Aktuelle Daten zum Berufswahlverhalten von zukünftigen Abiturienten

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Personalwerbung ist wichtig! Aber wie soll die Werbung für Nachwuchskräfte gestaltet werden? Eine Studie gibt Auskunft darüber, was sich angehende Abiturientenwünschen.

Liebe Leserinnen und Leser,


viele Behörden versuchen derzeit, Nachwuchskräfte anzuwerben. Die dabei durchgeführten Werbemaßnahmen variieren dabei in ihrer Wirksamkeit erheblich. Eine Ursache für die hohe Variation in der Effektivität ist nach meiner Meinung, dass einige Behörden sich zu wenig Gedanken über die beworbene Zielgruppe machen. Beispielsweise werben viele Kommunalverwaltungen mit dem Argument „Gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und wundern sich anschließend, dass sich vergleichsweise wenige junge Männer um einen Ausbildungs- oder Studienplatz bewerben. Versetzte man (oder vielleicht frau?) sich in die Lage eines jungen Mannes, würde es offensichtlich, dass das Argument „Gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für viele junge Männer eher eine Drohung statt eine Verlockung ist. Behrens und Zempel betonen in ihrem Werk „Personalmarketing im öffentlichen Sektor“, dass der Köder dem Fisch, nicht dem Angler schmecken müsse.

 

Für ein wirksames und passgenaues Personalmarketing sind aussagekräftige Informationen zum Berufswahlverhalten der beworbenen Zielgruppe erforderlich.  Die Studierenden Dennis Bak, Jan Niklas Brendel, Lisa Möllers, Kevin Schliedz und Richard Watzlawek (alle FHöV NRW) haben mit meiner Unterstützung im Auftrag des Ministeriums des Inneren NRW im Frühsommer 2018 Daten zum Berufswahlverhalten von Schülern erhoben, die voraussichtlich im Jahr 2019 das Abitur erlangen werden.    


 

Durchführung der Befragung


Die Befragten besuchten sowohl Gymnasien, Gesamtschulen als auch Berufskollegs in NRW. Insgesamt wurden Schülerinnen und Schüler von 23 Schulen in NRW befragt. Bei der Auswahl der Schulen wurde darauf geachtet, dass sowohl Schulen in (groß)städtischen als auch Schulen in ländlich/kleinstädtisch geprägten Regionen berücksichtigt wurden. Die Häufigkeit der berücksichtigten Schultypen orientiert sich an den NRW-weiten Schülerzahlen dieser Schultypen. Die Datenerhebung erfolgte anonym mit Fragebogen. Die Studierenden suchten die Schulen auf, verteilten die Fragebogen in den Klassen und blieben für Rückfragen anwesend. Der Fragebogen wurde vorab auf Verständlichkeit überprüft. Insgesamt wurden 1.000 Fragebogen verteilt, von denen anschließend 957 ausgewertet werden konnten.

 

Von den Schülerinnen und Schülern wurden u.a. folgende Daten erhoben:

  • Geschlecht
  • Migrationshintergrund
  • derzeitiger Notendurchschnitt
  • Informationsquellen zur Berufswahl
  • Stand des Entscheidungsprozesses zur Studien- und Berufswahl
  • Vorliebe für Studium oder Ausbildung
  • bevorzugte Berufswahlkriterien
  • Image des öffentlichen Dienstes
  • Vorliebe für den öffentlichen Dienst
  • Nähe zum öffentlichen Dienst


Es liegt ein SPSS-Datensatz vor, der für Auswertungen genutzt werden kann. Im folgenden erste ausgewählte Ergebnisse.

 


Die Befragten


Die Angaben zum Geschlecht verteilen sich wie folgt: 43,4% männlich, 55,3% weiblich, 1,3% anderes. Rund 27% der Schülerinnen und Schüler wiesen einen aktuellen Notendurchschnitt auf, der besser als 2,0 war. Einen Migrationshintergrund hatten 34,6 % der Schülerinnen und Schüler.


 

Informationsquellen


Die für die Studien- und Berufswahl verwendeten Quellen lassen sich aus Tabelle 1 entnehmen.

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Tabelle 1: Informationsquellen für die Studien- und Berufswahl
(N = 957, Mehrfachnennungen möglich).

 

 

Für Schüler haben YouTube und die Websites der Arbeitgeber und Hochschulen eine relativ höhere Bedeutung, für Schülerinnen Informationstage an Schulen sowie Internetforen. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund nutzen die Informationsquellen in geringerem Ausmaß.

 


Stand des Entscheidungsprozesses


28,2% der Befragten hatten ein Jahr vor dem Abitur hinsichtlich Studien- und Berufswahl bereits eine Entscheidung getroffen, 63,5% waren mitten im Entscheidungsprozess, 8,2% haben sich noch nicht mit dieser Frage beschäftigt. Im Hinblick auf die Teilgruppe Geschlecht ist auffällig, dass sich 12% der Männer im Gegensatz zu 4% der Frauen noch nicht mit der Berufswahl beschäftigt haben. High Potentials (Notendurchschnitt besser als 2,0) sind weiter im Entscheidungsprozess als Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Noten.

 


Ausbildung oder Studium?


Ein Studium streben 53,5%, eine Ausbildung 19,5% und eine Kombination von Studium und Ausbildung 27,0% der Schülerinnen und Schüler an. Frauen streben häufiger ein Studium an als junge Männer. Letztere können sich in deutlich höherem Maße eine Kombination aus Studium und Ausbildung vorstellen. High Potentials streben zu 78,2% ein Studium an, eine Ausbildung ist für diese Gruppe kaum eine Wahl (2,4%). In Bezug auf die Präferenz „Ausbildung“ weisen zukünftige Abiturienten/innen mit und ohne Migrationshintergrund keinen Unterschied auf, allerdings bevorzugen Migranten in etwas höherem Maße ein (reines) Studium. Schülerinnen und Schüler aus (Groß)Städten streben in etwas höherem Maße ein (reines) Studium an.

 


Berufswahlkriterien


Aus Tabelle 2 sind die Berufswahlkriterien der befragten Schülerinnen und Schüler und deren Bedeutung ersichtlich.

 

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Tabelle 2: Berufswahlkriterien und deren Bedeutung.
Skala: 1 = „sehr wichtig“ bis 4 = „wenig wichtig“ ( N = 947).

 

 

Im Vergleich sind Männern die Kriterien Gehalt und Karrierechancen wichtiger als Frauen. Letztere legen mehr Wert auf das Kriterium „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. High Potentials weisen den Kriterien sinnhafte Arbeit und Auslandsaufenthalte höhere Wichtigkeit zu, Schülerinnen und Schüler mit einem nicht so gutem Notendurchschnitt ist das Kriterium Wohnortnähe wichtiger. Für Migranten sind die Kriterien Gehalt, Karrierechancen, gesellschaftliches Ansehen, sicherer Arbeitsplatz wichtiger als für Nicht-Migranten.

 


Image


Das Image des öffentlichen Dienstes aus Sicht der Befragten aus Tabelle 3 ersichtlich.

 

Grafik2_zuBlogGoumelon16Juli-min.jpg
Tabelle 3: Image des öffentlichen Dienstes aus Sicht von 957 NRW-Abiturienten/innen.
Skala: 1 = „trifft voll zu“ bis 4 = „trifft nicht zu“.


 

Frauen haben insgesamt ein etwas besseres Bild vom öffentlichen Dienst als Männer. Dies trifft tendenziell auch für Schülerinnen und Schüler mit weniger guten Noten sowie Migranten zu.

 


Im öffentlichen Dienst arbeiten?


Zudem wurden die Schülerinnen und Schüler befragt, ob sie sich vorstellen können im bzw. für den öffentlichen Dienst zu arbeiten. Von allen Befragten gaben 56% an, dass sie sich das vorstellen können. Auffällig ist, dass sich nur 41,5% der High Potentials dies vorstellen können (Normal Potentials: 61,6%). Bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sind es 62,4%, bei jungen Menschen ohne Migrationshintergrund 52,6%.

 


Kontakt zum öffentlichen Dienst


Knapp 59% der Befragten gaben an, Angehörige oder Bekannte zu haben, die im öffentlichen Dienst tätig sind. Hervorzuheben ist hierbei, dass jene Befragte ohne Migrationshintergrund deutlich häufiger Angehörige oder Bekannte im öffentlichen Dienst aufweisen, als jene mit. Diejenigen, die Angehörige oder Bekannte im öffentlichen Dienst haben, können sich deutlich eher vorstellen im bzw. für den öffentlichen Dienst zu arbeiten.

 


Ausblick


Die oben dargestellten Ergebnisse lassen sich auf alle angehenden Abiturientinnen und Abiturienten im Land NRW des Jahres 2019 übertragen. Mit Abstrichen sind die Ergebnisse wohl auch auf andere Bundesländer übertragbar. Innerhalb der Gesamtgruppe der zukünftigen Abiturienten zeigen sich teils deutliche Unterschiede hinsichtlich der erhobenen Berufswahldaten, die sich auf die Faktoren Geschlecht, Migrationshintergrund, Notendurchschnitt zurückführen lassen. Weitere Analysen des Datenmaterials sind erforderlich, um bestimmte Schülertypen mit unterschiedlichen Präferenzen im Hinblick auf die Studien- und Berufswahl zu identifizieren. Schon jetzt lassen sich die Ergebnisse für die Gestaltung von Personalmarketing-Maßnahmen nutzen.

 

Herzlichst

Ihr

Andreas Gourmelon

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