Ist „Fensterln“ ein frauenfeindliches Wort?

338 Bewertungen

Beim Sportfest der Uni Passau wollten Burschen aus Jux und Tollerei einem alten bayerischen Brauch entsprechend in einem öffentlichen Wettkampf über Hindernisse und Leitern die Kammer einer Angebeteten erobern. Dagegen wandte sich die Gleichstellungsbeauftragte der Universität und legte den Studenten nahe, den „Fensterlkönig-Wettkampf“ abzusagen, weil er gegen das Gleichstellungskonzept der Universität verstoße und die Frau "zum Objekt" degradiere.1

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, wurde der angekündigte Wettkampf auf die Intervention der Gleichstellungsbeauftragten hin tatsächlich abgesagt. Die Frage lautet: Ist denn vielleicht schon „Fensterln“ bereits ein Wort, das ein gewisses Maß an Frauenfeindlichkeit in sich birgt?

Dabei besteht durchaus ein berechtigtes Interesse an einer geschlechterneutralen Sprache – nicht zuletzt im Dienstrecht.

Nicht nur im Arbeitsrecht, sondern auch im Beamtenrecht ist die verwendete Terminologie in der Regel männlich. So sind Begriffe wie „Arbeitgeber“ oder „Dienstherr“ auch dann üblich, wenn es sich beispielsweise um Gemeindebedienstete handelt. Eine Gemeinde ist aber weder „Arbeitgeber“ ihrer Angestellten oder „Dienstherr“ ihrer Beamten, sie ist laut Duden vielmehr „Arbeitgeberin“ oder „Dienstherrin“.

In den Beamtengesetzen (BeamtStG und BBG) wird der Forderung nach einer „geschlechterneutralen Sprache“ aber bereits weitgehend entsprochen.  

Einige Beispiele:

1. § 10 BeamtStG lautet: Die Ernennung zur Beamtin auf Lebenszeit oder zum Beamten auf Lebenszeit ist nur zulässig, wenn die Beamtin oder der Beamte sich in einer Probezeit von mindestens sechs Monaten und höchstens fünf Jahren bewährt hat.

2. In der Überschrift des § 18 BeamtStG heißt es etwa „Rechtsstellung der Beamtinnen und Beamten“.

3. In § 34 BBG geht es um die Entlassung von Beamtinnen auf Probe und Beamten auf Probe,

4. und nach § 88 BBG sind Beamtinnen und Beamte verpflichtet, ohne Vergütung über die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit hinaus Dienst zu leisten.

Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist für eine erfolgreiche Gleichstellung von unerlässlicher Bedeutung. Mittlerweile bestehen bereits mehrere Leitfäden für die Umsetzung der Forderung nach einer geschlechtergerechten Sprache,  an die man sich nicht nur halten kann, sondern auch halten sollte.

Eine geschlechtergerechte Sprache sollte dabei aber weder umständlich noch unnötig lang sein. Es müssen eben richtige, allgemeinverständliche und nichtdiskriminierende Ausdrucksweisen verwendet werden.

Manchmal könnte aber doch einfach auch der Plural durchaus geschlechtergerecht sein. So etwa, wenn es in § 3 Abs. 2 BBG statt:

„Dienstvorgesetzte oder Dienstvorgesetzter ist, wer für beamtenrechtliche Entscheidungen über die persönlichen Angelegenheiten der ihr oder ihm nachgeordneten Beamtinnen und Beamten zuständig ist.“

lauten würde:

„Dienstvorgesetzte sind Personen, welche
für beamtenrechtliche Entscheidungen über die persönlichen Angelegenheiten der ihnen nachgeordneten Beamten zuständig sind.“

Unter den deutschen Beamten versteht man nun einmal in unserer „Muttersprache“ die Summe der Beamten und Beamtinnen – aber das ist vielleicht auch nur meine Meinung und ich lasse mich gerne von einer anderen Auffassung überzeugen, wenn sie mit guten Gründen versehen wird.


Fazit:

Trotz aller gerechtfertigten Bestrebungen nach einer Gleichstellung in der Sprache bleibt es Männern und Frauen nur zu hoffen, dass weder das Wort noch der alte Brauch des „Fensterlns“ in Zukunft ganz am Gleichstellungsrecht scheitert. Vielleicht sollte man da einfach auch einmal die Frauen dazu ermutigen, diesen Brauch am Leben zu erhalten und selbst einmal die Kammer eines männlichen Angebeteten über Hindernisse und Leitern zu erobern. Viele Männer würden das sicher sehr begrüßen.


Ihr Dr. Maximilian Baßlsperger


Siehe dazu auch die Beiträge:


1 http://www.sueddeutsche.de/bayern/fensterln-an-der-uni-passau-wie-kann-dieser-wahnsinn-passieren-1.2490277



Hinweis: Der nächste Beitrag in dieser Reihe erscheint nach den Sommerferien
am 7. September.

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.
Ihr Kommentar erscheint unter Verwendung Ihres Namens. Weitere Einzelheiten zur Speicherung und Nutzung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

4 Kommentare zu diesem Beitrag
kommentiert am 13.08.2015 um 18:30:
Meine Freundinnen und ich amüsieren uns aufs Beste über die Diskussion. Wir freuen uns jedenfalls, dass wir Frauen sind. Mit den früheren Mitschülerinnen, die sich für "Gleichberechtigung auf allen Ebenen" eingesetzt haben, möchten wir jedenfalls nie und nimmer tauschen! Man erkannte sie auch gleich beim ersten Schülertreffen. Nein danke!!! Sollen doch bitte diejenigen "Mädels" für Gleichberechtigung eintreten, die das wirklich wollen - zumal sie nur dadurch auffallen können und sonst durch nichts. Wir sind auch ohne "Beamtin", "Doktorin" usw. glücklich - und das ist gut so!!!
kommentiert am 10.08.2015 um 12:14:
Lieber C.A., als neutraler Leser fragt man sich warum FensterIn eine frauenfeindliche Aktivität sein soll?! Vom Ergebnis her müsste man den (traditionell entstandenen) Gedanken vielleicht mal weiter denken und Fragen ob auch irgendwann das Ansprechen einer Frau schon als Sexismus zu werten ist?! Und warum ist es aus ihrer Sicht verkehrt einen Bogen zu den uns täglich beschäftigenden Gesetztestexten zu schlagen? Als Beschäftigter einer Verwaltung wird man täglich damit konfrontiert, von daher ist der Vergleich aus meiner Sicht gar nicht so unpassend. Und als Mann möchte ich hinzufügen: Ich hätte höchsten Respekt vor einer Frau die bei mir FensterIn würde!
kommentiert am 30.07.2015 um 12:17:
Die Frage ist doch nicht, ob "Fensterln" ein frauenfeundliches Wort ist, sondern ob es eine frauenfeindliche Aktivität ist. Hier wurde ja nicht die Begrifflichkeit kritisiert. Die ist doch unstrittig. Die Kritik bezieht sich auf das, was die Studenten da treiben. Einen Zusammenhang zur geschlechtsneutralen Sprache in deutschen Gesetzestexten kann ich hier nicht erkennen. Ihr Fazit zu dem Thema kann ich auch nicht teilen. Wenn die Gesellschaft sich nunmal in diese Richtung entwickelt, ist es doch legitim, solche Traditionen in Frage zu stellen. Und ob man Sexismus nun daruch heilt, indem man ihn umkehrt, so wie Sie das vorschlagen, bezweifle ich ebenfalls.
kommentiert am 27.07.2015 um 19:58:
Als eifriger Leser Ihrer Blogs bin ich immer wieder erstaunt, wie Sie oftmals "den Nagel auf den Kopf" treffen. gerade das Beispiel mit der "Muttersprache" zeigt doch deutlich, dass man auch bei allem Verständnis für eine weibliche Sprache die Kirche im Dorf lassen sollte. Es handelt sich bei den Forderungen um eine weibliche Form der Sprache handelt es sich doch nur um einen "Streit um des Kaisers Bart" - oder wäre es den Befürwortern einer geschlechterneutralen Sprache etwa lieber, wenn man künftig schreibt: ein Streit um des Kaisers / der Kaiserin Bart". Ich wünsche allen anderen Lesern eine schöne (wenn auch Blog - freie) Sommerzeit.. B.B.
Konjunkturpaket_Banner_Detailbeitragsseite_355pxbreitpsd-min.jpg
Banner_Corona-bedingte_Rechtsänderungen_Detailbeitrag_355px-min.jpg
banner-beamtenrecht.png
Login
 
Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Kostenlose Hotline: 0800-2183-333
Kontaktformular

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular benutzen und wir melden uns bei Ihnen.

Kontaktformular
Beste Antworten. Mit den kostenlosen rehm Newslettern.
Jetzt aus zahlreichen Themen wählen und gratis abonnieren  

Kundenservice

  • +49 0800-2183-333
  • Montag - Donnerstag:    8-17 Uhr
  • Freitag:                           8-15 Uhr
  • Sie können uns auch über unser Kontaktformular Ihre Fragen und Anregungen mitteilen.

Verlag und Marken



Unsere Themen und Produkte

 

Service

 

Rechtliches

Ihre Vorteile

Folgen Sie uns

       

Zahlungsarten 

Rechnung Bankeinzug   MastercardVisa

PayPal Giropay Sofortüberweisung