Schwestern von gestern (5): Frauen und ihre Zeitungen

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Eine Meinung haben, ist gut; sich mit anderen (Frauen) darüber austauschen, ist besser. Das dachten sich auch die Frauen der ersten, der historischen Frauenbewegung in Deutschland Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts und gaben unzählige Zeitungen und Zeitschriften heraus. Auf dem Höhepunkt 1917 gab es 147 Blätter, die sich mit den politischen, sozialen und beruflichen Anliegen von Frauen beschäftigten.

Eine Meinung haben, ist gut; sich mit anderen (Frauen) darüber austauschen, ist besser. Das dachten sich auch die Frauen der ersten, der historischen Frauenbewegung in Deutschland Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts und gaben unzählige Zeitungen und Zeitschriften heraus. Auf dem Höhepunkt 1917 gab es 147 Blätter, die sich mit den politischen, sozialen und beruflichen Anliegen von Frauen beschäftigten.

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als Begründerin der ersten Frauenbewegung gilt Louise Otto-Peters (1819-1895), deren Namen auch untrennbar mit der „Frauen-Zeitung“ verbunden ist. Die drei großen Führungsfrauen der Hoch-Zeit der Emanzipationsbewegung aber waren Helene Lange, Minna Cauer und Clara Zetkin. Und sie standen nicht nur für die zunächst zwei, nach der Spaltung 1895 drei politischen Richtungen - bürgerlich-gemäßigt, bürgerlich-radikal und proletarisch - sondern sie waren auch bedeutende und einflussreiche Zeitungsfrauen, sprich Herausgeberinnen des jeweiligen sogenannten „Bewegungsorgans“.

 

Clara Zetkin gab von 1891 bis 1917 „Die Gleichheit“ heraus. Darin berichtete sie sowohl über Reichstagsdebatten, Gesetzentwürfe und politische Entwicklungen – oft mit hellsichtigen, aber auch scharfen Kommentaren. Die Zeitung, von der pro Ausgabe bis zu 112.000 Exemplare gedruckt wurden, enthielt zudem einen Feuilletonteil mit Erzählungen und Gedichten, beschäftigte sich intensiv mit allen weiteren Aspekten der „Frauenfrage“ und sparte auch nicht mit kritischen Berichten über die bürgerliche Frauenbewegung.

 

Diese Kritik galt vor allem Helene Lange, die von 1893 bis 1920 die Zeitschrift „Die Frau“ herausgab. Aus der aktuellen Tagespolitik hielt die Zeitung sich weitgehend heraus; Bildung, Studium und selbständige Erwerbstätigkeit für Frauen waren die zentralen Themen einer Zeitung, die sich - laut ihren Kritiker/innen in langatmigen Artikeln - in erster Linie an gebildete Frauen wandte. Doch auch Helene Lange konnte sich Spitzen gegen die radikal-bürgerlichen Frauen um Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und allen voran Minna Cauer nicht verkneifen.

 

Minna Cauer stand zwischen den gemäßigt-bürgerlichen Frauen und den Arbeiterinnen und hatte sich immer für eine Diskussion mit der proletarischen Frauenbewegung ausgesprochen, weil sie die Auseinandersetzung mit den linken Frauen zur Klärung der Standpunkte für dringend erforderlich hielt. Diese Haltung sowie ihr Eintreten für eine demokratische Verfassung und vor allem das Frauenstimmrecht hatten jedoch zu dem Bruch mit dem gemäßigten Flügel der Frauenbewegung um Helene Lange geführt. Nach dieser Spaltung gründete Minna Cauer 1895 die Zeitschrift „Die Frauenbewegung“, leitete sie bis 1919 und bestimmte sie inhaltlich entscheidend; zum einen weil sie eine kluge Vordenkerin war, zum anderen auch notgedrungen, da sie aus Geldmangel keine Autor/inn/en bezahlen konnte und daher fast alle Artikel selbst schreiben musste. Die Auflagenhöhe ihrer Zeitung lag vermutlich bei ca. 50.000.1

 

Dieses Engagement der vielen streitbaren und schreibenden Frauen ist heute so nicht mehr denkbar und als einzige der kämpferischen Frauenzeitungen aus der zweiten, der modernen Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre ist heute die „EMMA“ übrig geblieben.

 

Sie trägt mit dazu bei, den letzten Wunsch von Minna Cauer zu verwirklichen, auf deren Grabstein das Motto stand: „Vollendet, was wir begonnen“. Das ist uns leider bisher nicht gelungen. Wir sind in der „Frauenfrage“, d.h. der gleichen Teilhabe an Ansehen, Einfluss, Status, Macht und Geld von Frauen und Männern auch fast 100 Jahre nach Minna Cauers Tod immer noch nicht am Ziel.

 

Aber jede Zeit hat ihre Möglichkeiten. Die Zeitung von damals, d.h. die Chance, viele Menschen mit einer Idee und mit Informationen zu erreichen und vernetzen, ist heute das Internet. Hier finden wir Mitmach-Wege wie z.B. diesen und andere Blogs zu Frauenthemen oder auch die Aktion „ProQuote“, die erreichen will, dass mindestens 30% der journalistischen Führungspositionen aller Medien mit Frauen besetzt werden: http://www.pro-quote.de (siehe Blogbeitrag „Meinung ist möglich“ vom 21.5.2012)  

 

Lassen Sie uns noch stärker „in die Tasten hauen“ und uns an dem früheren Motto einer durchsetzungsstarken Verlegerin des 18. Jahrhunderts „Nicht ducken, sondern drucken2 orientieren. Also: „Nicht stille halten; mitgestalten!“ Ich setze daher auf Ihre Beiträge!

 

Herzlich

Ihre Kristin Rose-Möhring

____________________________________
 

 

1Zum Weiterlesen über Minna Cauer: GiP 2006 Heft 6, S.36f - Portrait -

2 Siehe GiP 2008 Heft 1, S. 43ff

 

 

 

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