Bundesumweltministerin Steffi Lemke zeichnet die recyclingpapierfreundlichsten Kommunen und Hochschulen Deutschlands aus

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Der diesjährige Papieratlas-Wettbewerb stand unter der Schirmherrschaft der Bundesumweltministerin Steffi Lemke. Mit dem Wettbewerb sucht die „Initiative Pro Recyclingpapier“ gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt, dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund, dem Deutschen Landkreistag sowie dem Deutschen Hochschulverband jedes Jahr die recyclingpapier-freundlichsten Städte, Landkreise und Hochschulen Deutschlands.

Seit 15 Jahren fördert der Papieratlas nachhaltiges Handeln am Beispiel von Recyclingpapier. Durch die Würdigung der Vorreiter motiviert der Wettbewerb jedes Jahr mehr Kommunen und Hochschulen zur Umstellung auf Papier mit dem Blauen Engel.  

Das Umweltzeichen Blauer Engel und seine Vergabekriterien erfüllen grundsätzlich die vergaberechtlichen Maßgaben. Der Blaue Engel ist ein sogenanntes TYP I – Umweltzeichen, welches auf der internationalen Norm DIN EN ISO 14024 „Umweltkennzeichnungen und -deklarationen - Umweltkennzeichnung Typ I - Grundsätze und Verfahren (ISO 14024:2018)“ basiert. Es unterscheidet sich durch die umfassende und unabhängige Auszeichnung der besseren Produkte einer Produktgruppe von solchen Produktkennzeichen, die beispielsweise nur ein Kriterium betrachten oder von Herstellern selbst vergeben werden (siehe https://www.blauer-engel.de/de/blauer-engel/unser-zeichen-fuer-die-umwelt). 

Der öffentlichen Hand obliegt mit Blick auf eine nachhaltige Beschaffung eine besondere Vorbildfunktion, die insbesondere auch durch die Verwendung von Recyclingpapier mit dem „Blauen Engel“ erzielt werden könne, insbesondere da seit der Novellierung des Vergaberechts, Umweltzeichen direkt in der Leistungsbeschreibung einschließlich deren technischen Anforderungen genannt werden können (s. § 34 VgV; § 24 UVgO). Für Bundesbehörden ist die Verwendung von Papier mit dem Blauen Engel nicht nur eine Möglichkeitsondern ein erklärtes Ziel im Sinne einer nachhaltigen Beschaffung 

Am 1. Februar 2022 erfolgte der Startschuss zum Papieratlas 2022. Städte und Landkreise sowie Hochschulen waren eingeladen, ihre Daten zum Papierverbrauch und zur Verwendung von mit dem „Blauen Engel“ zertifizierten Recyclingpapier bei der Initiative Pro Recyclingpapier einzureichen. Der Papieratlas 2022 verdeutlicht in eindrucksvoller Weise das Engagement für eine nachhaltige Papierbeschaffung und stellt zugleich die Einspareffekte durch die Nutzung von Recyclingpapier in Bezug auf die Einsparung von Ressourcen im Verbrauch an Wasser, Holz sowie Energie und CO2- Emissionen dar (s. Pressemitteilung IPR v. 1.2.2022). 

Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Bundesumweltministerium in Berlin wurden am 11.10.202die Ergebnisse des Papieratlas 2022 vorgestellt und die Siegerinnen und Sieger in den Kategorien "Recyclingpapierfreundlichste/r Stadt/Landkreis/Hochschule", "Aufsteiger des Jahres" und "Mehrfachsieger" von der BMUV-Hausleitung ausgezeichnet 

Der Papieratlas 2022 bildet den Papierverbrauch und die Recyclingpapierquoten von 227 Teilnehmern (Städte, Landkreise und Hochschulen) ab.

Am Städtewettbewerb beteiligten sich 102 Groß- und Mittelstädte, die mit über 93 Prozent Blauer-Engel-Papier erneut ihr Spitzenniveau aus dem Vorjahr übertreffen. Für den Landkreiswettbewerb haben erstmals 75 Landkreise ihre Daten eingereicht und steigern den Recyclingpapieranteil auf rund 85 Prozent. Im Hochschulwettbewerb erreichen die 50 Hochschulen mit über 79 Prozent einen neuen Bestwert. Durch die Verwendung von Papier mit dem Blauen Engel haben die Kommunen und Hochschulen seit Beginn des Papieratlas im Vergleich zu Frischfaserpapier eine Einsparung von über 8 Milliarden Litern Wasser und mehr als 1.800 Gigawattstunden Energie bewirkt (Pressemitteilung IPR v. 11.10.2022). 

Nach dem Ergebnis der Teilnehmerangaben erreichten die 102 teilnehmenden deutschen Groß- und Mittelstädte eine durchschnittlichen Recyclingpapierquote von 93,66 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2021 konnte nochmals eine leichte Steigerung um 1 Prozentpunkte erzielt werden.  

Die durch die IPR erhobenen Daten zeigen, dass der Einsatz von Recyclingpapier gegenüber der Verwendung von Frischfaserpapieren in der öffentlichen Verwaltung deutlich in den Vordergrund gerückt ist. Ein deutliches Zeichen für die verstärkte Akzeptanz hinsichtlich des Einsatzes von Recyclingpapier ist die stetig steigende Beteiligung von öffentlichen Verwaltungen einschließlich der Hochschulen an der von der Initiative Pro Recyclingpapier, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, dem Umweltbundesamt, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund bereits seit fünfzehn Jahren initiierten Umfrage zur Nutzung von Recyclingpapier im kommunalen Verwaltungsbereich.

Bereits zum Fünften Mal haben auch Landkreise am Wettbewerb teilgenommen.Die teilnehmenden 75 Landkreise erzielten eine durchschnittliche Recyclingpapierquote von 84,60 %. Gegenüber dem Erhebungsjahr 2021hat sich diese Quoteleicht um ca. 0,5 % erhöht 

Daneben beteiligten sich 50 Universitäten und Fachhochschulen am Wettbewerb mit einer Recyclingpapierquote von 79 % (Vorjahr: 77,99 %) 

Das Umweltbundesamt weist daraufhin, dass beim ökologischen Systemvergleich Papierprodukte aus Altpapier hinsichtlich Ressourcenverbrauchs, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch wesentlich günstiger abschneiden als Papierprodukte mit überwiegendem Primärfaseranteil. Bei der Herstellung von Druckerzeugnissen trägt somit die Verwendung von Papieren mit hohen Altpapieranteilen zur Schonung von Ressourcen, insbesondere des Ökosystems Wald, und zur Verminderung des Abfallaufkommens bei (siehe https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt/druckereien-und-druckerzeugnisse). 

Nach Darstellung der IPR führte die Nutzung von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier zu folgenden Einsparungen:

  Wasser
(in Mio. Liter)
Energie
(in Mio. kwh)
CO2
(in 1000 kg)
Holz
(in Mio. kg)
Universitäten/
Fachhochschulen
26,4 5,9 101 2
Groß- und
Mittelstädte
520,6 117,5 1.995 39,8
Landkreise 78,7 17,7 301 6

Ergebnis Städtewettbewerb: 

Beim Städtewettbewerb konnten sich Nürnbergals „recyclingpapierfreundlichste Stadt“,Arnsberg als „Aufsteiger des Jahres“ und die Städte Essen, Bonn, Freiburg, Siegen, Solingen und Erlangen als „Mehrfachsieger“ durchsetzen.  

Abb. Anteil an der Nutzung von Recyclingpapier - Städte
Daten: IPR, Papieratlas 2022

Anteil am Recyclingpapier - Deutsche Städte 2022

Abb. Anteil an der Nutzung von Recyclingpapier - Städte nach Bundesländern
Daten: IPR, Papieratlas 2022 

Anteil an der Nutzung von Recyclingpapier - Städte nach Bundesländern

Anteil an der Nutzung von Recyclingpapier - Städte nach Bundesländern

Bundesland teilgenommene
Städte
Anteil
RC-Papier-Quote
Schleswig-Holstein 2

98,16%

Hamburg 1

98,77%

Mecklenburg-Vorpommern 3

72,75%

Bremen 2

98,23%

Niedersachsen 5

95,91%

Berlin 1

99,99%

Nordrhein-Westfalen 29

90,23%

Sachsen-Anhalt 3

89,29%

Brandenburg 4 88,45%
Hessen 7 81,65%
Thüringen 2 77,95%
Sachsen 2 96,16%
Rheinland-Pfalz 6 86,49%
Saarland 1 80,79%
Baden-Württemberg 21 92,83%
Bayern 13 94,72%

Abb. Nutzung von Recyclingpapier in den Verwaltungen, Schulen, Hausdruckerein der Städte Berlin, Hamburg, Köln und München
Daten: IPR, Papieratlas 2022

  Jahr 2013 Jahr 2014 Jahr 2018 Jahr 2020 Jahr 2021 Jahr 2022
Berlin 100,00% 100,00% 99,89% 99,99% 99,99% 99,99%
Hamburg 73,84% 75,59% 79,97% 80,43% 90,33% 98,77%
Köln 82,15% 88,58% 80,37% 85,92% 81,82% 84,97%
München 96,83% 99,17% 97,53% 96,74% 97,15% 98,27%


Die Nutzung von Recyclingpapier in den Millionenstädten liegt – wie bereits in den Vorjahren – auf einem sehr hohen Niveau. Insbesondere Berlin, Hamburg und München sind Vorbilder für die nachhaltige Papierbeschaffung mit dem Blauen Engel.

Ergebnisse Landkreise:

Auf Kreisebene konnten sich der Landkreis Unstrut-Hainich-Kreis als „recyclingpapierfreundlichster Landkreis“ und der Landkreis Northeim als „Aufsteiger des Jahres“ durchsetzen. „Mehrfachsieger“ sind der Kreis Höxter, der Kreis Paderborn und der Landkreis Ebersberg.

Abb. Entwicklung der Nutzung von Recyclingpapier 2022 - Landkreise
Daten: IPR, Papieratlas 2022

Entwicklung Nutzung Recyclingpapier 2022 - Landkreise

Ergebnisse Hochschulen:

Die Auszeichnungen des Hochschulwettbewerbs gingen an die Universität Vechta (recyclingpapierfreundlichste Hochschule), die Zeppelin Universität Friedrichshafen (Aufsteiger des Jahres) und an die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (Mehrfachsieger). Weitere Ehrungen als „Mehrfachsieger“ erhielten die Universität Tübingen, die Universität Osnabrück, die Technische Universität Kaiserslautern und die Universität Bremen.

Abb. Entwicklung der Nutzung von Recyclingpapier 2022 - Hochschulen
Daten: IPR, Papieratlas 2022

Entwicklung der Nutzung von Recyclingpapier 2022 - Hochschulen

Initiative Pro Recyclingpapier

Die Initiative Pro Recyclingpapier (IPR) ist eine Wirtschaftsallianz aus 26 Unternehmen verschiedener Branchen, die sich am Beispiel von Recyclingpapier für nachhaltiges Handeln einsetzt. Ziel der Initiative ist es, den Nutzen von Recyclingpapier für den Klima- und Ressourcenschutz zu unterstreichen sowie Unternehmen und öffentliche Verwaltungen zur Umstellung ihres Papierbedarfs zu motivieren.

Die IPR wurde im Jahr 2000 gegründet, um das Image und die Akzeptanz von Papier mit dem Blauen Engel zu verbessern und mittels eines positiven Wettbewerbs die ökologischen Einsparpotentiale von Recyclingpapier in den Verwaltungen auszuschöpfen.

Mit bundesweiten Projekten und Kampagnen ist es der IPR seit ihrer Gründung gelungen, Recyclingpapier aus der Öko-Nische zu heben, ganze Sektoren zur Umstellung zu bewegen, Vorurteile abzubauen und den Blauen Engel als Wegweiser für eine nachhaltige Papierbeschaffung zu positionieren.

Die aktuellen Leitprojekte richten sich an Kommunen und Hochschulen (Papieratlas), Unternehmen (CEOs bekennen Farbe), Schulen (Recyclingpapier bildet!) sowie Bundesbehörden und weitere Organisationen (Grüner beschaffen).

Wichtige Partner der IPR sind das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Hochschulverband sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen.

Abb. Produktion und Verbrauch von Papier, Karton und Pappe in Deutschland
Daten: DIE PAPIERINDUSTRIE e.V. Adenauerallee 55, D-53113 Bonn, Leistungsbericht Papier 2022

Produktion und Verbrauch von Papier, Karton und Pappe in Deutschland

Papiererzeugung/Papierverbrauch 1920 - 2021

Nach Erhebungen des Verbandes Deutscher Papierfabriken (vdp) verzeichnete der Papierverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2017 eine stetige Zunahme von 15,460 Mio. t im Jahr 1990 bis zu 20,641 Mio. t im Jahr 2017. Im Jahr 2018 wurde erstmals beim Papierverbrauch ein leichter Rückgang um ca. 460.000 t verzeichnet. Gegenüber dem Jahr 2017 betrug der Rückgang im Erfassungsjahr 2021 ca. 1,654 Mio. t und erreichte damit annähernd den Stand des Jahres 2019.

In Deutschland beträgt der Marktanteil von Recyclingpapier bei den Büropapieren ca. 16 %. Zum Zeitpunkt der Gründung der Initiative Pro Recyclingpapier in Jahr 2000 betrug der Marktanteil in diesem Segment lediglich 7 %.

Abb. Rechnerischer Verbrauch von Papier, Karton und Pappe nach Ländern in 1000 t
(Daten: DIE PAPIERINDUSTRIE e.V. Adenauerallee 55, D-53113 Bonn, Leistungsbericht Papier 2022, Statistiken zum Leistungsbericht 2022)Rechnerischer Verbrauch von Papier, Karton und Pappe nach Ländern

Der Überblick ausgewählter Länder zeigt, dass hier grundsätzlich Bemühungen zu erkennen sind, den Verbrauch an Papier zu reduzieren. Ausgehend vom Erhebungsjahr 2014 konnten bis zum Jahr 2020 Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Brasilien, Japan, Kanada und die USA eine Reduzierung des Papierverbrauchs erreichen.

Der Weg zum Recyclingpapier:

(Die Vergabekriterien gelten für Produkte und Erzeugnisse gemäß Anhang A der RAL-UZ 14a, z.B. Recyclingpapiere für den grafischen Bereich gemäß der Sortenstatistik „Grafische Papiere“, z.B. Zeitungsdruckpapier, Druck- und Schreibpapiere, Wertzeichen- und Dokumentenpapiere, Digitaldruck- und Inkjetpapiere sowie Abdeckpapiere für den Einsatz bei Maler- und Lackierarbeiten.

Die Auszeichnung der Gewinner des Papieratlas 2022 durch die Bundesumweltministerin gibt Anlass, sich mit dem Thema Recyclingpapier zu befassen.

Abfälle aus Papierfabriken wurden schon früh wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt. Gebrauchte Papiere (Altpapiere) fanden in Deutschland bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts als „Rohstoffquelle“ Verwendung. Nach Erhebungen der Interessengemeinschaft von Papiergroßhändlern (IGEPA) aus dem Jahr 1998 betrugt der Altpapier-Rohstoffanteil seinerzeit ca. 20 %.

Reine Recyclingpapiere stehen dem Markt seit mehr als 40 Jahren zur Verfügung. Galten Recyclingpapiere in den frühen Jahren ihrer Markteinführung Anfang der 70-Jahre noch als grau und unansehnlich, so hat sich in der Wahrnehmung von Recyclingpapier in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende ein Bewusstsein- und Imagewandel vollzogen, der eine steigende Akzeptanz des Recyclingpapiers sowohl im Bereich der grafischen Papiere als auch der Hygienepapiere bewirkt hat. Heutige grafische Recyclingpapiere erfüllen höchste Ansprüche sowohl hinsichtlich einer störungsfreien Verwendung in Druckern unabhängig vom Druckmedium als auch bei der Farbwiedergabe sowie der Alterungsbeständigkeit.

Abb. Altpapieraufkommen in 1000 t
(Daten: DIE PAPIERINDUSTRIE e.V. Adenauerallee 55, D-53113 Bonn, Leistungsbericht Papier 2022, Statistiken zum Leistungsbericht 2022)

Altpapieraufkommen/Altpapierverbrauch

Laut aktuellen Daten des Verbandes Deutscher Papierfabriken e.V. (neu: DIE PAPIERINDUSTRIE e.V. Adenauerallee 55 D-53113 Bonn) wurde in Deutschland im Jahr 2021 gegenüber dem Erhebungsjahr 2017 ein rückläufiger Papierverbrauch in Höhe von ca. 1,654 Mio. t verzeichnet. Der Rückgang des Papierverbrauches insgesamt spiegelt sich nicht im Verbrauch von Altpapier wider. Betrug der Verbrauch von Altpapier im Jahr 2018 noch 17,200 Mio. t so stieg der Altpapierverbrauch bis zum Jahr 2021 auf 18,297 Mio. t. an. Ersichtlich, dass obwohl der Papierverbrauch insgesamt gefallen ist, hat sich der Verbrauch an Altpapier erhöht und nahezu das Niveau des Gesamtpapierverbrauchs erreicht.

Die Altpapierrücklaufquote fiel leicht von 79 % im Jahr 2020 auf 76 % im Jahr 2021 zurück. Die Altpapiereinsatzquote blieb konstant bei 79 %. Die Altpapierverwertungsquote konnte sich im Jahr 2021 auf 96,40 % nochmals steigern.

Abb. Altpapierrücklaufquote, Altpapiereinsatzquote und Altpapierverwertungsquote in Deutschland 1990 bis 2010
(Quelle: DIE PAPIERINDUSTRIE e.V. Adenauerallee 55 D-53113 Bonn, Statistiken zum Leistungsbericht 2022)

Altpapierrücklaufquote, Altpapiereinsatzquote und Altpapierverwertungsquote in Deutschland 1990 bis 2010

Die Vergabegrundlage für Umweltzeichen, Recyclingpapier RAL-UZ 14a, Ausgabe Januar 201; Nr. 3.1 / Nr. 2.1 der DIN EN 643 (11/2014) definiert Altpapier als Oberbegriff für Papiere und Pappen, die nach Gebrauch oder Verarbeitung erfassbar anfallen. Das Altpapier wird beim Papierrecycling in Wasser aufgelöst, papierfremde Stoffe wie z.B. Heftklammern werden aussortiert. Das verbleibende Papier wird in seine einzelnen Papierfasern zerlegt, gereinigt und anschließend zu neuem Papier gepresst. Im Vergleich zu Frischfaser-Papieren muss kein neues Holz geschlagen werden. Um die Kriterien nach der RAL(DE)-UZ 14a (Blauer Engel) zu erfüllen, müssen die Papierfasern zu 100% aus Altpapier bestehen, davon müssen mindestens 65 % der unteren, mittleren und krafthaltigen Altpapiersorten (gebrauchte Pappe aus Wellpappe) eingesetzt werden. Betroffen sind Produkte und Erzeugnisse gemäß Anhang A der RAL-UZ 14a, z.B. Recyclingpapiere für den grafischen Bereich gemäß der Sortenstatistik „Grafische Papiere“, z.B. Zeitungsdruckpapier, Druck- und Schreibpapiere, Wertzeichen- und Dokumentenpapiere, Digitaldruck- und Inkjetpapiere (siehe Umweltbundesamt, https://www.umweltbundesamt.de/themen/recyclingpapier-eine-gute-alternative-zu, Stand: 19.9.2022).

Optische Aufheller und Gefahrstoffe wie z.B. Quecksilber-, Blei-, Cadmium- oder Chrom VI – Verbindungen sowie Farbmittel, Oberflächenveredelungsmittel, Hilfs- und Beschichtungsstoffe dürfen nicht eingesetzt werden. Hierzu gehören Stoffe, die gemäß den Kriterien der EG-Verordnung 1272/2008 (oder der Richtlinie 67/548 EWG ) gentechnische Defekte verursachen, Krebs erzeugen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen können (Quelle: RAL DE-UZ 14a, Ausgabe Januar 2018, Fränkische Straße 7, 53229 Bonn).

Recyclingpapier gibt es in verschiedenen Weißgraden. Es eignet sich nahezu für jede Anwendung im Büro oder im Haushalt. Die Zertifizierung mit dem „Blauen Engel“ garantiert dabei, dass die Papierfasern zu 100 % aus der Wiederverwertung von Altpapier gewonnen werden (Der Blaue Engel; https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt/druck-und-pressepapier-ueberwiegend-aus-altpapier,Stand:19.9.2022). Der Blaue Engel garantiert zudem, dass dem Papier bei der Herstellung keine schädlichen Chemikalien oder optischen Aufheller zugesetzt werden. Die Verwendung von Altpapier bei der Herstellung von grafischen Papieren trägt zur Schonung von Ressourcen insbesondere des Ökosystems Wald und zur Verminderung des Abfallaufkommens bei, besonders beim Einsatz von Altpapier aus haushaltsnaher und gewerblicher Erfassung. Die mit der Zellstoff- und Holzstofferzeugung unmittelbar verbundenen Umweltbelastungen werden vermieden (Vergabegrundlage für Umweltzeichen, Recyclingpapier RAL-UZ 14a, Ausgabe Januar 2018, RAL gGmbH Siegburger Straße 39, 53757 Sankt Augustin).

Zur Herstellung von 500 Blatt Primärfaserpapier werden ca. 130 Liter Wasser, 7,5 Kg Holz und ca. 27 Kilowattstunden Energie benötigt sowie 2,6 kg Kohlenstoffdioxid ausgestoßen . Dem stehen bei der Erzeugung von einem Kilogramm Recyclingpapier ca. 2,8 kg Altpapier, 10,5 Kilowattstunden Energie, ein Wasserverbrauch von ca. 51 Liter und ein CO2 -Ausstoß von ca. 2,2 kg gegenüber.

Abb. Nachhaltigkeitsrechner
Quelle: Nachhaltigkeitsrechner der IPR, 2022.

Nachhaltigkeitsrechner

Bereits im Jahr 1992 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, dass in der Bundesverwaltung der Verwendung von Recyclingpapier der Vorzug zu geben ist.

In der Fortführung dieser Entscheidung und im Hinblick auf eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien durch ressourceneffizientes und klimaschonendes Handeln der öffentlichen Verwaltung forderte das „Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit“ der Bundesregierung vom 30. März 2015 u.a. in der Bundesverwaltung eine Einsatzquote von Recycling-Papier von 95 % bis zum Jahr 2020 (s. Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung Beschluss vom 30. März 2015 - Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit). Die Weiterentwicklung des „Maßnahmenprogramms Nachhaltigkeit“ der Bundesregierung vom 25. August 2021 geht über die Maßnahmenprogramme der Vorjahre hinaus. Es sieht u.a. vor, dass für Kopierpapier ausschließlich Recyclingpapier mit dem Blauen Engel (DE-UZ 14a) in 60 bis 80er Weiße zu beschaffen ist. Ferner müssen Papierdruckerzeugnisse prioritär auf Papier mit dem Blauen Engel gedruckt werden, zugelassene Alternative ist eine Zertifizierung nach FSC Recycled, nur ausnahmsweise kann Papier mit dem EU-Ecolabel verwendet werden. Auf Frischfaserpapier soll verzichtet werden. Hygienepapiere (z. B. Papierhandtücher, Toilettenpapier, Taschentücher, Küchentücher) müssen die Kriterien des Blauen Engel (DE-UZ 5) erfüllen und müssen bis 2025 zu 95 Prozent aus Recyclingpapier hergestellt werden (siehe Maßnahmenprogramm der Bundesregierung zur nachhaltigen Verwaltung vom 25. August 2021 https://www.bundesregierung.de/resource/blob/998008/1953740/1fa562505e19485b107b61ddb19ea0a7/2021-08-25-massnahmenprogramm-nachhaltigkeit-2021-data.pdf?download=1).

Recyclingpapiere nach den Kriterien des Blauen Engel erfüllen höchste Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit (DIN EN 12281) und an die Papierhaltbarkeit (ISO 20404). Bei schonender Behandlung und Lagerung sind sie mehrere 100 Jahre haltbar

(s. Umweltbundesamt, Blauer Engel; Grafische Papiere und Kartons aus 100% Altpapier (Recyclingpapier und -karton) (DE-UZ 14a), (siehe https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt/grafische-papiere-und-kartons-aus-100-altpapier-recyclingpapier-und-karton).

Die Nutzung von Recyclingpapier leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, Stand: 10.8.2021. Dies gilt in besonderem Maße für den Einsatz von Altpapier aus haushaltsnaher und gewerblicher Erfassung, die nach Erhebungen des Umweltbundesamtes mit über 80 % den Großteil des anfallenden Altpapiers ausmachen (Positionspapier des Umweltbundesamtes, Stand 2014; https://www.papiernetz.de/wp-content/uploads/uba_positionspapierarchivierbarkeit.pdf, Stand: 19.9.2022).

Kern des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist eine neu geschaffene fünfstufige Abfallhierarchie nebst ihrer Umsetzung (Grundsätze und Pflichten der Erzeuger und Besitzer von Abfällen sowie der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, §§ 6 - 8 KrWG). Die Abfallhierarchie legt die grundsätzliche Stufenfolge aus Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling und sonstiger, u. a. energetischer Verwertung von Abfällen und schließlich der Abfallbeseitigung fest. Vorrang hat die jeweils beste Option aus Sicht des Umweltschutzes. Dabei sind neben den ökologischen Auswirkungen auch technische, wirtschaftliche und soziale Folgen zu berücksichtigen.

Nach § 45 KrWG ist die öffentliche Verwaltung verpflichtet, durch ihr Verhalten zum Schutz von Menschen und Umwelt beizutragen und insbesondere bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen, der Beschaffung oder Verwendung von Material und Gebrauchsgütern, bei Bauvorhaben und sonstigen Aufträgen zu prüfen, ob und in welchem Umfang Erzeugnisse eingesetzt werden können, die

  1. in rohstoffschonenden, energiesparenden, wassersparenden, schadstoffarmen oder abfallarmen Produktionsverfahren hergestellt worden sind,

  2. durch Vorbereitung zur Wiederverwendung oder durch Recycling von Abfällen, insbesondere unter Einsatz von Rezyklaten, oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt worden sind,

  3. sich durch Langlebigkeit, Reparaturfreundlichkeit, Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit auszeichnen oder

  4. im Vergleich zu anderen Erzeugnissen zu weniger oder schadstoffärmeren Abfällen führen oder sich besser zur umweltverträglichen Abfallbewirtschaftung eignen (s. auch Handbuch für die umweltfreundliche Beschaffung, HJR-Verlag, München; Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz - KrWG) v. 24.02.2012 i.d.F.v. 10.8.2021).

Abb. Papierlabel
(Quelle: IPR - Labelübersicht, https://www.papiernetz.de/wp-content/uploads/labeluebersicht.pdf)

Papierlabel

Verfasser: Dietmar Altus

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