Junge Männer – was sie sich von ihrem Traumjob wünschen

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Bei der Berufswahl achten junge Männer mehr als junge Frauen auf ein hohes Gehalt und auf Karriereperspektiven. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihnen weniger wichtig.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

einige Kommunalverwaltungen beklagten sich bei mir, dass sich zunehmend weniger junge Männer um Ausbildungs- und Studienplätze bewerben würden. Es ist mir zugetragen worden, dass der Anteil der Männer bei den Bewerbungen für die Laufbahn gehobener Dienst derzeit ca. 25% betragen würde. Meine Vermutung ist, dass dies an den Personalmarketing-Maßnahmen der Kommunalverwaltungen liegt. Junge Frauen und junge Männer – so meine Vermutung – lassen sich durch unterschiedliche Argumente von einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst überzeugen. Bürgisser (2011, S. 16 f.) meint, dass im Kontext der Förderung einer geschlechtsspezifischen Vielfalt insbesondere die Wünsche und Eigenschaften weiblicher Nachwuchskräfte Berücksichtigung fänden, wohingegen die Bedürfnislagen von Männern häufig ausgeblendet würden. Diese Problematik einer überwiegend eindimensional ausgerichteten Förderung der Geschlechter führe nach Bürgisser (2011, S. 16 f.) dazu, dass der Blick in unzulänglichem Maße auf die Beachtung der männlichen Perspektive gerichtet werde. Vor diesem Hintergrund sollten Behörden und Kommunalverwaltungen eine neue Denkrichtung in der Rekrutierung von Nachwuchskräften einschlagen. Eine besondere Aufgabe dieser Organisationen besteht darin, die Besonderheiten konkreter Bewerbergruppen „...herauszufiltern, zu verstehen und in Konzepte einzubeziehen, die diesen Menschen persönlichen und beruflichen Erfolg und damit dem Unternehmen Vorteile verschaffen“ (Bambach & Kuhn-Fleuchaus, 2015, S. 116).

 


Empirische Studien zum Berufswahlverhalten


Julia auf´m Kamp, Studierende an der FHöV NRW, analysierte die Ergebnisse empirischer Studien zum Berufswahlverhalten und hat hieraus die konkreten Prioritäten, Orientierungsmuster und Ansprüche an das Berufsleben junger Männer abgeleitet. Bei ihrer Analyse berücksichtigte Frau auf´m Kamp die Ergebnisse ...

  • der 17. Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2015 (Albert, Hurrelmann, Quenzel & TNS Infratest Sozialforschung, 2015),

  • der Studie von Bethke aus dem Jahr 2014 (Bethke & Gourmelon, 2014)

  • sowie der McDonald`s Studie aus dem Jahr 2017 (McDonald´s Deutschland 2017).

 

Im Rahmen einer eingehenden Untersuchung dieser empirischen Studien wurde ersichtlich, dass sowohl Aspekten der Sicherheit als auch dem abstrakten Gefühl der Freude an der künftigen beruflichen Tätigkeit für die Befragten unabhängig von der jeweiligen Geschlechtszugehörigkeit eine übergeordnete Relevanz beigemessen wird.

 


Berufswahl ist durch Rollenmuster geprägt


Durch eine differenzierte Betrachtung von Geschlechtsunterschieden in der beruflichen Orientierung wurde deutlich, dass die Berufswahl Jugendlicher erheblich durch geschlechtsbezogene Rollenmuster geprägt wird. In dieses Bild fügt sich insbesondere der Befund, dass traditionelle Muster der beruflich-familialen Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern noch immer präsent zu sein scheinen und diese von einer Vielzahl der Befragten bereits vor der tatsächlichen Familiengründung antizipiert werden.

 


Wichtig: Einkommenshöhe, Karriereperspektiven


In diesem Kontext konnte eine überwiegende Zweckorientierung männlicher Jugendlicher bei der Berufswahl festgestellt werden. Junge Männer legen höheren Wert auf materielle Kriterien, wie beispielsweise die Einkommenshöhe oder Karriereperspektiven. Die empirischen Untersuchungen konnten zudem belegen, dass tendenziell eher die männlichen Befragten eine Bereitschaft zur Wochenendarbeit aufweisen oder der Aussage zustimmen, Überstunden seien als Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben zu akzeptieren. Dahingegen legen männliche Jugendliche bei der Berufsfindung geringeren Wert auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 


Auch wichtig: Jobsicherheit und Zukunftsperspektiven


Außerdem wurde durch die Ergebnisse der Studien deutlich, dass die Jobsicherheit und damit die Zukunftsperspektive für männliche Jugendliche ein bedeutsames übergeordnetes Interesse im Rahmen des beruflichen Orientierungsprozesses bildet. Aus diesem Grund sollte seitens der Behörden und Kommunalverwaltungen überzeugende Perspektiven für die dauerhafte Beschäftigung der Nachwuchskräfte eröffnet werden.

 


Identifikationsmöglichkeiten schaffen


Für Jugendliche ist es schwierig, den Aspekt „Freude an der beruflichen Tätigkeit“ bei einem konkreten Beruf oder Job zutreffend einzuschätzen. Hierzu fehlt es ihnen schlichtweg an Lebens- oder gar Berufserfahrung. Eine Möglichkeit, dieser Problematik der überwiegenden Unzugänglichkeit spezifischer innerbetrieblicher Werte und Einstellungen zu begegnen, biete der Dialog mit ehemaligen sowie aktuellen Beschäftigten der Behörde. Durch Beschäftigte, mit denen sich die Jugendlichen identifizieren können, eröffne sich eine authentische Perspektive auf diejenigen organisationsspezifischen Informationen, welche durch den Bewerber noch nicht überprüfbar sind.

 


Fazit


Für eine zielgruppengerechte Ansprache männlicher Nachwuchskräfte ist nach Julia auf´m Kamp insbesondere eine transparente und verständliche Abbildung der innerbetrieblichen Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten von Bedeutung. Dementgegen ist die Aufmerksamkeit in geringerem Maße auf die Darstellung der sozialen Aspekte des jeweiligen Jobs / Arbeitgebers zu richten. Die empirischen Befunde verweisen darauf, dass männliche Jugendliche diesen Aspekten als Determinanten der Berufswahl eher skeptisch gegenüberstehen.

 

Herzlichst

Andreas Gourmelon


 

Quellen:


Albert, M.; Hurrelmann, K.; Quenzel, G. & TNS Infratests Sozialforschung (2015). 17. Shell Jugendstudie: Jugend 2015. https://www.shell.de/ueber-uns/die-shell-jugendstudie/multimediale-inhalte/_jcr_content/par/expandablelist_643445253/expandablesection.stream/1456210165334/d0f5d09f09c6142df03cc804f0fb389c2d39e167115aa86c57276d240cca4f5f/flyer-zur-shell-jugendstudie-2015-auf-deutsch.pdf (Abruf am 16.07.2018)


Bambach, M. & Kuhn-Fleuchaus, C. (2015). Diversity Management. Unsichtbare Potenziale fördern (7. Aufl.). Stuttgart: Steinbeis-Editition.


Bethke, V. & Gourmelon, A. (2014). Was Abiturienten wollen – Interessen, Motive und Entscheidungsprozesse der Berufswahl als Grundlage für ein wirksames Personalmarketing. Der öffentliche Dienst (3/2014), S. 49-58.


Bürgisser, M. (2011). Vereinbarkeit von Beruf und Familie – auch für Männer. Herausforderungen, Probleme, Lösungsansätze. Bern: hep verlag ag.


McDonald’s Deutschland (Hrsg.) (2017). Die McDonald’s Ausbildungsstudie 2017. Job von Morgen! Schule von Gestern. Ein Fehler im System? URL: https://karriere.mcdonalds.de/docroot/jobboerse-mcd-career-blossom/assets/documents/McD_Ausbildungsstudie_2017.pdf (Abruf am 12.06.2018).

 

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