Männer spielen in der Gleichstellungsarbeit eine zentrale und unverzichtbare Rolle. Denn Gleichstellung betrifft nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Dass Männer in den Diskurs und in die Umsetzung von Chancengleichheit aktiv einbezogen werden, dafür sprechen mehrere Argumente.
Gleichstellung in der Praxis (GiP)
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1. Männer als Mitverantwortliche für gesellschaftliche Machtverhältnisse
In vielen Bereichen wie Politik, Wirtschaft oder Medien sind Männer weiterhin überrepräsentiert. Das bedeutet: Sie tragen Mitverantwortung, bestehende Ungleichheiten zu erkennen und zu verändern. Gleichstellung ist eine Frage von Gerechtigkeit und Demokratie.

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2. Männer als Profiteure und gleichzeitig Betroffene von Geschlechterrollen
Traditionelle Männlichkeitsbilder bringen bestimmten Männern Privilegien, aber auch Nachteile. Vorteile sind beispielsweise ein höheres Einkommen und mehr Machtpositionen. Nachteile bestehen darin, dass von traditionellen Männerrollen ein hoher Leistungsdruck ausgeht. Damit verbunden sind auch die Zurückhaltung von Gefühlen und eine geringere Inanspruchnahme von Hilfe. Gleichstellungsarbeit kann Männern helfen, freier und gesünder zu leben.

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3. Männer als Verbündete („Allys“)
Männer können aktiv zur Gleichstellung beitragen, indem sie Sexismus und Diskriminierung nicht tolerieren, sondern ansprechen. Sie können eigene Privilegien reflektieren, Frauen unterstützen sowie und ihnen mehr Raum geben (z. B. in Diskussionen).
4. Männer als Zielgruppe der Gleichstellungsarbeit
Gleichstellungsarbeit richtet sich auch an Männer. Dies beinhaltet zum Beispiel die
- Förderung von aktiver Vaterschaft und Care-Arbeit.
- Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt.
- Reflexion von Männlichkeitsnormen, z. B. in der Bildungs- und Jugendarbeit.
5. Männer als Akteure des Wandels
Im Privaten wie im Beruf können Männer viel bewirken. Sie können eine gerechte Aufteilung von Haus- und Sorgearbeit leben, sich partnerschaftlich in die Erziehung von Kindern einbringen sowie eine faire Teamkultur unterstützen, bei der Frauen und Männer gleich bezahlt werden und ihnen gleichermaßen Karrierewege offenstehen.
Kurz gesagt:
Wer etwas für Frauen tun will, muss auch mit Männern arbeiten. Ohne Männer ist Gleichstellung nicht erreichbar. Entscheidend ist, dass Männer als lernende und verantwortliche Betroffene und Mitgestalter verstanden werden.
Es gibt aber auch Bereiche, in denen Gleichstellungsarbeit bewusst ohne Männer begonnen hat oder bis heute stattfindet:
-
Schutzräume, z. B. Frauenhäuser, Selbsthilfegruppen, Empowerment-Trainings.
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Feministische Bewegungen, die historisch aus der Notwendigkeit entstanden sind, sich unabhängig von männlicher Dominanz zu organisieren.
-
Interessenvertretung marginalisierter Gruppen, um eigene Perspektiven sichtbar zu machen.
Die Arbeit ohne Männer ist legitim, notwendig und wirksam, und zwar besonders dort, wo Machtungleichgewichte oder Gewalt eine Rolle spielen.
Gleichzeitig stößt Gleichstellungsarbeit ohne Männer an strukturelle Grenzen: Viele Machtpositionen sind von Männern besetzt. Veränderungen lassen sich dort kaum ohne sie durchsetzen. Geschlechternormen entstehen im Zusammenspiel aller Geschlechter, nicht isoliert. Ohne Einbindung von Männern besteht die Gefahr, dass Gleichstellung als reines Frauen- oder gar „Emanzenthema“ abgetan wird.
Es braucht ein Sowohl-als-auch
Männer einzubeziehen heißt nicht, Männer in den Mittelpunkt zu stellen, sondern sie in Verantwortung zu bringen. In der Praxis braucht es ein sinnvolles Sowohl-als-auch: sowohl Räume ohne Männer für Schutz und Empowerment als auch gemeinsame Räume, in denen Verantwortung geteilt und Strukturen verändert werden. Darüber hinaus kann es spezifische Angebote für Männer geben, um Männlichkeitsbilder zu reflektieren und Veränderung zu ermöglichen.
Die Frage ist, ob es auch eine Gleichstellungsarbeit gegen Männer gibt. Die Antwort lautet: Nein. Gleichstellungsarbeit richtet sich nicht gegen Männer. Aber: Sie richtet sich gegen männliche Privilegien, Machtmissbrauch und bedenkliche Geschlechternormen. Wenn Gleichstellungsbeauftragte auf starre Geschlechterrollen, Ungleichheiten, Diskriminierung und Gewalt hinweisen, wird das mitunter als Haltung „gegen Männer“ wahrgenommen. Dabei zeigen sie auf Strukturen und nicht auf bestimmte Personen. Doch die Kritik an Privilegien fühlt sich für Privilegierte oft wie ein persönlicher Angriff an. Machtverlust kann als Bedrohung erlebt werden. Vereinfachte oder polarisierende Debatten in sozialen Medien verstärken das Gefühl von Fronten.
Gleichstellungsarbeit darf allerdings männerkritisch sein, was bedeutet, Sozialisation, Machtverhältnisse und Verantwortung konstruktiv zu reflektieren. Das ist unbequem, aber letztlich auch im Interesse von Männern selbst. Männerkritisch ist dabei nicht als eine pauschale Ab- oder Entwertung des männlichen Geschlechts zu verstehen, denn das wäre männerfeindlich.
Fazit
Gleichstellungsarbeit ohne Männer ist sinnvoll und manchmal notwendig, aber ohne Männer ist Gleichstellung als gesellschaftliches Ziel nicht erreichbar. Männer sind Teil der Lösung. Gleichstellungsarbeit braucht Männer als Mitverantwortliche und erkennt an, dass auch Männer unter Geschlechternormen leiden. Es geht um gleiche Verwirklichungschancen und Gerechtigkeit für alle.
Herzlichst,
Ihre Bettina Franzke
