2018 – was für ein Jahr!

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Das ausgehende Jahr 2018 war bemerkenswert. Es wurde dominiert von dem Gepolter alter weißer Männer. Doch es gab noch viel mehr.

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

einerseits leben wir in Zeiten von fake news, Twitterstürmen, postfaktischen Verlautbarungen und angeblicher Lügenpresse, andererseits gibt es Leute, die sich bemühen, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen, und gradlinig zu bleiben.

 

Zur ersten Kategorie zählt Donald Trump. Auch im zweiten Amtsjahr dominiert er die Schlagzeilen. Er macht Weltpolitik per Twitter und seine Ansichten schlagen Volten: Gestern Freund, heute Feind und morgen wieder zurück. Er bringt die Welt so nah an den Rand kriegerischer Auseinandersetzungen, dass Mitarbeitende kritische Akten von seinem Schreibtisch räumen. Und vor allem: Er lügt. Anfang Juli berichtete die Süddeutsche Zeitung*, dass er es im Juni auf 77 Falschaussagen an einem einzigen Tag brachte. Ein sogenannter Fakten-Checker fasste es so zusammen: „Das große Problem mit Trump ist, dass es so überwältigend viele [Falschaussagen] sind. Wir finden kaum noch Zeit, uns um andere Politiker zu kümmern.“

 

Doch Trump ist nur die Spitze des Eisbergs: Nationalisten, leider auch –innen, Staatschefs wie Erdogan, Orban und einige andere sind mit ihren Demagogien lauter als die Stimme der Vernunft, als die Stimmen der Vernünftigen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fasste die Situation am 8. Juli 2018 in einem anderen Zusammenhang so zusammen: „Die Grenze des Unsagbaren und des Unsäglichen verschwimmt“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Blenden wir die AfD einmal aus – auch hier tut sich ein alter weißer Mann immer wieder mit Unsäglichem hervor; Stichwort „Vogelschiss“ –, leben wir in der Bundesrepublik fast idyllisch. Eine von jeder „Basta“-Politik und „Platz da, hier komm ich“-Attitüde freie Parteichefin erklärt nach 18 Jahren ihren Rückzug von diesem Amt – unter gewissem Druck zwar, aber immer noch selbstbestimmt – und was passiert? Es wird eine NachfolgerIN gewählt!

Eine kluge Person hat einmal gesagt, Gleichstellung sei erreicht, wenn in einem wichtigen Amt ganz selbstverständlich eine Frau einer Frau folgt. Zwar macht auch die zweite Schwalbe noch keinen Sommer, aber diese Entwicklung ist doch bemerkenswert – gerade in der politischen Landschaft, in der sehr viel mehr Testosteron gesprochen wird als Östrogen.

 

Was gab es noch in diesem Jahr? Vor allem viele Gedenktage.


Das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 sollte uns eine Mahnung sein – siehe oben. Ebenso Anfang und Ende des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648).


Das Ende der Monarchien in Deutschland und Österreich 1918 führten in die Zeiten der Republik, die leider in Deutschland von „1000 Jahren“ unterbrochen wurden – tatsächlich „nur“ 12, dafür aber umso entsetzlichere Jahre.

 

Wir feierten in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und schauten sowohl auf 50 Jahre Studierenden- und Frauenbewegung zurück als auch auf 25 Jahre Ministerpräsidentinnen in den Bundesländern: 1993 war Heide Simonis in Schleswig-Holstein die erste; ihr folgten Christine Lieberknecht (TH), Hannelore Kraft (NRW), Annegret Kramp-Karrenbauer (SL), Malu Dreyer (RP) und Manuela Schwesig (MV). Mehr als 4 gleichzeitig gab es nie – 25 % und damit sehr ausbaufähig.

 

Island – in diesem heißen Sommer sicher der kühlste Ort Europas – konnte 100 Jahre Unabhängigkeit feiern und war zudem der erste Staat der Welt mit einer demokratisch gewählten Staatspräsidentin: Vigdís Finnbogadóttir amtierte von 1980 bis 1996.

 

Es gab gute, aber auch unsägliche Debatten um gendergerechte Sprache bzw. den sogenannten „Gender-Wahnsinn“. Ein LesER-Brief sprach mir aus der Seele. Der Verfasser argumentierte erfrischend: „Nicht mehr hören kann ich den oberlehrerhaften Hinweis, dass Wörter wie Leser ein generisches Maskulinum seien; ja sicher ist es das, aber was beweist das? Das heißt doch nicht, dass es nur diese Form gibt; nein, es gibt auch das generische Femininum in Wörtern wie Leserin, also warum soll ich das nicht gleichberechtigt benutzen dürfen? Dass es diese weibliche Form für viele Wörter im Englischen nicht gibt, ist traurig und muss mir gerade von denen nicht als Errungenschaft vorgehalten werden, die sonst bei jeder Gelegenheit gegen Anglizismen schimpfen.“

 

Das kommende Jahr wird sicher ähnlich herausfordernd weitergehen. Entscheidende Fortschritte in der Gleichstellung wären gut und sind dringend erforderlich. Wir Gleichstellungsbeauftragte stehen bereit und an vorderster Front. Für uns im Geltungsbereich des Bundesgleichstellungsgesetzes stehen 2019 sowohl eine Gesetzesänderung an, die wir sehr kritisch begleiten werden, wenn es so weitergeht, wie es sich ankündigt, als auch der Bericht zur Umsetzung des BGleiG, der eine Befragung aller Gleichstellungsbeauftragten erfordert, die nach diesem Gesetz arbeiten. Das ist eine große Herausforderung, aber sie muss bewältigt werden, wenn wir weiterkommen wollen.

 

Für all das brauchen wir Kraft und viel Netzwerkarbeit. Daher wünsche ich nun allen Leserinnen und Lesern geruhsame Feiertage, einen guten Rutsch und ein munteres Wiedersehen an dieser Stelle am 7.1.2019. Bis dahin ist Blogpause zur Regeneration und für hoffentlich viele neue Ideen.

 

In diesem Sinne eine gute Zeit und herzliche Grüße

Ihre Kristin Rose-Möhring



*„Es ist deprimierend“, SZ vom 2.7.2018

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