Quereinsteiger einstellen oder Nachwuchskräfte selbst ausbilden?

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Personalexperten geben Auskunft über ihre Erfahrungen bei der Einstellung, Einarbeitung und Einsatz von Quereinsteigern in Jobcentern im Vergleich zu verwaltungsintern ausgebildeten Nachwuchskräften.

Liebe Leserinnen und Leser,

zur Deckung des Bedarfs von Nachwuchskräften gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits können Nachwuchskräfte selbst ausgebildet oder andererseits bereits ausgebildete Fachkräfte eingestellt werden. Bei der zweiten Variante ist zu unterscheiden, ob diese Fachkräfte berufsnah von anderen Behörden oder Verwaltungen ausgebildet wurden oder ob diese Fachkräfte eine Ausbildung/Studium aufweisen, die hinsichtlich der Ausbildungs-/Studiumsinhalte oder des Ausbildungsinstitution als berufsfern zu bezeichnen sind.  Letztere sollen nachfolgend als Quereinsteiger bezeichnet werden.

Welche Vor- und Nachteile sind mit der Einstellung von Quereinsteigern im Vergleich zur Einstellung von Auszubildenden / Studierenden verbunden? Kristin-Sophie Laschinsky, Absolventin der FHöV NRW, befragte hierzu Personalexperten aus den Jobcentern des Ruhrgebiets. Diese haben seit der Gründung der Jobcenter im Jahr 2005 Erfahrungen mit der Einstellung von Quereinsteigern erworben. Daneben werden dort auch Absolventen von Verwaltungsstudiengängen der Kommunalverwaltungen und der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt.


Personalplanung

Mit Quereinsteigern könne schneller und flexibler auf Personalbedarf reagiert werden. Sofern der Nachwuchs selbst ausgebildet werde, ist der Bedarf und das Stellenbesetzungsverfahren frühzeitig (rund vier Jahre vorab) festzustellen bzw. einzuleiten.


Stellenbesetzungsverfahren

Nach Ansicht der Praktiker wird bei Ausschreibungen für Quereinsteiger eine größere Zielgruppe erreicht. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, die bestgeeignetsten Kandidaten zu finden. Dies treffe gerade dann zu, wenn für spezielle Fachgebiete Personal gesucht werde. Allerdings sei die Auswahl von Quereinsteigern mit einem höheren Risiko der Fehlentscheidung sowie gelegentlich mit einem höheren Zeitaufwand verbunden. Das Risiko von Fehlbesetzungen werde bei Quereinsteigern dadurch kompensiert, dass deren Arbeitsvertrag anfänglich befristet werde.


Identifikation mit dem Arbeitgeber

Ob zwar Quereinsteiger mit der Anstellung in den Jobcentern sehr zufrieden seien, ist deren Identifikation mit dem Arbeitgeber in den ersten Jahren niedriger einzustufen als diejenige der selbst ausgebildeten Nachwuchskräfte. Das ist meiner Meinung nach dadurch zu erklären, dass die verwaltungsintern ausgebildeten Nachwuchskräfte schlichtweg keine anderen Arbeitgeber kennen.


Einarbeitung

Die Einarbeitung von Quereinsteigern ist – abhängig von der Stelle – oftmals aufwendiger als diejenige von verwaltungsintern ausgebildeten Fachkräften. Das ist nicht überraschend, da Aufgabeninhalte, Verwaltungsstrukturen und –prozesse regelmäßig Gegenstand von verwaltungsinternen Studiengängen sind. Es wäre sicherlich interessant zu untersuchen, inwiefern die Einbindung in die Organisationskultur bei Quereinsteigern gelingt – verwaltungsintern ausgebildete Nachwuchskräfte sind ja während ihres Studiums einer erheblichen Sozialisationsdruck ausgesetzt.


Betriebsblindheit

Mit Quereinsteigern könne eine gewisse Betriebsblindheit vermieden werden. Ein Personalkörper, in dem viele Quereinsteiger vertreten seien, zeichne sich durch eine hohe Diversität bezüglich beruflicher Kompetenzen aus.

Sind zur Bearbeitung der Aufgaben einer Behörde oder Verwaltung vielfältige berufliche Kompetenzen erforderlich, erscheint die Ergänzung des Personalstamms durch Quereinsteiger sinnvoll. Entscheidend ist, ob die Einarbeitung und Einbindung dieser Gruppe gut gelingt. Ist dies der Fall, weisen sie – so die Ansicht der Personalpraktiker – das gleiche Potenzial auf wie verwaltungsintern ausgebildete Fachkräfte.

 

Herzlichst

Ihr Andreas Gourmelon


Quelle:

Laschinsky, K.-S. (2019). Chancen und Risiken bei der Einstellung von Quereinsteigern. Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Abt. Gelsenkirchen, unveröffentlichte Abschlussarbeit.

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