Wird sich der Konkurrenzkampf um Beschäftigte verschärfen?

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials prognostiziert. Angesichts der Ergebnisse sollten Personalveranwortliche verstärkt in Personalwerbemaßnahmen investieren.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Personalverantwortliche bemerken derzeit, dass die Anzahl der Bewerbungen bei vielen Stellenausschreibungen rückläufig sind. Diese Beobachtung wird vor allem bei besonders gefragten Berufsgruppen – wie z. B. Informatikern, Bauingenieuren, Ärzten, Erziehern – und im Süden Deutschlands gemacht. Der öffentliche Sektor wird bis 2028 angesichts der Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 1,2 Millionen Beschäftigte aus Altergründen verlieren. Die Frage ist, ob am Arbeitsmarkt zukünftig genügend Arbeitskräfte angeworben werden können, um diese freiwerdenden Stellen zu besetzen. Zum einen hängt dies von der wirtschaftlichen Entwicklung und der daraus resultierenden Konkurrenzsituation um Arbeitskräfte mit Privatunternehmen, zum anderen aber auch von der Entwicklung des Arbeitskräfteangebots ab. Das Arbeitskräfteangebot kann durch das Erwerbspersonenpotenzial bestimmt werden.



Erwerbspersonenpotenzial


Das Erwerbspersonenpotenzial wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, 2017, S. 1) definiert als die Summe der Erwerbstätigen, der Erwerbslosen und der Stillen Reserve. Zur Stillen Reserve werden Personen gezählt, die unter anderen Bedingungen bereit wären, eine Arbeit aufzunehmen. Das können beispielsweise Personen sein, die es aufgegeben haben, sich um eine Arbeit zu bemühen. Maximal kann das Erwerbspersonenpotenzial dem Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter entsprechen. Das Erwerbspersonenpotenzial betrug in Deutschland im Jahr 2015 nach Schätzungen des IAB rund 45,8 Millionen Personen.

 


Prognose des Erwerbspersonenpotenzials


Die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials hängt von einer Vielzahl von Größen ab, beispielsweise ...

  • der Altersstruktur der Bevölkerung. So ist bekannt, dass alsbald die geburtenstarken Jahrgänge altersbedingt nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen,
  • der Geburtenrate; diese beeinflusst das Erwerbspersonenpotenzial naturgemäß nur langfristig,
  • der Erwerbsquote von Frauen und Älteren,
  • der Differenz von Zu- und Abwanderung (Nettowanderungssaldo) von Personen nach Deutschland. Im langjährigen Mittel beträgt der Nettowanderungssaldo rund 194.000 Personen.

 

In einem seiner Szenarien geht das IAB davon aus, dass das Nettowanderungssaldo jährlich 200.000 Personen beträgt und die Erwerbsquote von Frauen und Älteren weiter steigt. Bis 2030 wird in diesem – von den Nürnberger Forschern als realistisch bezeichnet – Szenario ein Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials auf rund 44,5 Millionen, bis 2040 auf rund 42,1 Millionen Personen vorhergesagt. Gegenüber dem Stand von 2015 bedeutet dies einen Rückgang bis zum Jahr 2030 um 3 % bzw. bis zum Jahr 2040 um 8 %.


Wesentlich ist die Prognose des Erwerbspersonenpotenzials von Annahmen über das Nettowanderungssaldo abhängig. Wird ein Nettowanderungssaldo von Null angenommen, ginge das Erwerbspersonenpotenzial bis 2030 um 8,5 % zurück; betrüge das Nettowanderungssaldo 400.000 Personen würde das Erwerbspersonenpotenzial bis 2030 um knapp 1 % zunehmen.

 


Was nicht beachtet wurde


In dem Szenario des IAB wird nicht berücksichtigt, wie sich die Verlängerung der Schulzeiten auf das Erwerbspersonenpotenzial auswirkt. So ist bekannt, dass in vielen Bundesländern das Abitur statt nach 12 erst wieder nach 13 Jahren erlangt werden soll. Zudem beobachte ich bei vielen Abiturienten die Tendenz, nach dem Abitur erstmal eine längere Pause zu machen. Damit stehen die jungen Menschen erst später dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Auch diese beiden Entwicklungen dürften zu einer weiteren Verringerung des Erwerbspersonenpotenzials führen.

 


Folgerungen


Die Personalverantwortlichen dürfen nicht davon ausgehen, dass sich ihre Situation angesichts der Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials entspannt. Bleibt die wirtschaftliche Lage in Deutschland zumindest stabil, ist mit einem über die Jahre leicht steigenden Konkurrenzdruck um Arbeitskräfte zu rechnen. Die Arbeitgeber des öffentlichen Sektors tun gut daran, verstärkt in Personalmarketingmaßnahmen zu investieren.

 


Herzlichst
Ihr
Andreas Gourmelon

 

Quellen:

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2017). IAB-Kurzbericht 6/2017.
http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb0617.pdf (Abruf am 15.01.2019).

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