Beamter erscheint sechs Jahre nicht zur Arbeit – und niemandem fällt es auf!

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Warum dürfen Beamte nicht streiken? Ja warum eigentlich nicht, würde doch eh‘ keiner merken! Dieser häufig erzählte Witz könnte einen wahren Kern in sich tragen, wenn man den folgenden Fall in Betracht zieht: Der Beamte G. war ohne Krankmeldung sechs Jahre lang nicht zur Arbeit erschienen – und hat trotzdem sein Gehalt bezogen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


ein Beamter ist mehr als sechs Jahre lang nicht zur Arbeit erschienen, ohne dass es seinem Dienstherrn aufgefallen wäre. Zu dieser Zeit bezog er jeden Monat sein Gehalt. Die Abwesenheit des Beamten wurde von der Stadtverwaltung erst bemerkt, als die Stadtverwaltung aus Anlass eines Dienstjubiläums1 eine Plakette überreichen wollte.

Dass der Mann seiner Arbeit so lange unbemerkt fernbleiben konnte, lag der Stadt zufolge an einer mangelhaften Abstimmung. Der Mann war von der Stadtverwaltung zu den Wasserwerken versetzt worden und sollte dort den Bau einer Kläranlage überwachen. "Im Rathaus glaubte man, er sei bei den Wasserwerken und der Direktor der Wasserwerke wähnte ihn in der Stadtverwaltung", erklärte ein Stadtrat.
Der Beamte hingegen sah sich als Opfer "politischen Mobbings". Er hielt der Stadtverwaltung vor, ihn aus politischen Gründen auf einen inhaltsleeren Posten abgeschoben zu haben. Obwohl es für ihn nichts zu tun gegeben habe, sei er gelegentlich in seinem Büro erschienen. G. bestritt allerdings nicht, über Jahre hinweg fürs Nichtstun bezahlt worden zu sein.

Die Stadt leitete ein Verfahren ein und verlangte im Jahr 2016 die Rückzahlung der Besoldung – aber nur für ein Jahr. Sie bekam vor Gericht Recht.

In der Verhandlung tauchte auch die Frage auf, wie das Fernbleiben über Jahre hinweg unbemerkt bleiben konnte. Der Vertreter der Wasserwerke erklärte, seine Behörde sei davon ausgegangen, dass G. von der Stadtverwaltung dienstlich beaufsichtigt werde. Diese nahm wiederum an, dass die dienstliche Aufsicht den Wasserwerken obliege. So konnte der Beamte jahrelang unentdeckt der Arbeit fernbleiben.
Ergänzend sei erwähnt, dass sich dieser Fall in der spanischen Stadt Cadiz zugetragen hat.2
 
In Deutschland könnte sich derartiges niemals ereignen – oder?

Ihr
Dr. Maximilian Baßlsperger



1 Lesen Sie dazu den Beitrag Gratifikation und Dienstjubiläum
2 http://www.sueddeutsche.de/panorama/cdiz-spanischer-beamter-geht-sechs-jahre-nicht-zur-arbeit-niemandem-faellt-es-auf-1.2861330

 



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20.06.-21.06.2016 (in Berlin)

Referent: Herr Dr. Karl-Heinz Millgramm      

Veranstalter: Kommunales Bildungswerk Berlin
https://www.kbw.de

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4 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 10.06.2016 um 08:08:
In meiner Behörde erschien ein Beamter wegen angeblicher Krankheit drei Monate nicht zur Arbeit. Er gewann in dieser Zeit angeblich ein Golfturnier. Seine Fehlen störte den Verwaltungsaufwand in keiner Weise - im Gegenteil - es war nämlich der Behördenleiter!
kommentiert am 09.05.2016 um 18:52:
Schon heute wacht der eine oder andere Kollege mit Argusaugen über die Diensteifrigkeit vorzugsweiser anderer Bediensteter, über deren Krankheitsgebaren und Pausenverhalten. Selbige werden gern im angemessenen Kreis zum Besten gegeben und negativ zur Disposition gestellt, so dass es als unmöglich anzusehen scheint, dass derartige Fälle auch in deutschen Behörden je auftreten werden.
kommentiert am 04.05.2016 um 10:15:
Griechenland läßt grüßen........ In Deutschland? Undenkbar....... (lach)
kommentiert am 02.05.2016 um 08:14:
Herrlich! Ich denke, dass sich der Vorfall eigentlich jederzeit wiederholen könnte!
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