Die Bildungsgewerkschaft fordert, angesichts sinkender Schülerzahlen Qualitätsverbesserungen umzusetzen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat am 27. August 2026 ihre Studie „Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot ohne und mit Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung 2026 bis 2040“ vorgestellt. Die Untersuchung von Dr. Kai Eicker-Wolf und Dr. Ansgar Klinger prognostiziert, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den nächsten Jahren noch leicht auf 11,4 Millionen steigt und ab 2028 kontinuierlich auf 10,2 Millionen im Jahr 2040 sinkt.
Damit könnte sich auch der aktuell massive Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zumindest teilweise abmildern. „Beispielsweise an Grundschulen sehen wir für die Zukunft eine mögliche Entspannung“, so Studienautor Kai Eicker-Wolf. Es zeige sich aber auch, dass selbst mit weniger Schülerinnen und Schülern einzelne Schulformen weiter unter Personalmangel leiden werden, ergänzt Ansgar Klinger, der zweite Autor. „Gerade an den berufsbildenden Schulen, im sonderpädagogischen Bereich und an den Schulen der Sekundarstufe I, außer an den Gymnasien, werden weiterhin viele Lehrerinnen und Lehrer fehlen.“
„Die erwartete Entspannung beim Lehrkräftemangel ist ein Hoffnungsschimmer. Es ist an der Zeit, dass sich die Situation an den Schulen wirklich verbessert", ordnet Maike Finnern, Vorsitzende der GEW, die Ergebnisse der Studie ein. Die Berechnungen dürften für die politisch Verantwortlichen kein Grund sein, sich zurückzulehnen oder gar noch weiter an der Bildung zu sparen. „Im Moment fehlen Lehrerinnen und Lehrer an allen Ecken. Einfach nur zu warten, dass sich die Situation in der Zukunft möglicherweise durch weniger Schülerinnen und Schüler verbessert, wäre fatal“, warnt die GEW-Vorsitzende. „Und wer daraus ein Sparprogramm machen will, ist komplett auf dem Holzweg.“
Im Gegenteil: Jetzt sei die Zeit, Mangelbedarfe zu decken und dafür zu sorgen, dass die demografische Rendite genutzt werden könne. Rein rechnerisch könnten Anfang der 2030er Jahre wegen der sinkenden Schülerzahlen rund 20.000 Lehrkräften zu viel ihre Ausbildung abschließen. „Doch dieser Schein trügt“, so Finnern. „Allein für die politisch gewollten Verbesserungen wie den Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Ganztag, in der Inklusion und zur Unterstützung von Schulen in herausfordernden sozialen Lagen werden, vorsichtig gerechnet, mindestens 60.000 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht. Dabei sprechen wir hauptsächlich über Schülerinnen und Schüler, die sowieso schon benachteiligt sind.“

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Die GEW fordert die Politik auf, die Ausbildung und den Einsatz der Lehrkräfte aktiver in Richtung der Schulformen zu steuern, bei denen auch zukünftig ein Mangel an Lehrerinnen und Lehrern zu erwarten ist. So sei beispielsweise die (Wieder-)Einführung der Stufenlehrämter ein wichtiger Schritt. „Wir brauchen zudem eine ehrlichere und transparentere Statistik. Zusatzbedarfe für Inklusion, Ganztag und soziale Unterstützung müssen grundsätzlich in die offiziellen Vorausberechnungen aufgenommen werden“, fordert Finnern. „Wer die Realität ausblendet, betreibt keine vorausschauende Bildungspolitik."
Die Studie „Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot ohne und mit Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung 2026 bis 2040“ von Dr. Ansgar Klinger und Dr. Kai Eicker-Wolf finden Sie auf der Webseite der GEW.
Die „15 Punkte gegen den Lehrkräftemangel“ der GEW sind ebenfalls online zu finden.
Quelle: Pressemitteilung der GEW vom 27.8.2026

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