Gestellung eines Firmenwagens in Zeiten einer wirtschaftlichen Ausnahmesituation

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Seit Ende März versuchen Bund und Länder mit unterschiedlichen, zum Teil drastischen Ausgangs- und Kontaktsperren sowie mit Schließungen von Geschäften in bestimmten Bereichen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. In der Praxis kam im Zusammenhang mit der Schließung von Geschäften vermehrt die Frage auf, ob dies eventuell zu Auswirkungen bei der Versteuerung eines dem Arbeitnehmer auch zur privaten Nutzung überlassenen Firmenwagens führt. 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Unternehmen haben als Maßnahme zur Eindämmung des „Corona-Virus“ seit Mitte März Heimarbeit eingeführt bzw. angeordnet, oder mussten den Betrieb auf behördliche Anweisung hin ganz schließen.

In diesen Fällen stellt sich in der Lohnabrechnung und den Nutzern die Frage, ob in Fällen der angeordneten Heimarbeit oder Betriebsschließung, Anpassungen bei der Versteuerungsform der Ermittlung des geldwerten Vorteils aus der Firmenwagengestellung vorgenommen werden können. Von Interesse ist insbesondere die Frage, ob unter den gegebenen Umständen ein unterjähriger Wechsel der bisher gewählten Versteuerungsform vorgenommen werden kann. Unter „normalen Umständen“ ist ein unterjähriger Wechsel der zu Beginn des Jahres gewählten Versteuerungsform ohne Fahrzeugwechsel nicht zulässig.

Die Art und Weise der lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Firmenwagens an den Arbeitnehmer ist gesetzlich geregelt1. Den Umgang mit den gesetzlichen Vorgaben und Zweifelsfragen klären die dazu herausgegebenen Richtlinien2 und ein diese ergänzendes Anwendungsschreiben3 unter Beachtung der zu diesem Bereich ergangenen, höchstrichterlichen Rechtsprechung.

Was bedeutet das nun für die Lohnversteuerung aus der Firmenwagengestellung während der Corona-Krise:

Privatnutzung:

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt einen Firmenwagen auch zur privaten Nutzung, führt das beim Arbeitnehmer zu einem als Lohnzufluss zu erfassenden steuerpflichtigen Vorteil. Der Arbeitnehmer ist um den Betrag bereichert, den er sich für die eigene Anschaffung und die aus der Nutzung eines vergleichbaren Fahrzeugs entstehenden Kosten erspart. Die Überlassung eines Firmenwagens durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer für dessen Privatnutzung führt damit unabhängig von den tatsächlichen Nutzungsverhältnissen zu einer Bereicherung des Arbeitnehmers. Selbst wenn der Arbeitnehmer den überlassenen PKW tatsächlich nicht privat nutzen sollte, erspart er sich zumindest die (nutzungsunabhängigen) Kosten, die er für das Vorhalten eines eigenen Fahrzeugs verausgaben müsste. Anzusetzen ist der geldwerte Vorteil entweder durch Anwendung der pauschalen Nutzungswertmethode mit 1% des inländischen Bruttolistenpreises des Firmenwagens im Zeitpunkt der Erstzulassung (sog. 1%-Regelung), oder nach der individuellen Nutzungswertmethode anhand der für den Firmenwagen entstehenden Aufwendungen für die tatsächlich durchgeführten Privatfahrten ansetzen (sog. Fahrtenbuchmethode). Welches Verfahren Anwendung finden soll, hat der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Arbeitnehmer für jedes Kalenderjahr festlegen; das Verfahren darf bei demselben Kraftfahrzeug während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden.

Ein unterjähriger Wechsel von der sog. 1%-Regelung zur sog. Fahrtenbuchmethode ist ohne Fahrzeugwechsel auch unter den gegebenen Umständen nicht zulässig. Die Fahrtenbuchmethode ist vielmehr nur dann zu Grunde zu legen, wenn der Arbeitnehmer das Fahrtenbuch für den gesamten Veranlagungszeitraum führt, in dem er das Fahrzeug nutzt3.

Der Arbeitgeber hat jedoch die Möglichkeit die Versteuerung eines geldwerten Vorteils zu Beginn eines vollen Monats dadurch zu vermeiden, dass er den dem Arbeitnehmer überlassenen Firmenwagen (temporär) zurückfordert. In diesem Fall wurde die Nutzungsmöglichkeit des Fahrzeugs aufgegeben und es fließt steuerlich kein geldwerter Vorteil (mehr) zu, der versteuert werden müsste. Zu empfehlen wäre in solchen Fällen, die Rückgabe an den Arbeitgeber (z.B. die Schlüsselübergabe) in einem kurzen Vermerk zu dokumentieren und diesen zum Lohnkonto zu nehmen.

Überlässt der Arbeitgeber nach Beendigung von Kurzarbeit/Homeoffice/Betriebsschließung dem Arbeitnehmer in einem späteren Monat den Firmenwagen erneut zur privaten Nutzung, wäre ab diesem Monat wieder ein geldwerter Vorteil zu versteuern.

Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte:

Darf der Arbeitnehmer den Firmenwagen neben reinen Privatfahrten auch für Fahrten zwischen seiner Wohnung und seiner ersten Tätigkeitsstätte nutzen, ist der auf die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entfallende geldwerte Vorteil zusätzlich anzusetzen. Möglich ist der Ansatz entweder

  • mit monatlich 0,03 % des inländischen Bruttolistenpreises des Firmenwagens für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, oder
  • einer auf das Kalenderjahr bezogenen Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit 0,002 % des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer für höchstens 180 Tage, oder
  • nach der individuellen Nutzungswertmethode anhand der für den Firmenwagen entstehenden Aufwendungen für diese Fahrten.

Der Arbeitgeber muss die Anwendung der vorgenannten Methoden für jedes Kalenderjahr einheitlich für alle dem Arbeitnehmer überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeuge festlegen. Auch in diesen Fällen darf die Methode während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden.

Wird das Kraftfahrzeug sowohl für Privatfahrten als auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen, kann die individuelle Nutzungswertermittlung weder auf Privatfahrten noch auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beschränkt werden.

Aktuell sind folgende Fälle in ihrer steuerlichen Wirkung zu unterscheiden:

Der Arbeitgeber stellt seinen Arbeitnehmern frei, ob die Tätigkeit im Büro oder im Homeoffice ausgeübt wird bzw. der Arbeitnehmer kann aufgrund angeordneter Kurzarbeit tageweise bzw. wochenweise die erste Tätigkeitsstätte nicht aufsuchen.

Von einer Versteuerung des geldwerten Vorteils für die Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte kann nicht abgesehen werden. Von der Versteuerung des geldwerten Vorteils kann allenfalls dann abgesehen werden, wenn dem Arbeitnehmer für volle Kalendermonate der Firmenwagen nicht zur Verfügung gestanden hat. Ein durch Urlaub, Krankheit oder Kurzarbeit bedingter Nutzungsausfall, ist bereits im Nutzungswert pauschal berücksichtigt.

Der Arbeitgeber weist ausdrücklich an, dass die Arbeitnehmer die Tätigkeit im Homeoffice ausüben müssen und nicht zur Tätigkeitsstätte kommen dürfen bzw. die erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers ist aufgrund der Pandemiesituation geschlossen.

Wenn der Arbeitgeber Homeoffice anordnet bzw. die erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers schließen musste und somit der Firmenwagen für Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte nicht genutzt werden kann, kann darin ein konkludent ausgesprochenes Nutzungsverbot gesehen werden. Das „Nutzungsverbot“ hat zur Folge, dass der Arbeitgeber von der Versteuerung der Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte absehen kann. Das Nutzungsverbot ist im Lohnkonto zu dokumentieren.

Die Versteuerung der Privatnutzung ist natürlich weiterhin durchzuführen, da die jederzeitige Möglichkeit der Nutzung des Firmenwagens für Privatfahrten gegeben ist.

Entsprechende Sachverhalte dürften m. E. erstmals ab April 2020 auftreten, da eine zwangsweise Anordnung von Home-Office/Schließung der ersten Tätigkeitsstätte für den gesamten Kalendermonat März kaum gegeben sein dürfte.

Bitte bleiben Sie gesund!


Es grüßt Sie, 
Ihr Matthias Janitzky   


1 § 8 Absatz 2 Satz 2 bis 5 EStG

2 R 8.1 Absatz 9 und 10 LStR

3 BMF-Schreiben vom 04.04.2018 (BStBl I S. 592)

4 BFH-Urteil vom 20.03.2014 - VI R 35/12, BStBl 2014 II S. 643

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