wird

Die Top 5 bilden bei der Qualifizierung die Engagementfelder „Unfall-/Rettungsdienst“ (z.B. als Feuerwehrfrau), „Gesundheit“ (z.B. als Hospiz- oder Demenzbegleiter), „Erwachsenenbildung“ (z.B. als Referent in der politischen Bildung), „Justiz und Kriminalitätsvorbeugung/-bewältigung“ (z.B. als Opferhelferin oder Schöffe) sowie der „Sport“ (z.B. als Trainer oder Schiedsrichterin). 

Die Aufstellung zeigt anschaulich, dass Qualifizierungen in sämtlichen Engagementfeldern eine wichtige Rolle spielen. Dass Qualifizierungsmaßnahmen gegenwärtig noch an Bedeutung zunehmen, zeigen Entwicklungen wie in der Katholischen Kirche: Hier werden zunehmend mehr Dienste an Ehrenamtliche übertragen – vorausgesetzt diese durchlaufen zuvor eine entsprechende Qualifizierung (z.B. Wort-Gottes-Feierleiterin, Begräbnisfeierleiter)


Art und Umfang von Qualifizierungen unterschiedlich

Ein Blick auf Webseiten ausgewählter Vereine und Verbände in NRW zeigt, dass Art und Umfang ehrenamtlicher Personalentwicklungsmaßnahmen sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Dies wird bereits in den Begrifflichkeiten deutlich: Mal ist von Schulung, mal von Training, Qualifizierung oder Ausbildung die Rede. Auch im Umfang differenzieren die Angebote stark, was sich mit dem unterschiedlichen Anforderungsprofil des jeweiligen Engagements erklären lässt: Die Qualifizierung zum Kommunionhelfer im Bistum Münster umfasst einen Ausbildungstag, eine Truppmannausbildung bei der Feuerwehr mindestens 150 Unterrichtsstunden.


Trägt Qualifizierung zur Motivation bei?

In Bezug auf die Engagierten selbst zeigt die Studie, dass jene, die eine persönliche bzw. fachliche Qualifikation durchlaufen haben, umfänglicher engagiert sind, als Engagierte ohne Qualifizierung, nämlich durchschnittlich eine Stunde mehr pro Woche. Erklärungsansätze könnten darin liegen, dass Engagierte mit Qualifikation ihr Engagement als verbindlicher wahrnehmen, ggf. aber auch motivierter sind als solche ohne Qualifikation. So wissen wir bereits aus dem Freiwilligensurvey, der alle fünf Jahre die Engagierten in Deutschland befragt, dass „Qualifikationen erwerben“ eine Hauptmotivation für die Übernahme eines Engagements ist (Simonson, Vogel & Tesch-Römer, 2016, S. 38).


Die Studie „Der Wert bürgerschaftlichen Engagements in Nordrhein-Westfalen“ ist hier verfügbar.
 

Herzlichst

Andreas Gourmelon


Quelle:

Simonson, J., Vogel, C. & Tesch-Römer, C. (2016). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys. Berlin: BMFSFJ. Download unter: www.bmfsfj.de/blob/113702/ 53d7fdc57ed97e4124fffec0ef55 62a1/vierter-freiwilligensurvey-monitor-data.pdf

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