Was macht die Arbeitgeberattraktivität aus?

73 Bewertungen

Ein wirtschaftspsychologisches Experiment überprüft den Nutzen von Zertifikaten und Labels im Rahmen der Personalwerbung.

Liebe Leserinnen und Leser,

in Zeiten des „war for personnel“ erfährt das Personalmarketing eine hohe Bedeu-tung. Studiert man die Internet-Auftritte von staatlichen und kommunalen Arbeitge-bern so fällt auf, wie intensiv diese sich bemühen, sich den Bewerbern gegenüber als attraktiver Arbeitgeber auszuzeichnen. Geworben wird häufig mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Charta der Vielfalt, den abwechslungsreichen Aufgaben, der Inklusion, dem sicheren Arbeitsplatz. Gelegentlich werden auch Zertifikate und Auszeichnungen (z.B. „audit berufundfamilie“) präsentiert. Fördern diese Zertifikate und Auszeichnungen aber tatsächlich die Arbeitgeberattraktivität? Und das insbesondere bei Nachwuchskräften?

Antworten auf diese Fragen bietet ein wirtschaftspsychologisches Experiment der Professoren Lohaus und Rietz1. Sie befassten sich in ihrer Studie mit der frühen Phase der Rekrutierung, nämlich der Bewerberansprache mittels Stellenanzeigen. In dieser Phase sind eine Reihe von Merkmalen der Arbeitgeberattraktivität für die Bewerber nicht bedeutsam, da die Bewerber in dieser Phase über diese Merkmale keine oder kaum Informationen verfügen. Zu diesen Merkmalen zählen z. B. die Entgelthöhe, die Arbeitsatmosphäre im Team, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Merkmale, die schon während der Bewerberan-sprache eine Rolle spielen, sind die Bekanntheit des Arbeitgebers aber auch Auszeichnungen, Zertifikate, Label u.ä.m. Letztere können und werden oftmals in Stellenanzeigen verwendet.

Die beiden Professoren aus Darmstadt und Köln hatten die Vermutung, dass Stel-lenanzeigen mit Labels als attraktiver eingeschätzt würden als solche ohne. Zudem nahmen sie an, dass Stellenanzeigen von bekannten Unternehmen als attraktiver eingeschätzt würden.

Zur Prüfung ihrer Vermutungen wurden Experimente durchgeführt. Insgesamt 248 Studierende mussten die Attraktivität verschiedener Stellenanzeigen, bei denen die Merkmale Bekanntheit und Label variiert wurden, einschätzen.

Erwartungsgemäß wurden die Stellenanzeigen bekannter Unternehmen als attrakti-ver bewertet. Die Verwendung von Labels hatte keinen Einfluss auf die Attraktivität.

Lohaus und Rietz folgern aus ihren Studienergebnissen: „Während Bekanntheit eines Unternehmens die Arbeitgeberattraktivität steigert, haben Label [...] zumindest in dieser frühen Phase der Rekrutierung keine Wirkung gezeigt. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Verwendung von Labels auf Stellenanzeigen zumindest in der bisherigen Form nutzlos ist“2.

Für die Praxis lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • In Stellenanzeigen oder in Internet-Auftritten müssen Labels oder Zertifikate erläutert werden. Ganz auf Labels zu verzichten, ist nicht sinnvoll. Labels können in späteren Phasen der Rekrutierung oder auch bei der Personalbindung eine bedeutsame Rolle spielen.

  • Vorrangig sollten im Personalmarketing die Mittel dafür verwendet werden, die Bekanntheit der staatlichen und kommunalen Arbeitgeber zu steigern. Das kann mit Messeauftritten, Schulbesuchen, Unterstützung von Berufsberatern und –lehrern u.v.m. erreicht werden.


Ich wünsche Ihnen einen schönen Start ins Frühjahr!

Herzlichst
Andreas Gourmelon



1 Lohaus, D. & Rietz, C. (2015). Arbeitgeberattraktivität. Der Stellenwert von Bekanntheit und Labels in der frühen Rekrutierungsphase. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 2/15, S. 70 – 84.

2 Lohaus & Rietz, 2015,  S. 81.

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.
Ihr Kommentar erscheint unter Verwendung Ihres Namens. Weitere Einzelheiten zur Speicherung und Nutzung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag
Login
 
Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Kostenlose Hotline: 0800-2183-333
Kontaktformular

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular benutzen und wir melden uns bei Ihnen.

Kontaktformular
Beste Antworten. Mit den kostenlosen rehm Newslettern.
Jetzt aus zahlreichen Themen wählen und gratis abonnieren  

Kundenservice

  • +49 0800-2183-333
  • Montag - Donnerstag:    8-17 Uhr
  • Freitag:                           8-15 Uhr
  • Sie können uns auch über unser Kontaktformular Ihre Fragen und Anregungen mitteilen.

Verlag und Marken

Unsere Themen und Produkte

 

Service

 

Rechtliches

Ihre Vorteile

Folgen Sie uns

       

Zahlungsarten 

Rechnung Bankeinzug   MastercardVisa

PayPal Giropay Sofortüberweisung